Ist die Online-Suchtberatung für Cannabis kostenlos?
Ja, die bekannten Online-Angebote zu Cannabis kosten nichts. DigiSucht ist laut Anbieter für Ratsuchende vollkommen kostenfrei, Quit the Shit und Lass das Gras nennen die Teilnahme ebenfalls kostenlos beziehungsweise kostenfrei. Es gibt aber auch kommerzielle Anbieter, die Honorare verlangen. Deshalb lohnt sich vor der Anmeldung ein kurzer Check: Wer betreibt das Angebot, was kostet es, und welche Daten brauchst du dafür? Dieser Artikel zeigt dir, wie du Kosten und Träger prüfst und was du für den Zugang brauchst.
Wer betreibt das Angebot?
Der erste Blick gilt dem Impressum. Dort steht, wer die Seite betreibt und ob es sich um einen Verein, eine Stiftung, eine öffentliche Stelle oder ein Unternehmen handelt. Bei einem Unternehmen musst du genauer hinschauen, denn dort können Preise für einzelne Sitzungen oder für Pakete anfallen.
Ein Beispiel ist DigiSucht (suchtberatung.digital). Laut Anbieter arbeiten dort Fachkräfte, die auch in Suchtberatungsstellen vor Ort tätig sind. Die Beteiligten werden über öffentliche Mittel finanziert, die Beratung kostet dich nichts. Bei der Registrierung gibst du unter anderem deine Postleitzahl an und wirst einer zuständigen Beratungsstelle zugewiesen. Aus dem Saarland und aus Schleswig-Holstein ist die Teilnahme laut DigiSucht aktuell eingeschränkt oder nicht möglich. Dann hilft das Suchthilfeverzeichnis der DHS weiter. Quit the Shit gehört zu den Online-Angeboten des BIÖG und Lass das Gras bietet eine Begleitung über 90 Tage. Beide nennen die Teilnahme kostenlos beziehungsweise kostenfrei.
Was „kostenlos“ genau heißt
Kostenlos heißt, dass für die Beratung kein Entgelt anfällt. Ob ein Angebot daneben kostenpflichtige Zusatzleistungen hat, steht in der Beschreibung. Lies sie vor der Anmeldung. Wenn nach der Anmeldung eine Zahlungsaufforderung kommt, mit der du nicht gerechnet hast, brich den Vorgang ab und frag beim Träger nach.
Gib keine Bankdaten an, wenn kein Entgelt vorgesehen ist. Seriöse Angebote fragen für eine kostenfreie Beratung keine Zahlungsdaten ab. Wenn doch, ist das ein Grund, genauer hinzuschauen. Eine Übersicht zu den Kosten verschiedener Hilfen findet sich im Artikel Was kostet eine Cannabis-Beratung?
Anmeldung und Zugang
Die bekannten Angebote verlangen eine Registrierung, die Angaben unterscheiden sich. Bei DigiSucht ist der Nutzername frei wählbar, die E-Mail-Adresse ist freiwillig, und die Beratung ist auf Wunsch anonym. Bei Quit the Shit legst du Benutzername und Passwort fest und füllst einen Fragebogen zu deinem Konsum aus. Lass das Gras verlangt eine gültige E-Mail-Adresse. Wähle ein eigenes, sicheres Passwort, das du nirgendwo sonst benutzt. Lies die Datenschutzerklärung, bevor du dich registrierst, und entscheide dann, welche Angaben du machst.
DigiSucht nutzt du direkt im Browser, eine App brauchst du nicht. Videocalls funktionieren laut Anbieter derzeit nur mit aktuellen Versionen von Chrome oder Edge auf Windows, macOS oder Android. Auf iPhones und iPads kann es Einschränkungen geben. Reine Textnachrichten laufen auch mit anderen Browsern. Suche dir für ein Videogespräch einen Raum, in dem du ungestört bist, und teste die Technik vorab. Die Hinweise zu Daten und Anmeldung im Einzelnen erklärt der Artikel Wie sicher sind Daten bei Online-Beratung?
Checkliste vor der Anmeldung
- Impressum lesen: Wer betreibt das Angebot, und welche Rechtsform hat der Träger?
- Preise suchen: Steht auf der Startseite oder in den Fragen, was kostet?
- Datenschutzerklärung lesen: Welche Daten werden erhoben, wie lange gespeichert, und wer hat Zugriff?
