Wie viele Menschen, die kiffen, werden abhängig?
Laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) wird ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig. Diese Zahl ist ein wichtiger Anhaltspunkt, sagt aber nicht alles. Sie beschreibt den Anteil der Konsumierenden insgesamt. Ob und wann jemand abhängig wird, hängt vom Konsummuster, vom Alter beim Einstieg und von persönlichen Faktoren ab.
Was die Zahl bedeutet
Die Angabe „ungefähr eine von acht Personen“ bezieht sich auf alle Menschen, die Cannabis konsumieren. Sie sagt nicht, dass jede Person, die einmal kifft, abhängig wird. Drugcom schreibt, dass es die meisten Konsumierenden bei gelegentlichem Konsum belassen oder wieder aufhören. Das BIÖG ergänzt: Das Risiko, abhängig zu werden, steigt, wenn man ein- oder mehrmals pro Woche kifft. Die Zahl zeigt aber, dass das Risiko real ist und dass es sich lohnt, es ernst zu nehmen.
Wichtig ist außerdem: Konsumierende sind eine sehr unterschiedliche Gruppe. Manche konsumieren selten, andere täglich. Manche beginnen als Jugendliche, andere als Erwachsene. Eine einzelne Zahl kann diese Unterschiede nicht abbilden, sie gibt aber einen Maßstab für die Vorsicht.
Wie eine Abhängigkeit entsteht
Drugcom erklärt, dass sich bei dauerhaftem Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln kann. Die psychische Abhängigkeit zeigt sich nach Angaben von Sucht Schweiz vor allem in einem starken Verlangen, Cannabis zu konsumieren. Wer merkt, dass er an den Konsum denkt, auch wenn er ihn gar nicht geplant hat, sollte das ernst nehmen.
Drugcom beschreibt, dass das Kiffen bei manchen Menschen mehr und mehr die Funktion übernimmt, mit unangenehmen Gefühlen wie Langeweile, Angst oder Einschlafschwierigkeiten umzugehen. Psychische Probleme wie Depressionen oder Angstsymptome erhöhen laut drugcom das Risiko, Cannabis im Sinne einer Selbstmedikation zu missbrauchen. Der Artikel Psychische Abhängigkeit bei Cannabis beschreibt diesen Mechanismus genauer.
Wann spricht man von Abhängigkeit?
Drugcom beschreibt die Abhängigkeit über Merkmale. Eine Abhängigkeit liegt vor, wenn mindestens zwei der genannten Merkmale innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten zutreffen. Die Seite erklärt die einzelnen Merkmale ausführlich. Das Schema hilft, nicht bei einem schlechten Tag gleich ein Urteil zu fällen. Es lenkt den Blick auf einen längeren Zeitraum.
Auch problematischer Konsum beginnt laut drugcom meist früher als eine Abhängigkeit. Entscheidend ist dabei, ob der Konsum bereits negative Folgen hat. Menge und Häufigkeit spielen nach drugcom bei der Frage der Abhängigkeit keine entscheidende Rolle. Wer Probleme im Alltag erkennt, muss also nicht erst auf eine bestimmte Menge warten.
Jugend und frühe Konsumphasen
Je jünger jemand ist, desto größer ist laut BIÖG das gesundheitliche Risiko, denn das junge Gehirn befindet sich in einer wichtigen Entwicklungsphase. Drugcom nennt überzeugende Belege dafür, dass ein früher Einstieg in den Konsum nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge hat. Bei Hirnveränderungen, die im Zusammenhang mit einem Konsumbeginn vor 18 Jahren beschrieben werden, ist die Ursache laut der Seite noch nicht vollständig geklärt.
Deshalb gilt für junge Menschen eine besondere Vorsicht. Der Schutz vor Konsum bleibt eine gemeinsame Aufgabe von Familie, Schule und Umfeld. Mehr dazu steht auf der Seite Jugendschutz.
Entzug als Hürde
Wer aufhören will, kann Entzugserscheinungen bemerken. Entzugserscheinungen beginnen laut drugcom meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum. Sie dauern in der Regel bis zu einer Woche, im Höchstfall bis zu 14 Tage. Drugcom nennt unter anderem Nervosität, Unruhe, Schlafprobleme, wirre Träume, verminderten Appetit und Aggressivität. Ein anderer drugcom-Beitrag nennt für den körperlichen Entzug drei bis vier Wochen. Der Entzug gilt dort als unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich, und die psychische Abhängigkeit hält länger an. Wie das im Einzelnen aussieht, erklärt der Artikel Welche Entzugserscheinungen treten bei Cannabis auf?.
