Wie hilft die Suchtberatung für Eltern?
Eltern können sich bei Fragen zum Cannabiskonsum ihres Kindes an Suchtberatungsstellen wenden. Dort wird die Lage besprochen, und ihr überlegt gemeinsam, welche Schritte passen. Die Beratung hilft dir, die Situation einzuordnen. Welche Angebote genau zur Verfügung stehen, hängt davon ab, wo du wohnst und welche Stelle du wählst.
Welche Stellen für Eltern erreichbar sind
Mehrere Wege stehen dir offen. Sie unterscheiden sich in Form, Erreichbarkeit und Anonymität:
- DigiSucht: digitale, kostenlose und anonyme Suchtberatung für erwachsene Betroffene, Angehörige und Eltern (suchtberatung.digital).
- Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 111 0 550.
- Infotelefon zur Suchtvorbeugung des BIÖG: 0221 89 20 31, montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr (Angaben des BIÖG).
- Sucht & Drogen Hotline: 01806 313031, laut Drogenbeauftragtem 20 Cent pro Anruf, auch für Angehörige.
- Beratungsstelle vor Ort: über das DHS-Suchthilfeverzeichnis findest du Einrichtungen. Die Suche funktioniert nach Postleitzahl oder Ort mit Umkreisangabe.
Wenn du lieber schreibst, eignet sich ein Online-Angebot. Wenn du dich persönlich besprechen willst, suche eine Stelle vor Ort. Der Artikel Wo bekommen Eltern Beratung bei Cannabis? stellt die Wege noch einmal gegenüber.
Was Eltern im Gespräch erwarten können
Im Gespräch geht es nicht darum, dir Vorwürfe zu machen. Die Fachkraft fragt nach dem, was du beobachtest, seit wann es so ist und was du bisher unternommen hast. Oft klärt sich schon im ersten Gespräch, ob eine Beratung für dich allein reicht oder ob dein Kind selbst Unterstützung braucht.
Du kannst auch ohne dein Kind um Rat fragen. Viele Eltern kommen zuerst allein, um sich zu orientieren. Ob ein Termin vor Ort ohne dein Kind möglich ist, klärst du direkt mit der Beratungsstelle.
Wie der erste Kontakt aussehen kann
Bevor du anrufst oder schreibst, lohnt es sich, deine Beobachtungen zu notieren. Schreibe auf, was dir aufgefallen ist, seit wann es so ist und was dein Kind selbst dazu gesagt hat. Du musst nicht alles wissen, um ein Gespräch zu beginnen.
Du kannst beim ersten Gespräch fragen, welche weiteren Stellen für dein Kind infrage kommen. Wie genau das in der jeweiligen Stelle abläuft, erfährst du direkt bei ihr. Eine Übersicht zu Telefon- und Chatangeboten findet sich im Artikel Wo finde ich eine telefonische Beratung zu Cannabis?
Das Gespräch mit dem Kind vorbereiten
Viele Eltern fragen sich, wie sie das Thema ansprechen sollen, ohne dass das Gespräch in einem Streit endet. Hilfreich ist ein ruhiger Moment ohne Zeitdruck. Sprich über das, was du siehst, nicht über das, was du vermutest. Sage zum Beispiel, dass du dir Sorgen machst, weil sich etwas im Alltag verändert hat, und höre dann zu.
Der Artikel Wie spreche ich mit meinem Kind über Cannabis? gibt dazu Beispiele. Wichtig ist, dass dein Kind merkt, dass es mit dir reden kann, auch wenn du nicht alles gut findest.
Rechtliche Grenzen bei Minderjährigen
Für Kinder und Jugendliche gelten besondere Regeln. Der Besitz von Cannabis ist nach dem KCanG erst ab 18 Jahren erlaubt. Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Minderjährigen ist verboten. Wer Cannabis an ein Kind oder einen Jugendlichen weitergibt, macht sich strafbar, und in besonders schweren Fällen drohen hohe Strafen. Mehr dazu erklärt der Artikel Welche Rechte und Pflichten haben Eltern bei Cannabis und Minderjährigen?
Wann Eltern nicht abwarten sollten
Wenn dein Kind sich selbst gefährdet oder du dich in Gefahr fühlst, wähle den Notruf 112. Ein Beratungsgespräch ersetzt in solchen Momenten keine sofortige Hilfe. Weitere Hinweise zu Krisen findest du im Artikel Wann sollten Eltern sofort Hilfe holen?
