Wo bekommen Eltern Beratung bei Cannabis?
Eltern, die sich wegen Cannabis sorgen, bekommen Beratung vor allem in Suchtberatungsstellen, in Onlineangeboten und über Ärztinnen und Ärzte. Das Elterntelefon und Onlineangebote richten sich direkt an Eltern. Wer früh anruft, verschafft sich einen klaren Blick auf die Lage und muss nicht alles allein durchdenken.
Suchtberatungsstellen vor Ort
Laut Bundesdrogenbeauftragtem verfügt fast jede Stadt über Beratungsstellen für Menschen mit Suchtproblemen und für Angehörige. Manche sind auf bestimmte Suchtmittel oder Suchtformen spezialisiert. Eltern können dort Fragen stellen, Sorgen aussprechen und einschätzen lassen, ob ein Gespräch mit dem Kind eher unterstützend oder eher belastend wirkt.
Frag am Telefon, ob die Stelle auch Angehörige berät, welche Termine möglich sind und ob du einen Erstkontakt auch ohne Anmeldung des Kindes führen kannst. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen führt eine Datenbank mit bundesweit über 1.400 ambulanten Suchtberatungsstellen.
Online-Beratung und digitale Angebote
Wer lieber schriftlich oder zeitlich flexibel Hilfe sucht, findet Angebote im Netz. DigiSucht (suchtberatung.digital) bietet nach eigener Angabe professionelle und kostenlose Sucht- und Drogenberatung für Eltern, auf Wunsch anonym. Das BIÖG verweist Eltern außerdem auf ELSA, eine kostenfreie Online-Beratung zum Substanz- und Medienkonsum der Kinder. Online-Beratung ersetzt kein persönliches Gespräch, kann aber der erste Schritt sein.
Achte bei Onlineangeboten darauf, wer sie betreibt und ob die Inhalte mit Quellen belegt sind. Seriöse Stellen nennen Träger und Ansprechpersonen klar.
Ärztinnen, Ärzte und Kinderschutz
Die Hausärztin oder der Kinderarzt kann Anzeichen einordnen und körperliche oder seelische Beschwerden abklären. Das ist besonders wichtig, wenn dein Kind Schlafprobleme, starke Stimmungsschwankungen oder Rückzug zeigt. Eine ärztliche Abklärung ersetzt keine Beratung zum Konsum, ergänzt sie aber sinnvoll.
Bei Hinweisen auf eine Gefährdung des Kindeswohls kann auch das Jugendamt eine Anlaufstelle sein. Dort arbeiten Fachkräfte, die Familien unterstützen und bei Bedarf Hilfen vermitteln.
Bundesweite Stellen und Informationsangebote
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) stellt auf seiner Seite cannabispraevention.de Informationen für Eltern bereit, etwa zu Fakten über Cannabis und zu Empfehlungen für den Umgang in der Familie. Die Bundesdrogenbeauftragte führt zudem eine Übersicht über Beratungsangebote. Diese Seiten sind ein guter Startpunkt, wenn du zunächst nur wissen möchtest, was es gibt.
Am Telefon helfen zwei bundesweite Angebote. Die Sucht & Drogen Hotline (01806 313031) ist täglich von 8 bis 24 Uhr erreichbar und kostenpflichtig. Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer (0800 111 0 550) ist anonym und kostenlos und berät montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 9 bis 19 Uhr. Nummern ändern sich gelegentlich, prüfe sie deshalb vor dem Anruf auf der Seite der jeweiligen Stelle.
Was du bei der Auswahl beachten solltest
- Ist die Stelle für Angehörige zuständig oder nur für Betroffene?
- Wie schnell gibt es einen Termin, und wo findet er statt?
- Fallen Kosten an, und wenn ja, in welcher Höhe?
- Wie wird mit Vertraulichkeit umgegangen?
Eine gute Beratung erklärt dir ihr Vorgehen. Wenn dir eine Stelle Druck macht oder schnelle Lösungen verspricht, vergleiche weitere Angebote.
Was Beratung für dich leisten kann
Beratung hilft dir, deine eigenen Gefühle zu sortieren. Viele Eltern sind erleichtert, wenn sie ihre Sorgen aussprechen dürfen, ohne bewertet zu werden. Außerdem entwickeln Beratende mit dir Ideen für das Gespräch mit deinem Kind und zeigen, wie du mit Rückschlägen umgehst.
