Gibt es Selbsthilfegruppen für Angehörige von Konsumierenden?
Angehörige von Menschen, die Cannabis konsumieren, sind oft allein mit ihren Sorgen. Austausch mit anderen Betroffenen kann entlasten. Ja, es gibt Selbsthilfegruppen für Angehörige. Nach der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen (NLS) gibt es Suchtselbsthilfegruppen für alle Substanzgebrauchsstörungen, und auch für Angehörige bietet eine Gruppe die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Allein in Niedersachsen wirken rund 450 Selbsthilfe- und Abstinenzgruppen der NLS-Mitgliedsverbände, dazu kommen weitere Gruppen. Ob eine Gruppe zu deiner Situation passt, erfährst du bei der Suchtberatung. Dieser Beitrag zeigt, wo du anfangen kannst und was Selbsthilfe leisten kann.
Was Selbsthilfe leisten kann
In einer Gruppe erfahren Angehörige, dass andere ähnliche Sorgen haben. Das entlastet, und oft entstehen praktische Tipps aus dem Alltag. Man lernt, wie andere das Gespräch angehen, wie sie mit Rückfällen umgehen und wann sie Hilfe holen.
Selbsthilfe ersetzt keine fachliche Behandlung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen gehört die Lage in ärztliche oder therapeutische Hände. Eine Gruppe ergänzt die Behandlung.
Der erste Kontakt
- Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550 anrufen, wenn du zunächst nur reden willst.
- Eine Suchtberatungsstelle vor Ort ansprechen und nach Gruppen für Angehörige fragen.
- Die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 nutzen, wenn du Informationen zu Sucht und Drogen brauchst.
- Den Hausarzt oder die Hausärztin informieren, wenn du gesundheitliche Fragen hast.
- Dir vor dem ersten Termin notieren, was dich bewegt.
Das Elterntelefon bietet nach eigenen Angaben Beratung für Eltern und andere Bezugspersonen, anonym und kostenlos. Die Sucht & Drogen Hotline ist rund um die Uhr erreichbar und kostenpflichtig.
Wo finde ich Gruppen in meiner Nähe?
Die NLS nennt auf ihrer Seite zur Suchtselbsthilfe Mitgliedsverbände, die Gruppen landesweit anbieten, zum Beispiel das Blaue Kreuz, und bietet eine Suche nach Selbsthilfegruppen in der Nähe an. Das Suchthilfeverzeichnis der DHS lässt sich nach Postleitzahl oder Ort und Umkreis durchsuchen und nach der Zielgruppe „Angehörige“ filtern. Die Angaben dort beruhen auf Selbstauskünften der Einrichtungen.
Was du in einer Gruppe erwarten kannst
Gruppen unterscheiden sich in Ablauf und Größe. Manche treffen sich regelmäßig, andere bei Bedarf. Frag vorab nach, wie das Treffen aufgebaut ist, wer es leitet und wie mit Vertraulichkeit umgegangen wird. Du musst nicht sofort über alles sprechen. Zuhören reicht am Anfang.
Wichtig ist, dass du dich in der Gruppe nicht verpflichtet fühlst, Entscheidungen für andere zu treffen. Jede Familie findet ihren eigenen Weg, und Gruppen helfen, diesen Weg zu sehen.
Selbsthilfe in der Familie
Angehörige sollten sich nicht zwingen, alles allein zu lösen. Ein eigenes Netz aus Freundinnen, Freunden, Beratung und Gruppe stärkt die Familie. Wer selbst erschöpft ist, kann weniger Halt geben. Deshalb gehört die eigene Entlastung zur Vorsorge.
Angehörige bemerken Veränderungen oft als Erste. Wer früh ansprechbar ist, kann Gespräche anstoßen, bevor Probleme groß werden. Das ist ein wichtiger Teil der Prävention im Alltag.
Die eigene Entlastung als Teil der Hilfe
Angehörige geraten schnell in eine Dauerbelastung. Sie beobachten, sorgen sich und versuchen, alles richtig zu machen. Dabei bleibt die eigene Erholung oft auf der Strecke. Eine Gruppe oder ein Gespräch mit einer Beratungsstelle kann diese Last sichtbar machen und Wege zur Entlastung zeigen.
Auch Hobbys, Schlaf und Kontakt zu Freunden gehören zur Stabilität. Wer diese Bereiche pflegt, kann im Familienalltag ruhiger reagieren. Das wirkt sich auf das Gespräch mit dem Kind aus.
Wenn ein Gespräch in der Familie festgefahren ist
Manchmal endet jedes Gespräch im Streit. Dann hilft es, Themen aufzuteilen und klein anzufangen. Eine feste Zeit für ein Gespräch ohne Vorwürfe kann die Lage entspannen. Außenstehende, etwa eine Beratungsperson, können bei schwierigen Themen moderieren.
Wer Hilfe für die ganze Familie sucht, kann bei der Suchtberatung nach Angeboten für Familienangehörige fragen.
Was du in der Beratung fragen kannst
- Welche Gruppen gibt es vor Ort, und wie sind sie aufgebaut?
- Wie wird mit Vertraulichkeit umgegangen?
- Welche Angebote gibt es für Familienangehörige, auch für Geschwister?
- Wie schnell kann ein erster Termin stattfinden?
Diese Fragen helfen, die passende Form zu finden, ohne sich festzulegen.
Geschwister und Partnerinnen oder Partner einbeziehen
Auch Geschwister und Partnerinnen oder Partner von Konsumierenden erleben die Situation oft schwer. Wenn du in der Beratung nachfragst, ob Angebote auch für sie offenstehen, bekommst du ein klareres Bild. Eine gute Beratung betrachtet die gesamte Familie und das Kind gleichermaßen.
Wohin du dich wenden kannst
Das Elterntelefon erreichst du unter 0800 111 0 550. Die Sucht & Drogen Hotline erreichst du unter 01806 313031. Weitere Informationen bietet die Website der Sucht & Drogen Hotline. Eine Übersicht zu Beratung für Eltern findest du im Beitrag zu Beratung für Eltern bei Cannabis.
Wie du im Familienalltag mit Streit umgehst, zeigt der Beitrag zu Streit über Cannabis. Für Konsumierende selbst gibt es Hinweise im Artikel zur Selbsthilfe für Konsumierende.
Häufige Fragen
Gibt es Selbsthilfe für Angehörige von Menschen, die Cannabis konsumieren?
Ja. Die NLS beschreibt Gruppen für Angehörige zum Erfahrungsaustausch und bietet eine Suche nach Selbsthilfegruppen in Niedersachsen an. Außerdem kannst du bei Suchtberatungsstellen nach Gruppen fragen. Telefonisch beraten das Elterntelefon unter 0800 111 0 550 und die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031. Frag vorab nach Ablauf und Vertraulichkeit, bevor du an einem Treffen teilnimmst.