Bleiben Schäden nach dem Aufhören bestehen?
Manche Folgen bilden sich nach Angaben von Sucht Schweiz und drugcom zurück, bei anderen sind Fragen offen. Gedächtnis und Konzentration erholen sich bei vielen Menschen größtenteils, wenn der Konsum endet. Beim Gehirn junger Menschen und bei den Atemwegen bleiben offene Fragen. Bei Psychosen gilt ein klarer Grundsatz: Anhaltende Veränderungen gehören in ärztliche Hände.
Was sich erholt: Gedächtnis und Konzentration
Bei manchen starken Dauerkonsumenten sind Gedächtnis und Konzentration beeinträchtigt. Laut Sucht Schweiz verschwinden diese Einbußen größtenteils wieder, wenn der Konsum eingestellt wird. Eine Studie mit 88 jungen Erwachsenen fand zudem eine verbesserte Merkfähigkeit schon in der Woche nach dem letzten Konsum. Wie dauerhaft diese Veränderung ist, bleibt laut drugcom unklar.
Drugcom beschreibt außerdem, dass die Hirnleistung mit zunehmender Dauer und Intensität des Konsums leidet und sich nach dem Aufhören rasch verbessert. Ob dabei kleine Beeinträchtigungen bleiben, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Wer sich Sorgen macht, spricht den eigenen Verlauf bei einer Ärztin oder einem Arzt an.
Was offen bleibt: das junge Gehirn
Laut drugcom wurden Hirnveränderungen bei Menschen beschrieben, die vor dem 18. Lebensjahr mit dem Kiffen begonnen hatten. Ob Ursache und Wirkung sicher getrennt werden können, ist noch nicht vollständig geklärt. Ebenso ist nicht abschließend geklärt, ob sich das Gehirn Jugendlicher nach der Abstinenz wieder erholt.
Das ist ein Grund, bei jungen Menschen früh zu handeln. Den Hintergrund erklärt der Ratgeber zum Gehirn in der Entwicklung.
Die Atemwege
Cannabisrauch kann die Flimmerhärchen in den Atemwegen schädigen. Ob und wie weit sich geschädigte Flimmerhärchen danach erholen, klärt eine ärztliche Untersuchung. Wer nach dem Aufhören anhaltenden Husten, Auswurf oder Atemnot bemerkt, sollte das abklären lassen. Die Atemwege sind ein Bereich, in dem man nicht auf eine Besserung warten sollte, ohne hinzuschauen.
Psychische Folgen und das Verlangen
Die psychische Abhängigkeit zeigt sich nach den Angaben von Sucht Schweiz vor allem in einem starken Verlangen, Cannabis zu konsumieren. Ein solches Verlangen kann auch beim Aufhören eine Rolle spielen. Entzugssymptome wie Schlafprobleme oder wirre Träume gehören zu diesem Prozess und sind je nach Person sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Wer merkt, dass das Verlangen den Alltag bestimmt, ist nicht schwach. Das Verlangen ist ein Signal, das man ernst nehmen und mit einer Fachperson besprechen sollte. Dazu passt der Ratgeber zur psychischen Abhängigkeit.
Psychosen: Wann ärztliche Hilfe nötig ist
Menschen, die kiffen, bekommen laut BIÖG häufiger eine Psychose als Menschen, die nicht kiffen. Der Zusammenhang ist statistisch nachgewiesen. Wer nach dem Aufhören anhaltende Veränderungen in Wahrnehmung, Denken oder Gefühl bemerkt, sollte nicht abwarten. Eine ärztliche Abklärung ist dann der richtige Schritt, auch wenn der Konsum schon länger zurückliegt.
Welche Warnzeichen auf eine Psychose hindeuten, erklärt der Ratgeber zu Warnzeichen einer Psychose. Wer mehr zu möglichen Risikofaktoren wissen möchte, findet im Ratgeber zu den Risikofaktoren eine Übersicht.
Warum der Verlauf zählt
Wie gut sich jemand nach dem Aufhören erholt, hängt von mehreren Faktoren ab. Cannabispraevention.de beschreibt, dass Alter beim Einstieg und Konsumhäufigkeit die Schädlichkeit beeinflussen. Bei Psychosen spielt nach cannabispraevention.de außerdem eine angeborene Neigung eine Rolle. Ein pauschales Versprechen, wie schnell alles wieder gut wird, wäre deshalb unseriös.