Prävention in der Familie
Eltern sollten vorab ihre eigene Haltung zu Cannabis und ihr eigenes Verhalten überdenken, so cannabispraevention.de. Das hilft, ruhig zu bleiben, wenn das Gespräch schwierig wird. Auf Aussagen wie „Cannabis ist harmlos“ solltest du vorbereitet sein. Die Seite erklärt, warum Cannabis für Jugendliche besonders riskant ist.
Für junge Menschen gilt: Das junge Gehirn befindet sich in einer wichtigen Entwicklungsphase. Der frühe Einstieg kann nach drugcom die kognitive Leistungsfähigkeit nachhaltig beeinträchtigen. Das ist ein guter Grund, Konsum früh anzusprechen.
Du musst das nicht allein tragen
Viele Eltern fühlen sich mit der Situation allein. Schuldgefühle, Scham und Angst gehören oft dazu. Eine Beratung kann dir helfen, diese Gefühle zu sortieren und die eigene Rolle zu klären. Auch Selbsthilfegruppen für Eltern nehmen diesen Druck oft aus dem Alltag. Mehr dazu steht im Artikel Gibt es Selbsthilfe für Eltern von Suchtkranken?
Wenn das Kind das Gespräch blockt
Manchmal blocken Kinder jedes Gespräch ab. Dann hilft es, nicht auf ein Geständnis zu drängen. Lass das Gespräch offen und überleg mit der Beratungsstelle, welcher Ton im Alltag passt. Oft reicht es, dem Kind zu zeigen, dass du da bist, ohne jede Frage sofort beantworten zu müssen.
Was du jetzt tun kannst
- Notiere deine Beobachtungen, bevor du dich meldest.
- Nutze DigiSucht, das Elterntelefon oder das Infotelefon, wenn du unsicher bist, wo du anfangen sollst.
- Suche über das DHS-Suchthilfeverzeichnis eine Stelle vor Ort, wenn du ein persönliches Gespräch möchtest.
- Lies weiter im Artikel Was sollten Eltern als Erstes tun, wenn sie Cannabiskonsum vermuten?
Häufige Fragen
Kann ich Suchtberatung als Elternteil nutzen, ohne dass mein Kind mitkommt?
Ja, die Elternberatung richtet sich an dich als Elternteil. DigiSucht und das Elterntelefon sind auch für Eltern gedacht. Ob ein Termin vor Ort ohne dein Kind möglich ist, klärst du direkt mit der Beratungsstelle, weil die Regeln je nach Stelle unterschiedlich sein können.
Was kostet die Beratung für Eltern?
DigiSucht ist laut Anbieter für Ratsuchende vollkommen kostenfrei, die Sucht & Drogen Hotline kostet laut Drogenbeauftragtem 20 Cent pro Anruf. Das Infotelefon des BIÖG berechnet Gespräche nach der Preisliste deines Telefonanbieters. Für Beratungsstellen vor Ort gelten jeweils eigene Regeln, die du bei der Stelle erfragst, bevor du einen Termin vereinbarst.
Wie finde ich eine Beratungsstelle in meiner Region?
Im DHS-Suchthilfeverzeichnis gibst du Postleitzahl oder Ort ein und wählst einen Umkreis. Das Verzeichnis zeigt Einrichtungen der Suchthilfe. Wenn keine Stelle in der Nähe liegt, hilft eine Online-Beratung als Übergang, etwa DigiSucht.
Wie erreiche ich das Infotelefon zur Suchtvorbeugung?
Das Infotelefon zur Suchtvorbeugung des BIÖG ist unter 0221 89 20 31 erreichbar, montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Bei akuter Gefahr wählst du den Notruf 112, denn das Infotelefon ersetzt keine Hilfe vor Ort.
Quellen
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Cannabis
- BIÖG cannabispraevention.de: Empfehlungen für Eltern
- Gesetz zum Konsumcannabis (KCanG) § 5
- Gesetz zum Konsumcannabis (KCanG) § 34
- Gesetz zum Konsumcannabis (KCanG) § 3
- BIÖG: Infotelefon zur Suchtvorbeugung
- Nummer gegen Kummer: Elterntelefon
- Drogenbeauftragter der Bundesregierung: Beratungsangebote
- Sucht & Drogen Hotline
- DHS: Suchthilfeverzeichnis
- DigiSucht: Fragen und Antworten
- drugcom.de: Drogenlexikon Cannabis