Schadet Cannabis dem jungen Gehirn?
Cannabis kann dem jugendlichen Gehirn schaden, besonders in der Entwicklungsphase. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) beschreibt das junge Gehirn als Organ in einer wichtigen Entwicklungsphase, die durch Konsum beeinflusst werden kann. Der Schaden ist nicht bei jedem Menschen gleich. Dieser Artikel erklärt, welche Folgen belegt beschrieben werden, warum die Entwicklung so empfindlich ist und was du daraus ableiten kannst.
Warum das jugendliche Gehirn besonders empfindlich ist
Drugcom beschreibt, dass das Gehirn von der Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter reift. Vor allem in der Pubertät finden umfangreiche Umbauten statt: Neue Verbindungen werden geknüpft und überschüssige Nervenzellen abgebaut. Das BIÖG schreibt, ein ständiges „Fluten“ mit THC störe diese Reifeprozesse.
Deshalb gilt Konsum im Jugendalter als besonders riskant. Nach drugcom ist allerdings noch nicht vollständig geklärt, ob THC die beobachteten Veränderungen tatsächlich verursacht, Tierversuche legen diesen Schluss aber nahe. Aus diesem Grund empfiehlt drugcom Jugendlichen, ganz auf den Konsum zu verzichten.
Welche Folgen für Gedächtnis und Schule beschrieben werden
Das BIÖG nennt das Gedächtnis als einen Bereich, der beeinträchtigt werden kann. Im schlimmsten Fall ist der Schul- oder Berufsabschluss gefährdet, weil das Gedächtnis deutlich schlechter arbeitet. Gerade in der Ausbildung, wenn Lernstoff sich stapelt, kann das spürbar werden.
Das BIÖG beschreibt außerdem, dass Kiffen im Alltag zu Störungen der Konzentration führt und Aufgaben und Termine leicht vergessen werden. Der Artikel zu Gedächtnis und Schulabschluss vertieft diesen Punkt.
Kognitive Leistung und früher Einstieg
Drugcom schreibt, es gebe überzeugende Belege dafür, dass der frühe Einstieg in den Konsum nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge hat. Kognitive Leistung umfasst Konzentration, Lernen, Planen und das Behalten von Informationen. Solche Fähigkeiten sind in der Schule und im Beruf zentral.
In einer von drugcom beschriebenen Studie mit über 1.000 Personen zeigte sich ein IQ-Rückgang von bis zu acht Punkten bei Personen, die vor dem 18. Lebensjahr zu konsumieren begannen und cannabisabhängig wurden. Kritische Stimmen bemängeln, dass Umweltfaktoren nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Der Artikel zu den Folgen eines frühen Einstiegs erklärt das genauer.
Psychose und Stimmung
Laut BIÖG bekommen Menschen, die kiffen, häufiger eine Psychose als Menschen, die nicht kiffen. Das ist ein ernstes Risiko, auch wenn nicht jede konsumierende Person betroffen ist. Bei einer Psychose verliert man laut BIÖG vorübergehend den Bezug zur Realität, mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Ein Zusammenhang ist damit statistisch beschrieben, eine Verursachung nicht bewiesen.
Wer solche Veränderungen bei sich oder einer nahestehenden Person bemerkt, sollte zeitnah eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Die Warnzeichen erklärt der Artikel zu Warnzeichen einer Psychose.
Abhängigkeit im Jugendalter
Laut BIÖG wird ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig. Das Risiko steigt, wenn man ein- oder mehrmals pro Woche kifft. Drugcom weist darauf hin, dass sich bei dauerhaftem Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln kann. Das BIÖG nennt (fast) täglichen Konsum für Jugendliche viel schädlicher als für Erwachsene.
Wie sich eine Abhängigkeit erkennen lässt, beschreibt der Artikel zu den Warnzeichen einer Cannabisabhängigkeit.
Welche Faktoren den Schaden beeinflussen
- Alter beim Einstieg: Je jünger man ist, desto gefährlicher wird es laut BIÖG.
- Häufigkeit und Dauer: Je länger und öfter man kifft, desto größer ist das gesundheitliche Risiko.
- THC-Gehalt: Je höher der THC-Gehalt, desto gefährlicher, schreibt das BIÖG.
- Veranlagung und Kindheitserfahrungen: Laut BIÖG spielen Gene und Erfahrungen in der Kindheit bei der Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Rolle.
