Wie funktioniert das Online-Programm Quit the Shit?
Quit the Shit ist ein Online-Programm, das Menschen dabei unterstützt, ihren Cannabiskonsum zu verändern. Es dauert standardmäßig vier Wochen. In dieser Zeit führst du ein Konsumtagebuch, bearbeitest Übungen und erhältst einmal pro Woche eine persönliche Rückmeldung von einer Beraterin oder einem Berater. Laut Programmseite ist die Teilnahme kostenlos und anonym. Dieser Artikel erklärt den Ablauf Schritt für Schritt und worauf du vor dem Start achten solltest.
Für wen das Programm gedacht ist
Quit the Shit versteht sich als Informations- und Beratungsservice für Cannabiskonsumierende, die professionelle Hilfe suchen. Ob du reduzieren oder ganz aufhören willst, bestimmst du selbst. Du musst also nicht schon sicher sein, dass du abstinent leben möchtest. Die genauen Voraussetzungen, auch zum Mindestalter, nennt die Programmseite. Lies sie vor der Anmeldung und frag bei Unsicherheit beim Anbieter oder bei einer Beratungsstelle nach.
Der Ablauf Schritt für Schritt
Die Programmseite beschreibt sieben Stationen. Die wichtigsten im Überblick:
- Anmeldung: Du füllst einen Fragebogen zu dir und deinem Konsum aus, das dauert laut Programmseite etwa 15 bis 20 Minuten.
- Einstieg: Du wählst einen Starttermin. Empfohlen wird ein Erstgespräch im Einzelchat, dafür solltest du 60 Minuten einplanen. Ohne Erstgespräch kannst du auch einsteigen.
- Tagebuch: Du protokollierst deinen Konsum und seine Umstände. Du hast mindestens vier Wochen Zugang.
- Übungen: Die Beratung schaltet sie je nach Verlauf für dich frei.
- Rückmeldung: Einmal wöchentlich bekommst du eine individuelle Rückmeldung zu Tagebuch und Übungen.
- Forum: Angemeldete Teilnehmende tauschen sich in einem geschützten Bereich aus.
- Abschluss: Zum Ende lädt dich die Beratung zu einem weiteren Chat ein. Dort geht es darum, wo du jetzt stehst und wie es weitergeht.
Das Tagebuch führst du täglich. Plane die Aufgaben realistisch ein, sonst verlierst du schnell den Faden. Ein fester Zeitpunkt am Tag hilft, dranzubleiben, auch wenn die Motivation fehlt. In Absprache mit der Beratung kann das Programm um zwei Wochen verlängert werden.
Anmeldung und Datenschutz
Vor der Anmeldung liest du die Datenschutzhinweise und die Teilnahmebedingungen. Laut Programmseite werden deine gespeicherten Daten vertraulich behandelt und auf deinen Wunsch oder spätestens sechs Monate nach dem Ende der Beratung vollständig gelöscht. Die Beratenden unterliegen der Schweigepflicht und haben nach Angabe des Programms das Zeugnisverweigerungsrecht. Wenn du unsicher bist, kannst du vorab eine Beratungsstelle vor Ort fragen, wie sie das Programm einschätzt. Die Fragen zum Datenschutz bei Online-Angeboten erklärt der Artikel Wie sicher sind Daten bei Online-Beratung?
Die Teilnahme ist nach Angabe der Programmseite kostenlos. Wie sich kostenlose Angebote von kostenpflichtigen unterscheiden lassen, zeigt der Artikel Ist die Online-Suchtberatung für Cannabis kostenlos?
Was du aus dem Programm mitnehmen kannst
Das Programm bringt dir am meisten, wenn du mit einem klaren Anliegen beginnst. Du kannst zum Beispiel festhalten, in welchen Situationen du Cannabis nutzt, und daran arbeiten, wie du diese Situationen anders gestaltest. Das Tagebuch macht Muster sichtbar. Die Methode erklärt der Artikel Hilft ein Konsumtagebuch beim Aufhören mit Cannabis? Auf der Programmseite steht ausdrücklich, dass es keine Garantie auf Erfolg gibt und dass du aktiv mitarbeiten musst.
Ein Ziel, das du überprüfen kannst, ist hilfreicher als ein allgemeiner Vorsatz. Formuliere es konkret, etwa „an drei Abenden pro Woche kein Cannabis“, und schreib es in die erste Aufgabe. So siehst du am Ende der Woche, ob du es geschafft hast.
