Welche Vorerkrankungen erhöhen das Psychoserisiko?
Als Vorbelastung nennen die Quellen vor allem eine angeborene Neigung: Gesundheitsinformation.de beschreibt ein höheres Risiko, wenn ein Eltern- oder Geschwisterteil an einer Schizophrenie erkrankt ist (etwa 12 Prozent der Kinder von Müttern oder Vätern mit Schizophrenie erkranken später ebenfalls). Dazu kommen laut dieser Quelle Schlafstörungen, psychischer Stress und traumatische Erfahrungen. Bei Cannabis nennen BIÖG und drugcom zusätzlich den Einstieg in jungen Jahren, häufigen Konsum und einen hohen THC-Gehalt. Die DHS schreibt, bestehende psychische Erkrankungen könnten sich bei hochgradigem Konsum verschlimmern. Welche Vorerkrankungen bei dir eine Rolle spielen, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt einordnen.
Was eine Psychose ist und wo Cannabis ins Spiel kommt
Eine Psychose ist eine schwere psychische Störung. Wahrnehmung, Denken und Gefühl können sich so stark verändern, dass der Kontakt zur Wirklichkeit verloren geht. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) beschreibt den Zusammenhang mit Cannabis so: Wer kifft, bekommt häufiger eine Psychose als Menschen, die nicht kiffen.
Daraus folgt kein Automatismus. Der Zusammenhang ist statistisch beschrieben, eine Verursachung im einzelnen Fall ist damit nicht bewiesen. Nach dem BIÖG ist es ebenso möglich, dass Menschen mit einer Psychose-Neigung verstärkt zu Cannabis greifen.
Welche Risikofaktoren nennen die Quellen?
- Eine angeborene Neigung. Laut BIÖG könnten bei einer solchen Neigung schon geringe Mengen ausreichen, um eine Psychose auszulösen.
- Der Einstieg in jungen Jahren. Die Schädlichkeit von Cannabis hängt vom Alter der konsumierenden Person ab, und bis etwa 25 Jahre finden laut BIÖG wichtige Reifungsprozesse im Gehirn statt.
- Häufiger Konsum. Auch die Konsumhäufigkeit bestimmt, wie schädlich Cannabis wirkt.
- Ein hoher THC-Gehalt. Eine Studie, über die drugcom berichtet, sieht bei hochpotentem Cannabis etwa ein doppeltes Risiko für psychotische Symptome.
Für junge Menschen nennt drugcom eine weitere Zahl: Bei 12- bis 19-Jährigen wird im Zusammenhang mit Konsum ein elffach höheres Risiko für eine psychotische Störung genannt. Diese Zahl stammt aus einer einzelnen Auswertung. Sie sagt nichts darüber, wie es bei dir persönlich aussieht, zeigt aber, warum der Schutz junger Menschen Vorrang hat.
Was die Zahlen bedeuten und was nicht
„Doppelt so hoch“ und „elffach“ beschreiben ein Verhältnis zwischen zwei Gruppen. Sie sagen nicht, wie häufig eine Psychose insgesamt vorkommt. Zum Vergleich: Gesundheitsinformation.de schätzt, dass bei etwa 0,5 Prozent aller Menschen im Laufe des Lebens eine Schizophrenie festgestellt wird. Eine Zahl, wie viele Konsumierende erkranken, nennen die gelesenen Quellen nicht.
Vorerkrankungen und Veranlagung einordnen
Als Vorbelastung gelten nach den Quellen eine Psychose oder Schizophrenie in der engeren Familie sowie bestehende psychische Erkrankungen. Ob und wie stark das bei dir zählt, ist eine persönliche medizinische Frage.
Das BIÖG schreibt, ob man selbst zu den Menschen mit angeborener Neigung gehört, lasse sich nicht ohne Weiteres sagen. Eine ehrliche Frage hilft: Gab es in deiner Familie Psychosen oder schwere psychische Erkrankungen? Wenn du unsicher bist, sprich mit einer Fachperson.