Die ersten Wochen
Laut drugcom beginnen Entzugssymptome meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum. Die drugcom-FAQ nennt eine Dauer von in der Regel bis zu einer Woche, im Höchstfall bis zu 14 Tagen. Ein anderer drugcom-Beitrag nennt etwa drei bis vier Wochen, bis der Entzug weitgehend überstanden ist. Wer Symptome hat, sollte sie beobachten und mit einer Fachperson besprechen.
Seelische Folgen und das Umfeld
Drugcom nennt Schlafprobleme und wirre Träume als mögliche Entzugssymptome. Wenn solche Veränderungen den Alltag stark belasten, ist es sinnvoll, sie mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen.
Mythen über das Aufhören
Ein Mythos lautet, nach einem festen Termin sei alles vorbei. Die Angaben der Fachstellen zur Dauer weichen voneinander ab, und die Beschwerden sind je nach Person unterschiedlich. Ein fester Termin taugt deshalb nicht als Versprechen. Ein anderer Mythos lautet, wer aufhört, verliere automatisch seine Motivation. Auch das ist zu pauschal. Sucht Schweiz beschreibt, dass die Motivation im Rausch gehemmt sein kann, und ein dauerhaftes Amotivations-Syndrom gilt als nicht bestätigt.
Rückfälle als Teil des Weges
Ein Rückfall bedeutet nicht, dass alles umsonst war. Er zeigt, welche Situationen besonders schwierig sind. Wer das auswertet, kann den nächsten Versuch besser vorbereiten.
Begleitung im Ausstieg
Eine Begleitung durch eine Beratungsstelle oder durch eine Ärztin oder einen Arzt kann die Erholung im Alltag stützen. Sie hilft, Symptome einzuordnen, Ziele realistisch zu setzen und Rückfälle ohne Panik zu bewältigen. Frag gezielt nach solchen Angeboten, dann wird die Unterstützung konkret.
Der Umgang mit eigenen Rückschlägen
Auch die Erwartung an dich selbst zählt. Wer sich nach einem Rückschlag zu hart beurteilt, verliert oft die Lust am Weitermachen. Eine freundliche, sachliche Auswertung hilft meist mehr als Selbstvorwürfe.
Was du jetzt tun kannst
- Notiere, welche Veränderungen du nach dem Aufhören bemerkst, und wann sie auftreten.
- Bei anhaltendem Verlangen, nachlassender Konzentration oder Schlafproblemen sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt.
- Bei Veränderungen in Wahrnehmung oder Denken hol dir zeitnah ärztliche Hilfe.
- Nutze eine Beratungsstelle, wenn dich das Verlangen nicht loslässt: Suchtberatung in deiner Nähe finden.
Für ein vertrauliches Gespräch erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031. Mehr zu Prävention und Jugendschutz findest du unter Prävention und Jugendschutz. Eine Beratung ersetzt keine ärztliche Behandlung.
Häufige Fragen
Bleibt das Gedächtnis nach dem Aufhören geschädigt?
Bei manchen starken Dauerkonsumenten sind Gedächtnis und Konzentration beeinträchtigt. Laut Sucht Schweiz verschwinden diese Einbußen größtenteils, wenn der Konsum eingestellt wird. Wie dauerhaft die Verbesserung nach einer Studie ist, bleibt laut drugcom unklar. Wer Sorgen hat, sollte den Verlauf mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
Kann nach dem Aufhören eine Psychose auftreten?
Menschen, die kiffen, bekommen laut BIÖG häufiger eine Psychose als Menschen, die nicht kiffen. Der Zusammenhang ist statistisch nachgewiesen und nicht gleichbedeutend mit einer Verursachung. Anhaltende Veränderungen in Wahrnehmung, Denken oder Gefühl gehören in ärztliche Hände, auch wenn der Konsum zurückliegt.
Was tun, wenn das Verlangen nach dem Aufhören bleibt?
Ein starkes Verlangen ist ein Signal, das man ernst nehmen sollte. Sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt oder mit einer Suchtberatungsstelle über deinen Verlauf. Die Sucht & Drogen Hotline bietet außerdem ein vertrauliches erstes Gespräch an.
Quellen
- Sucht Schweiz: Cannabis, Wirkung und Risiken
- drugcom: Gedächtnis erholt sich bei Abstinenz vom Kiffen
- drugcom: Cannabis stört die Hirnentwicklung Jugendlicher
- BIÖG: Langfristige Risiken und Sucht
- drugcom: Kiffen geht auf die Lunge
- drugcom: Drogenlexikon Cannabis
- drugcom: Entzugserscheinungen bei Cannabiskonsum
- drugcom: Ausstieg aus dem Cannabiskonsum
- cannabispraevention.de: Häufige Fragen