Beratung ersetzt aber nicht deine Entscheidungen. Du entscheidest, welche Schritte du gehst. Eine gute Beratung unterstützt diese Entscheidung, übernimmt sie aber nicht für dich.
Prävention: Hilfe früh holen
Das BIÖG weist darauf hin, dass die Risiken von Cannabis für Jugendliche besonders hoch sind. Das Gedächtnis kann beeinträchtigt werden, und im schlimmsten Fall ist der Schul- oder Berufsabschluss gefährdet. Wer früh Unterstützung sucht, kann Probleme früher einordnen. Der Beitrag Wie wirkt Cannabis auf Gedächtnis und Schulabschluss? erklärt die Zusammenhänge genauer.
Beratung in unterschiedlichen Phasen
Eltern suchen Beratung oft in ganz unterschiedlichen Lagen. Manche haben nur eine vage Sorge, andere stehen nach einem Vorfall vor einer konkreten Entscheidung. In der frühen Phase hilft eine Einschätzung, ob die Sorge begründet ist. Später geht es eher darum, ein Gespräch vorzubereiten oder gemeinsame Regeln abzustimmen.
Wenn sich die Lage verschärft, etwa bei Leistungsabfall, Rückzug oder wiederholtem Konsum, lohnt sich eine intensivere Begleitung. Frag die Stelle, ob sie Gespräche über einen längeren Zeitraum anbietet.
Erziehungsberatung als Ergänzung
Neben Suchtberatungsstellen gibt es Erziehungsberatungsstellen, die Familien bei Konflikten und Erziehungsfragen unterstützen. Sie können hilfreich sein, wenn das Verhältnis zum Kind belastet ist und das Thema Cannabis nur ein Teil des Problems ist. Frag vorab nach, ob Kosten anfallen.
Beide Angebote schließen sich nicht aus. Oft ist eine Kombination sinnvoll: Die Suchtberatung klärt den Konsum, die Erziehungsberatung unterstützt bei der Familiensituation.
Selbsthilfe und Austausch unter Angehörigen
Angehörigengruppen bieten Eltern die Möglichkeit, mit Menschen in ähnlichen Situationen zu sprechen. Dort lässt sich oft leichter aussprechen, was man im Familienkreis nicht sagen mag, etwa Wut oder Scham. Solche Gruppen gibt es in vielen Regionen, auch wenn sie nicht überall gleich stark vertreten sind.
Die Landesstelle für Suchtfragen oder eine Suchtberatungsstelle kann Auskunft geben, ob es in deiner Nähe eine Gruppe gibt. Frag nach, wie ein erster Besuch abläuft.
Nächste Schritte
- Such dir zwei oder drei Angebote heraus und vergleiche sie.
- Ruf an und frag nach einem Erstgespräch für Angehörige.
- Schreib dir vor dem Termin deine wichtigsten Fragen auf.
Für den ersten Umgang mit dem Thema hilft Was sollten Eltern als Erstes tun, wenn sie Cannabiskonsum vermuten?. Zum Gespräch mit dem Kind liest du Wie sprechen Eltern das Thema Cannabis richtig an?. Weitere Informationen gibt es im Bereich Prävention und Jugendschutz.
Häufige Fragen
Wo bekommen Eltern kostenlose Beratung bei Cannabis?
Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist anonym und kostenlos. DigiSucht bietet nach eigener Angabe kostenlose Beratung für Eltern, auf Wunsch anonym. Die Sucht & Drogen Hotline ist kostenpflichtig. Bei Beratungsstellen vor Ort frag vorab nach Kosten. Bei Hinweisen auf eine Gefährdung des Kindes kann das Jugendamt Unterstützung vermitteln.
Muss das Kind selbst zur Beratung kommen?
Nein. Am Elterntelefon und in der Online-Beratung sprichst du als Elternteil allein. Bei einer Beratungsstelle vor Ort frag nach, ob sie Eltern ohne das Kind berät und wie sie mit Vertraulichkeit umgeht. Ob das Kind später dazukommt, entscheidet ihr gemeinsam.