Die Risikofaktoren auf einen Blick
| Faktor | Was die Quellen sagen | Quelle |
|---|---|---|
| Angeborene Neigung | Schon geringe Mengen können ausreichen | cannabispraevention.de |
| Alter beim Einstieg | Die Schädlichkeit hängt vom Alter ab, junge Menschen sind besonders gefährdet | cannabispraevention.de |
| Konsumhäufigkeit | Die Häufigkeit bestimmt die Schädlichkeit mit | cannabispraevention.de |
| Hoher THC-Gehalt | Etwa doppeltes Risiko für psychotische Symptome in einer Studie | drugcom.de |
Was das für deine Entscheidung bedeutet
Das BIÖG schreibt, an der Entstehung einer psychischen Störung seien in der Regel immer mehrere Risikofaktoren beteiligt. Wer mehrere der genannten Faktoren zugleich trägt, etwa familiäre Vorbelastung, jungen Einstieg und häufigen Konsum, hat damit einen Grund, den eigenen Konsum ernsthaft zu prüfen. Das ist keine Diagnose.
Das BIÖG schreibt, Jugendliche sollten aus gesundheitlichen Gründen gar kein Cannabis konsumieren. Für Erwachsene mit Vorbelastung ist das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt der sinnvolle erste Schritt.
Warnzeichen erkennen und Hilfe holen
Welche Warnzeichen auf eine Psychose hindeuten, erklärt der Ratgeber zu Warnzeichen einer Psychose. Hier der Grundsatz: Wenn du oder jemand aus deinem Umfeld Wahrnehmung, Denken oder Gefühle als stark verändert erlebt, ist eine ärztliche Abklärung der richtige Schritt. Warte nicht, bis es sich von allein legt.
Der Blick auf die Familie
Eine Psychose in der Familie kann ein Hinweis auf eine Veranlagung sein. Diese Information kannst du in einem Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt sachlich weitergeben; das Wesentliche genügt.
Wann der Konsum zum Thema wird
Ein Anlass, den Konsum zu überdenken, ist gegeben, wenn Stimmung, Denken oder Wahrnehmung über längere Zeit anders wirken als früher. Dazu zählt auch, wenn dir Freundinnen, Freunde oder Familienmitglieder solche Veränderungen rückmelden. Solche Rückmeldungen ernst zu nehmen, ist oft der wichtigste erste Schritt.
Was du jetzt tun kannst
- Sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, wenn es Psychosen oder schwere psychische Krisen in deiner Familie gibt.
- Prüfe deinen Konsum ehrlich, zum Beispiel mit dem Ratgeber zum Selbsttest.
- Nimm Veränderungen an Stimmung, Denken oder Wahrnehmung ernst und lass sie ärztlich abklären.
- Beachte: Je höher der THC-Gehalt, desto gefährlicher, schreibt das BIÖG.
Für ein vertrauliches Gespräch erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (kostenpflichtig, täglich 8 bis 24 Uhr). Mehr zur Prävention findest du unter Prävention und Jugendschutz. Die Beratung ersetzt keine ärztliche Behandlung.
Häufige Fragen
Erhöht Cannabis das Psychoserisiko?
Ja, laut BIÖG kommen Psychosen bei Menschen, die kiffen, häufiger vor als bei Menschen, die nicht kiffen. Der Zusammenhang ist statistisch beschrieben, eine Verursachung im Einzelfall ist damit nicht bewiesen. Das Risiko hängt nach den Quellen unter anderem von Veranlagung, Alter beim Einstieg, Konsumhäufigkeit und THC-Gehalt ab. Wer Psychosen in der Familie kennt, sollte vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen.
Welche Vorerkrankungen sind beim Cannabiskonsum besonders wichtig?
Die Quellen nennen vor allem eine angeborene Neigung, etwa wenn ein Elternteil oder Geschwister an einer Schizophrenie erkrankt ist, und laut DHS können sich bestehende psychische Erkrankungen bei hochgradigem Konsum verschlimmern. Welche Vorerkrankungen bei dir relevant sind, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt einordnen. Auch die Sucht & Drogen Hotline hilft bei ersten Fragen.
Ist ein hoher THC-Gehalt riskanter?
Eine Studie, über die drugcom berichtet, sieht bei hochpotentem Cannabis etwa ein doppeltes Risiko für psychotische Symptome. Der Befund stammt aus einer Auswertung und ist kein Maß für den Einzelfall. Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte besonders hohe THC-Gehalte meiden und den eigenen Konsum überprüfen.
Quellen
- BIÖG: Langfristige Risiken und Sucht
- drugcom: Hochpotenter Cannabis verdoppelt das Risiko für psychotische Symptome
- drugcom: Jugendliche, die Cannabis konsumieren, haben ein erhöhtes Risiko für Psychose
- BIÖG: Häufig gestellte Fragen zu Cannabis
- Sucht & Drogen Hotline
- Gesundheitsinformation.de: Schizophrenie, Symptome und Ursachen
- DHS: Cannabis, Risiken