Motivation und Rückschläge
Rückschritte können vorkommen. Es lohnt sich, das Programm trotzdem fortzusetzen. Entscheidend ist, was du aus einem Rückschlag lernst: Welche Situation hat dazu geführt, welche Gefühle waren beteiligt und welche Alternative hättest du gehabt? Halte das im Tagebuch fest und besprich es mit deiner Beraterin oder deinem Berater. Wie du nach einem Rückfall weitermachst, beschreibt der Artikel Was tun nach einem Rückfall beim Cannabiskonsum?
Sprich auch außerhalb des Programms über deine Pläne. Ein vertrauter Mensch, der deine Ziele kennt, kann dich im Alltag unterstützen. Wenn du merkst, dass dich das Programm eher belastet, sind Pausen erlaubt. Eine Beratung vor Ort kann dann der bessere Weg sein.
Typische Missverständnisse
Ein verbreiteter Irrtum lautet: „Wenn ich das Programm abbreche, war alles umsonst.“ Die Teilnahme ist freiwillig, und du kannst jederzeit aussteigen. Das Programm empfiehlt dennoch die gesamten vier Wochen, weil sich Konsumverhalten nicht von heute auf morgen ändert. Auch eine kurze Phase der Selbstbeobachtung liefert Informationen über den eigenen Konsum. Ein zweiter Irrtum ist, dass ein Programm von allein wirkt. Es braucht Zeit und eigene Schritte.
Ein dritter Irrtum betrifft Entzug: Wer nach dem Ende des Konsums unruhig oder gereizt ist, sollte das nicht allein aushalten. Mehr dazu erklärt der Artikel Welche Entzugssymptome gibt es bei Cannabis?
Grenzen des Programms
Die Beratung bei Quit the Shit kann nach Angabe des Programms keine Therapie und keine längere persönliche Beratung ersetzen. Wenn du Entzugssymptome bemerkst, starke Stimmungsschwankungen erlebst oder den Konsum trotz Vorsätzen nicht stoppen kannst, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt. Auch bei gleichzeitigem Konsum anderer Substanzen ist eine persönliche Beratung sinnvoll. Mehr zu Entzug und Abhängigkeit findest du im Artikel Woran erkenne ich eine Cannabisabhängigkeit?
Alternativen zu Quit the Shit
Wenn Quit the Shit nicht passt, gibt es weitere Wege. Lass das Gras bietet eine individuelle Beratung über 90 Tage und ist laut Anbieter kostenfrei, die Zahl der freien Plätze kann sich laut Startseite täglich ändern. DigiSucht vermittelt dich nach der Registrierung an eine zuständige Beratungsstelle. Beratungsstellen vor Ort findest du im Suchthilfeverzeichnis der DHS. Die Grundlagen zum frühen Einstieg erklärt der Artikel Welche Folgen hat ein früher Einstieg in den Konsum?
Ein Vorher-Check vor dem Start
- Notiere, wie oft und in welchen Situationen du konsumierst, eine Woche lang.
- Formuliere ein Ziel, das du in Tagen oder Wochen messen kannst.
- Lege fest, wer dich unterstützt, wenn es schwierig wird.
- Halte die Nummer einer Beratungsstelle bereit. Wo du sie findest, zeigt der Artikel Wo finde ich eine Suchtberatungsstelle für Cannabis?
Nächste Schritte
Lies die Programmbeschreibung und entscheide, ob sie zu deiner Lage passt. Wenn du dir unsicher bist, sprich vorab mit einer Beratungsstelle. Parallel kannst du einen Cannabis-Check machen, um deinen Stand grob einzuschätzen. Der Artikel Gibt es einen zuverlässigen Cannabis-Check zum Selbsttest? ordnet solche Tests ein. Eine Übersicht zu Hilfsangeboten findest du unter Hilfe und Beratung.
Häufige Fragen
Wer kann an Quit the Shit teilnehmen?
Das Programm richtet sich an Menschen, die ihren Cannabiskonsum reduzieren oder beenden möchten. Die genauen Voraussetzungen, auch zum Mindestalter, stehen auf der Programmseite. Prüfe sie vor der Anmeldung. Bei Unsicherheit fragst du beim Anbieter oder bei einer Beratungsstelle nach.
Ersetzt das Online-Programm eine Behandlung?
Nein. Nach Angabe des Programms kann es eine Therapie oder eine längere persönliche Beratung nicht ersetzen. Bei Abhängigkeit, psychischen Beschwerden oder starkem Entzug brauchst du zusätzlich ärztliche Unterstützung oder eine Beratung vor Ort. Sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, wenn du dir unsicher bist.