Was ist Al-Anon und wer kann teilnehmen?
Al-Anon ist eine Selbsthilfegemeinschaft für Angehörige und Freunde von Menschen mit Alkoholproblemen. Die Familiengruppen unterstützen nach den Angaben der Website alle, deren Leben jetzt oder in der Vergangenheit durch das Trinken eines anderen belastet worden ist. Wichtig ist der Blick auf den Alkohol: Al-Anon richtet sich an Menschen, die mit dem Trinken eines anderen leben oder gelebt haben. Wer wegen Cannabis Sorgen hat, findet dort nicht automatisch den passenden Rahmen.
Was Al-Anon ist
Al-Anon ist eine Gemeinschaft im Austausch, in der Menschen über ihre Erfahrungen sprechen. Die Familiengruppen sind ein Ort, an dem Betroffene zu Wort kommen. Diese Gemeinschaft ist offen für alle, die sich durch das Trinken eines anderen belastet fühlen.
Nach den Angaben der Website gibt es in Deutschland rund 450 Al-Anon-Gruppen. Die Mitglieder nutzen das Zwölf-Schritte-Programm und teilen ihre Erfahrungen. Die Gemeinschaft wurde vor über 70 Jahren in Amerika gegründet.
Für Jugendliche gibt es die Gruppen Alateen. Wenn du minderjährige Kinder hast, lohnt es sich, dort nachzusehen, was für sie möglich ist.
Wer teilnehmen kann
Teilnehmen können Menschen, deren Leben durch das Trinken eines anderen belastet ist oder war. Es spielt keine Rolle, ob die andere Person noch trinkt, mit dir zusammenlebt oder verstorben ist. Wer sich durch die Situation belastet fühlt, kann es ausprobieren.
Die Website betont außerdem, dass Al-Anon anonym ist.
Al-Anon und Cannabis
Al-Anon ist auf das Trinken ausgerichtet. Wenn dein Angehöriger Cannabis konsumiert, passt das Angebot deshalb nur bedingt. Ob eine Gruppe vor Ort auch Angehörige aufnimmt, deren Sorge dem Cannabiskonsum gilt, erfährst du bei Al-Anon selbst, denn die Startseite spricht nur vom Trinken. Viele Angehörige erleben aber ähnliche Gefühle: Angst, Scham, Hilflosigkeit und die Sorge, etwas falsch zu machen.
Die DHS nennt für Angehörige und Mitbetroffene Suchtberatungsstellen als richtige Adresse. Dort kannst du auch zu Cannabis beraten werden. Die Suchtberatung von DigiSucht schreibt, dass auch Partnerinnen und Partner, Eltern und Geschwister stark belastet sein können. Der Artikel Wo finden Angehörige Beratung bei Cannabiskonsum? zeigt die passenden Stellen.
Wie du ein Meeting findest
Auf der Website von Al-Anon gibt es einen Meeting-Finder. Dort suchst du nach Orten und Zeiten in deiner Nähe. Außerdem gibt es elektronische Meetings, an denen du online teilnehmen kannst. Das ist hilfreich, wenn dir ein Treffen vor Ort schwerfällt oder in deiner Umgebung keines stattfindet.
Vor dem ersten Besuch lohnt es sich, auf der Website nachzulesen, wie die Treffen ablaufen. Du entscheidest selbst, wie viel du beim ersten Treffen erzählst. Nimm dir Zeit, dich umzusehen, bevor du mitsprichst.
Was du zusätzlich tun kannst
Selbsthilfe ersetzt keine Beratung. Wenn du wissen willst, welche Schritte bei Cannabis sinnvoll sind, hilft eine Suchtberatungsstelle. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) weist darauf hin, dass Angehörige und Mitbetroffene dort offene Fragen klären können. Das Angebot ist unverbindlich.
Wer sich mit seiner eigenen Belastung auseinandersetzt, schafft die Grundlage, um anderen überhaupt helfen zu können. Das sagt auch die DHS: Sich um das eigene Wohlbefinden zu kümmern, ist der Anfang.
Prävention und Grenzen
Die Suchtberatung von DigiSucht nennt es wichtig, Grenzen zu setzen und für sich selbst zu sorgen. Mit einer Beratung oder einer Selbsthilfegruppe kannst du darüber sprechen. Wenn du Gewalt erlebst oder dich nicht mehr sicher fühlst, wende dich sofort an die Polizei oder den Notruf. Das gilt unabhängig davon, welche Substanz im Spiel ist.
Wenn Al-Anon nicht zu dir passt
Nicht jede Gruppe passt zu jeder Person. Wenn die Themen dich nicht erreichen, probiere eine andere Form aus. Der Artikel Gibt es Selbsthilfegruppen für Angehörige von Suchtkranken? gibt dazu einen Überblick.
Die DHS führt für Angehörige weitere Selbsthilfeverbände auf, darunter das Blaue Kreuz, die Guttempler, den Kreuzbund und die Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe. Persönliche Beratung und Selbsthilfegruppen, vor Ort und online, bezeichnet die DHS für Angehörige als kostenlos. Auch eine Suchtberatungsstelle kann dir bei der Suche helfen. Die DHS nennt Suchtberatungsstellen als richtige Adresse für Angehörige. Dort kannst du offene Fragen klären, bevor du dich für eine Gruppe entscheidest.
Wenn du dich auf ein erstes Treffen vorbereitest, überlege vorher, was du sagen willst und was du lieber nur zuhören möchtest. Beides ist in Ordnung. Ob du wiederkommst, entscheidest du nach dem Treffen selbst.
Deine nächsten Schritte
- Schau im Meeting-Finder nach einem Treffen in deiner Nähe oder nach einem elektronischen Meeting.
- Besuche ein Treffen und entscheide danach, ob du bleiben willst.
- Suche zusätzlich eine Suchtberatungsstelle, die sich mit Cannabis auskennt.
Einen Überblick über alle Angebote gibt die Seite Hilfe und Beratung. Mehr zu Selbsthilfegruppen für Angehörige liest du im Artikel Gibt es Selbsthilfegruppen für Angehörige von Suchtkranken?.
Häufige Fragen
Was ist Al-Anon?
Al-Anon ist eine Selbsthilfegemeinschaft für Angehörige und Freunde von Menschen mit Alkoholproblemen. Die Familiengruppen unterstützen alle, deren Leben durch das Trinken eines anderen belastet ist oder war. Teilnehmende tauschen sich über ihre Erfahrungen aus. Die Teilnahme ist anonym.
Kann ich bei Al-Anon teilnehmen, wenn mein Kind Cannabis konsumiert?
Al-Anon ist auf das Trinken ausgerichtet. Für Cannabis passt das Angebot daher nur bedingt. Du kannst den Austausch trotzdem ausprobieren, solltest aber zusätzlich eine Beratung speziell zu Cannabis suchen. Die DHS nennt Suchtberatungsstellen als richtige Adresse für Angehörige.
Wie finde ich ein Al-Anon-Meeting in meiner Nähe?
Auf der Website von Al-Anon gibt es einen Meeting-Finder für Treffen vor Ort. Außerdem werden elektronische Meetings angeboten. Die Website zeigt Orte und Zeiten, sodass du direkt einen passenden Termin wählen kannst.