- Erreichbarkeit prüfen: Gibt es feste Zeiten, Wartezeiten oder eine Rückrufzusage?
- Notfallweg festlegen: Wen rufst du an, wenn du in einer akuten Krise bist?
Wer alle fünf Punkte geklärt hat, kann entspannt starten. Fehlt eine Antwort, frag beim Träger nach, bevor du Daten eingibst. Eine seriöse Stelle beantwortet diese Fragen ohne Druck.
Was Online-Beratung leisten kann
Online-Beratung kann sich für erste Gespräche und für Fragen zu Konsum und Alltag eignen, besonders wenn eine Stelle vor Ort schwer erreichbar ist. Bei akuten Krisen reicht sie nicht aus. Wenn du an einem Punkt bist, an dem du dich nicht sicher fühlst, wähle den Notruf 112 oder wende dich an eine Stelle vor Ort. Der Krisenchat ist für alle unter 25 Jahren da, die akute Hilfe suchen, und ist laut dem Drogenbeauftragten der Bundesregierung kostenlos und vertraulich. Die Grenzen von Online-Angeboten erklärt der Artikel Wann reicht Online-Beratung nicht aus und Hilfe vor Ort ist nötig?
Ablauf eines Online-Termins
Ein digitales Beratungsgespräch läuft ähnlich ab wie ein Termin vor Ort: Du meldest dich zur vereinbarten Zeit an und schilderst dein Anliegen. Du kannst vorher Stichworte notieren, damit du nichts vergisst. Am Ende wird meist ein nächster Schritt festgehalten. Bei Verbindungsproblemen melde dich neu an oder wende dich über die Kontaktwege des Angebots an die Beratung. Wie ein erstes Gespräch typischerweise aufgebaut ist, beschreibt der Artikel Wie läuft ein erstes Beratungsgespräch ab?
Schreibst du lieber, als zu sprechen, gelten andere Abläufe. Bei DigiSucht kannst du nach der Registrierung eine Nachricht verfassen oder je nach Verfügbarkeit einen Beratungstermin buchen. Wie schnell die Antwort kommt, nennt die Plattform in ihren Fragen und Antworten. Bei Quit the Shit gibt es einmal pro Woche eine persönliche Rückmeldung der Beratung.
Typische Missverständnisse
Ein verbreiteter Irrtum lautet: „Online heißt automatisch anonym.“ Das stimmt so nicht. Bei einem Login werden Daten gespeichert, auch wenn du dich mit einem Pseudonym anmeldest. Ob und wie anonym du bleibst, regelt das Angebot in seiner Datenschutzerklärung. Ein zweiter Irrtum ist, dass kostenlos unverbindlich bedeutet. Auch kostenlose Angebote haben feste Abläufe, an die du dich halten solltest, wenn du Hilfe möchtest.
Wer Fragen zur Sicherheit seiner Daten hat, kann sie vor dem ersten Termin stellen. Eine gute Beratung erklärt dir, wie das Gespräch dokumentiert wird und wer darauf Zugriff hat.
Nächste Schritte
- Prüfe Träger und Kosten im Impressum und auf der Startseite des Angebots.
- Lies die Datenschutzerklärung, bevor du dich anmeldest.
- Vereinbare ein erstes Gespräch und halte die Technik vorab bereit.
Wer die Kosten übernimmt, wenn ein Angebot doch Geld verlangt, klärt der Artikel Wer zahlt die Suchtberatung? Einen Vergleich zwischen digitaler und persönlicher Beratung findest du im Artikel Online-Beratung oder Beratungsstelle vor Ort: was passt? Weitere Angebote findest du unter Online-Beratung.
Häufige Fragen
Brauche ich für Online-Beratung ein Konto?
Bei den meisten Angeboten ja. Eine Registrierung ist nötig, damit du Termine buchen und Gespräche führen kannst. Einige Dienste fragen nur die nötigsten Angaben ab oder lassen ein Pseudonym zu. Lies vor der Anmeldung die Datenschutzerklärung und entscheide dann, welche Angaben du machen willst.
Ist Online-Beratung genauso gut wie ein Gespräch vor Ort?
Das hängt vom Anliegen ab. Eine Online-Beratung kann zu vielen Fragen passen, besonders für den Einstieg. Bei akuter Krise, bei Gefahr für dich oder andere und wenn eine körperliche Untersuchung nötig ist, ist ein Angebot vor Ort oder der Notruf die bessere Wahl. Du kannst beides kombinieren.