Wann sollten Eltern sofort Hilfe holen?
Eltern sollten sofort Hilfe holen, wenn ihr Kind bewusstlos ist, nicht mehr richtig atmet, einen Krampfanfall hat oder in einem Zustand ist, in dem es sich oder andere gefährdet. In diesen Fällen zählt jede Minute, und Sie brauchen keine Gewissheit über Substanz oder Menge, um den Notruf 112 zu wählen. Dieser Ratgeber beschreibt die wichtigsten Warnzeichen eines Drogennotfalls, die ersten Schritte bis zum Eintreffen der Rettungskräfte und die Anlaufstellen für Krisen, die noch keinen Notfall darstellen.
Wann ist es ein Notfall?
Nicht jede schwierige Situation ist ein Notfall. Eine Krise im Familienalltag, etwa ein heftiger Streit oder ein Kind, das sich zurückzieht, braucht ein Gespräch und Unterstützung. Ein Notfall liegt vor, wenn der Körper oder die Psyche akut gefährdet sind. Die Seite mindzone.info zählt dazu Warnzeichen, die Sie kennen sollten, bevor es so weit ist.
Die wichtigsten Warnzeichen
- Überhitzung: roter, heißer Kopf, mögliches Erbrechen, sehr warme Haut und schneller Puls. Die Seite warnt ausdrücklich, dass eine Überhitzung tödlich enden kann.
- Kreislaufprobleme: Blässe, plötzliche Schweißausbrüche, kaum fühlbarer Puls, Übelkeit, Schwindel und Schwäche.
- Bewusstlosigkeit: Die Person reagiert weder auf Ansprechen noch auf festes Zwicken, atmet aber noch.
- Krampfanfall: verkrampfte Muskeln, Zuckungen, nach oben rollende Augen und plötzliches Hinfallen.
- Aggressivität oder Psychose: unkontrolliertes Verhalten, Verfolgungsgedanken oder Selbstverletzung, besonders nach aufputschenden Substanzen.
- Panik oder „Bad Trip“: Angstzustände, Wahrnehmungsstörungen, Orientierungsverlust und schnelle, flache Atmung.
- Schock: blasse, kalte Haut, Pulsrasen oder schwacher Puls, Benommenheit und Unruhe.
- Atem- oder Herzstillstand: kaum noch Bewegung des Brustkorbs, kein Luftzug an Mund und Nase, bläuliche Lippen.
Was Sie bis zum Eintreffen der Hilfe tun
Bleiben Sie ruhig und bitten Sie andere Anwesende um Hilfe. Bleiben Sie bei der Person und sprechen Sie sie an. Sorgen Sie für eine ruhige, geschützte Umgebung und entfernen Sie gefährliche Gegenstände. Wenn Sie wissen, welche Substanzen konsumiert wurden, sagen Sie das dem Rettungsteam vor Ort. Reste können helfen, die Substanz einzuordnen. Auch Vorerkrankungen sind wichtig, etwa Herz- oder Atemprobleme.
Je nach Situation gilt Folgendes, wie die Seite mindzone beschreibt. Bei Überhitzung hilft eine Lagerung mit oben liegendem Kopf, kühle Luft und ein Getränk ohne Alkohol, sofern die Person ansprechbar ist. Bei Bewusstlosigkeit prüfen Sie Atmung und Puls. Funktionieren beide, bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage und rufen den Rettungsdienst. Bewusstlosen Personen geben Sie keine Getränke, weil Erstickungsgefahr besteht. Bei einem Krampfanfall entfernen Sie gefährliche Gegenstände, halten die Person nicht fest und legen ihr den Kopf auf eine weiche Unterlage. Danach folgt die stabile Seitenlage. Bei Atem- oder Herzstillstand folgen Sie den Anweisungen der Notrufzentrale und beginnen mit der Wiederbelebung, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Diese Hinweise ersetzen keinen Erste-Hilfe-Kurs. Wer sich unsicher ist, folgt den Anweisungen der Notrufzentrale, die Sie am Telefon begleitet.
Der Notruf 112
Die Notrufnummer in Deutschland ist 112. Bei Stichworten wie Atemstillstand oder Bewusstlosigkeit kommt der Rettungswagen mit Notarzt so schnell wie möglich. Nach Angaben von mindzone unterliegen Ärztinnen, Ärzte und Rettungssanitäter der Schweigepflicht, deshalb können Sie ihnen vor Ort offen sagen, was konsumiert wurde. Nennen Sie am Telefon den Ort und die Art des Notfalls.