Die Hürde des Entzugs ist ein Grund, Unterstützung zu suchen. Eine Suchtberatung kann helfen, den Ausstieg zu planen und Rückschläge einzuordnen.
Den eigenen Konsum prüfen
Ein erster Schritt ist ein ehrlicher Blick auf den eigenen Konsum. Der Cannabis-Check auf drugcom.de fragt den Konsum der letzten zwölf Monate ab und enthält Fragen zu Kontrollverlust und Folgen im Alltag. Der Test ersetzt keine Diagnose, zeigt aber Bereiche, die man bewusst betrachten sollte. Am Ende gibt drugcom nach eigener Beschreibung eine ausführliche Rückmeldung mit Empfehlungen. Wer mehrere Merkmale wiedererkennt, sollte das Gespräch mit einer Fachperson suchen. Der Artikel Bin ich abhängig? Selbsttest und Anzeichen erklärt die Fragen genauer.
Prävention: Schutzfaktoren stärken
Abhängigkeit lässt sich nicht allein durch Wissen verhindern, aber Wissen ist ein Anfang. Drugcom nennt psychische Probleme wie Depressionen oder Angstsymptome als Risikofaktor. Wer Cannabis vor allem nutzt, um mit unangenehmen Gefühlen umzugehen, sollte das früh in einer Beratung besprechen. Der Artikel Schutzfaktoren gegen problematischen Konsum nennt konkrete Ideen.
Typische Denkfehler
Viele Menschen vergleichen ihren Konsum mit dem anderer. Der Vergleich hilft selten, weil Konsumverläufe sehr unterschiedlich sind. Entscheidend ist die eigene Entwicklung über die Zeit, nicht das Verhalten im Freundeskreis.
Ein weiterer Denkfehler ist die Annahme, Abhängigkeit zeige sich nur bei täglichem Konsum. Die Merkmale betreffen auch Kontrolle, Verlangen und negative Folgen im Alltag. Wer Schwierigkeiten in Ausbildung, Beziehungen oder Arbeit bemerkt, sollte die Frage nach einer Abhängigkeit ernst nehmen, auch wenn der Konsum unregelmäßig erscheint.
Hilfreich ist ein Notizbuch mit Datum, Anlass und Gefühl vor dem Konsum. Nach einigen Wochen zeigen sich Muster, die im Kopf nicht sichtbar waren. Diese Notizen sind eine gute Grundlage für das Gespräch mit einer Beratungsstelle.
Veränderungen beim Schlaf, bei Finanzen, bei Terminen oder beim Rückzug aus dem Freundeskreis sind Hinweise, die man ansprechen kann. Ein ruhiges Gespräch mit konkreten Beobachtungen passt besser als eine Diskussion über die Menge, denn Menge und Häufigkeit sind laut drugcom bei der Abhängigkeitsfrage nicht entscheidend.
Was du jetzt tun kannst
- Den eigenen Konsum mit den Merkmalen von drugcom vergleichen.
- Den Cannabis-Check auf drugcom.de machen und die Antworten ernst nehmen.
- Bei Sorgen die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 anrufen.
- Bei Entzugsbeschwerden ärztlichen Rat einholen, wenn sie stark sind oder lange andauern.
Die Zahl von etwa einer von acht Konsumierenden zeigt, wie ernst das Thema ist. Wer das Risiko kennt, kann früher reagieren.
Häufige Fragen
Wie viele Cannabiskonsumierende werden abhängig?
Laut BIÖG wird ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig. Die Zahl beschreibt den Anteil der Konsumierenden insgesamt. Der Verlauf hängt von Konsummuster, Alter beim Einstieg und persönlichen Faktoren ab.
Wann liegt eine Cannabisabhängigkeit vor?
Laut drugcom liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens zwei Merkmale innerhalb von zwölf Monaten zutreffen. Entscheidend ist dabei, ob der Konsum negative Folgen hat. Menge und Häufigkeit spielen nach drugcom bei dieser Frage keine entscheidende Rolle.
Wo bekomme ich Hilfe bei Abhängigkeit?
Die Sucht & Drogen Hotline ist unter 01806 313031 erreichbar. Eine Suchtberatungsstelle vor Ort hilft bei der Planung des Ausstiegs. Bei starken oder lang andauernden Beschwerden ist eine Ärztin oder ein Arzt die richtige Anlaufstelle.