Der Schaden lässt sich also nicht allein an einer Menge festmachen.
Was die Forschung bislang zeigt
Die Erkenntnisse zu Cannabis und Gehirn stammen aus unterschiedlichen Untersuchungen. Manche Befunde sind eindeutig, andere beschreiben Zusammenhänge, deren Ursache noch offen ist. Wer sich informiert, sollte deshalb auf die Art der Aussage achten und zwischen Beobachtung und gesichertem Befund unterscheiden.
Das BIÖG fasst zusammen: Je länger und öfter man kifft und je jünger man ist, desto größer ist das gesundheitliche Risiko.
Warum Konsum und Lernen zusammenhängen
Drugcom beschreibt, dass die Reifung der Hirnrinde, die für höhere Aufgaben wie Beurteilen und komplexes Denken zuständig ist, bei jugendlichen Konsumierenden verändert erscheint. Bei Jugendlichen zeigen Studien laut drugcom schwächere kognitive Leistungen, etwa eine schlechtere Merkfähigkeit. Das kann sich auf schulische oder berufliche Leistungen auswirken.
Wer Lernfortschritte und Konzentration regelmäßig im Blick behält, bemerkt Veränderungen womöglich früher.
Warum Pausen für die Entwicklung hilfreich sein können
Drugcom schreibt, es sei bislang nicht abschließend geklärt, ob sich das Gehirn Jugendlicher wieder erholen kann. Es gebe erste Hinweise auf eine mögliche Erholung der kognitiven Leistungen, doch falle sie umso schwächer aus, je früher jemand angefangen hat und je intensiver der Konsum war. Eine Garantie gibt es nicht.
Wer Veränderungen früh bemerkt, kann mit Lehrkräften, Familie oder einer Beratungsstelle gezielt gegensteuern. Die Angebote unter Prävention zeigen, welche Unterstützung es gibt. Wer früh Rat sucht, kann Fragen klären, bevor sich Probleme verfestigen.
Was du tun kannst
- Drugcom empfiehlt Jugendlichen, ganz auf den Konsum zu verzichten. Unter 18 ist Cannabis ohnehin nicht erlaubt.
- Achte auf Veränderungen bei Konzentration, Schlaf, Stimmung und Leistung, bei dir und bei anderen.
- Sprich früh mit einer Vertrauensperson, einer Ärztin oder einem Arzt oder einer Beratungsstelle.
- Nutze die Angebote unter Prävention, um dich weiter zu informieren.
Prävention: Die Entwicklung schützen
Eltern, Schule und Freundeskreis können unterstützen, indem sie Gespräche ermöglichen und sachlich informieren.
Für ein vertrauliches Gespräch erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (kostenpflichtig, täglich 8 bis 24 Uhr). Eltern finden Hilfe beim Elterntelefon der Nummer gegen Kummer.
Wo du weiter nachlesen kannst
Eine Übersicht zu den Folgen steht im Artikel zu den gesundheitlichen Folgen von Cannabis insgesamt. Die Bereiche für Jugendschutz und Prävention findest du auf der Seite Jugendschutz.
Häufige Fragen
Ist das jugendliche Gehirn besonders anfällig?
Laut BIÖG befindet sich das junge Gehirn in einer wichtigen Entwicklungsphase, in der Konsum die Entwicklung beeinflussen kann. Deshalb gilt Konsum in dieser Zeit als besonders riskant. Die Folgen sind allerdings nicht bei allen Menschen gleich und hängen von mehreren Faktoren ab.
Kann sich das Gehirn nach dem Aufhören erholen?
Drugcom schreibt, es sei bislang nicht abschließend geklärt, ob sich das Gehirn Jugendlicher wieder erholen kann. Es gibt erste Hinweise auf eine mögliche Erholung, sie fällt aber umso schwächer aus, je früher der Konsum begann und je intensiver er war. Eine Ärztin oder ein Arzt kann die persönliche Lage einschätzen.
Wann sollte man Hilfe suchen?
Wenn Konsum Schule, Ausbildung oder Beziehungen belastet, wenn du dich nicht mehr gut steuern kannst oder wenn Ängste und Stimmungsschwankungen zunehmen, lohnt ein Gespräch mit Fachleuten. Ärztinnen, Ärzte und Beratungsstellen helfen weiter.