Krisen ohne Notfall
Manchmal gibt es keine akute Gefahr, aber trotzdem eine Krise. Das Kind droht mit Weglaufen, Sie fürchten um seine Zukunft oder Sie wissen nicht mehr, wie Sie reagieren sollen. Dann hilft ein Gespräch mit einer Fachkraft. Die Online-Beratung DigiSucht bietet Eltern laut Plattform kostenlose Beratung an, auf Wunsch anonym. Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer erreichen Sie unter 0800 111 0 550; Zeiten und Kosten stehen auf nummergegenkummer.de.
Für Gespräche über den eigenen Umgang mit dem Kind gibt es außerdem den Ratgeber Wie gehe ich mit Angst um, wenn mein Kind Cannabis nimmt?. Er beschreibt, wie Sie mit Sorgen umgehen, ohne sich selbst zu überfordern.
Wann Sie eine Beratung kontaktieren sollten
Warten Sie nicht ab, bis aus einer Krise ein Notfall wird. Sprechen Sie eine Beratungsstelle an, wenn Sie wiederholt Konsumspuren finden, wenn Schule oder Ausbildung leiden, wenn Geld verschwindet oder wenn Ihr Kind sich über längere Zeit verändert. Eine Beratungsstelle kann helfen, die Lage einzuschätzen.
Prävention im Familienalltag
Wer die Warnzeichen kennt, kann früher reagieren. Dazu gehört, offen mit dem Kind zu sprechen und Hilfe als normal zu betrachten. Der Ratgeber Woran erkennt man Cannabiskonsum bei Jugendlichen? zeigt, worauf Sie achten können.
Was nach einem Notfall wichtig ist
Nach einem Notfall sind Eltern oft erschöpft und verunsichert. Wichtig ist, dass Sie sich nicht allein lassen. Sprechen Sie mit einer vertrauten Person oder mit einer Beratungsstelle über das Erlebte. Auch Kinder und Geschwister brauchen eine Erklärung, die ihrem Alter entspricht. Verschweigen Sie nicht, dass etwas passiert ist, aber vermeiden Sie Details, die Angst auslösen.
Nach einem Krankenhausaufenthalt lohnt es sich, ein Gespräch mit der behandelnden Stelle zu suchen. Fragen Sie nach Anschlussangeboten, etwa nach einer Beratung oder einer ambulanten Begleitung. Der Ratgeber Wann ist eine Suchtklinik bei Cannabis sinnvoll? beschreibt, wann solche Schritte in Frage kommen.
Warum Sie den Notfall vorher besprechen
Im Ernstfall entscheidet niemand lange. Deshalb hilft es, vorher gemeinsam festzulegen, wer im Haushalt den Notruf wählt, wo die Telefonnummern stehen und wer die Familie informiert. Schreiben Sie die Nummer 112 gut sichtbar auf und halten Sie die Telefonnummern der Beratungsstellen bereit, die Sie kontaktieren wollen. Diese kleine Vorbereitung nimmt Druck aus einer Situation, in der Sie ohnehin funktionieren müssen.
Ein Notfallplan kann außerdem festhalten, welche Person im Umfeld Sie unterstützt, wenn Sie selbst aufgewühlt sind. Auch das gehört zur Vorsorge.
Was Sie jetzt tun können
- Speichern Sie 112 als Notfallnummer und besprechen Sie mit Ihrem Kind und Ihrer Familie, wer im Notfall wie handelt.
- Lernen Sie die stabile Seitenlage und die Warnzeichen aus diesem Ratgeber.
- Notieren Sie, wer Ihnen in einer Krise helfen kann, auch außerhalb der Familie.
- Holen Sie sich für Gespräche außerhalb eines Notfalls professionelle Unterstützung über das Elterntelefon oder eine Beratungsstelle.
- Bei jeder akuten Gefahr: sofort 112 wählen, nicht erst warten.
Häufige Fragen
Muss ich bei einem Notruf sagen, welche Substanz konsumiert wurde?
Rufen Sie zuerst an; Gewissheit über die Substanz brauchen Sie nicht. Sagen Sie dem Rettungsteam vor Ort, was Sie wissen, und wenn Sie etwas nicht wissen, sagen Sie das. Ärztinnen, Ärzte und Rettungssanitäter unterliegen nach Angaben von mindzone der Schweigepflicht. Im Zweifel gilt: lieber Hilfe rufen als warten.
Was mache ich, wenn meine Tochter oder mein Sohn bewusstlos ist, aber atmet?
Prüfen Sie Atmung und Puls. Wenn beides vorhanden ist, bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage, rufen den Notruf 112 und halten sie warm. Geben Sie keine Getränke. Bleiben Sie bei der Person, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Wo finde ich Hilfe, wenn es keinen Notfall gibt, aber ich nicht weiterweiß?
Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer erreichen Sie unter 0800 111 0 550. Die Online-Beratung DigiSucht bietet laut Plattform kostenlose Beratung für Eltern an. Eine Suchtberatungsstelle vor Ort ist der nächste Schritt, wenn sich die Lage nicht bessert.