Macht Cannabis psychisch abhängig?
Ja, bei dauerhaftem Konsum kann sich eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Das schreibt drugcom.de im Lexikoneintrag zu Cannabis. Drugcom beschreibt, dass Betroffene das Gefühl haben, nicht mehr ohne Cannabis zurechtzukommen. Das BIÖG schreibt, gerade die psychische Abhängigkeit könne sehr stark werden, dann sei der Wunsch zu kiffen übermächtig. Dieser Artikel erklärt den Begriff, zeigt, wie häufig eine Abhängigkeit laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) vorkommt, und gibt dir einen Selbstcheck sowie konkrete Schritte an die Hand, falls du dich oder jemand anderen wiedererkennst.
Was psychische Abhängigkeit bedeutet
Sucht Schweiz beschreibt die psychische Abhängigkeit vor allem als starkes Verlangen, Cannabis zu konsumieren. Das BIÖG nennt als typische Anzeichen einer Sucht unter anderem Rückzug aus dem Alltag, Lustlosigkeit, Aufgabe von Interessen und Hobbys sowie Lügen oder Ausreden, um den Konsum zu vertuschen.
Das BIÖG schreibt: Wer einmal an einem Joint zieht, wird nicht sofort abhängig. Nach drugcom liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens zwei Merkmale innerhalb von 12 Monaten zutreffen, und es komme darauf an, ob der Konsum bereits negative Folgen hatte. Der Selbstcheck weiter unten hilft dir, ehrlich hinzusehen.
Wie häufig eine Abhängigkeit vorkommt
Das BIÖG nennt eine konkrete Größenordnung: Ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, wird abhängig. Die Zahl sagt nichts darüber, wer betroffen ist. Das Risiko steigt laut BIÖG, wenn man ein- oder mehrmals pro Woche kifft.
Drugcom schreibt, dass weder die Menge noch die Häufigkeit des Konsums bei der Frage der Abhängigkeit die entscheidende Rolle spielen. Die Frage „Habe ich das noch im Griff?“ ist ein sinnvoller Anfang.
Warum junge Menschen besonders aufpassen sollten
Das BIÖG beschreibt das junge Gehirn als in einer wichtigen Entwicklungsphase. Konsum kann diese Entwicklung beeinflussen. Drugcom schreibt außerdem, es gebe überzeugende Belege dafür, dass ein früher Einstieg in den Konsum nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge hat. Kognitive Leistungsfähigkeit meint dabei Denken, Lernen und Merken. Mehr dazu liest du im Artikel Welche Folgen hat ein früher Einstieg in den Konsum?.
Das BIÖG warnt zudem, dass im schlimmsten Fall der Schul- oder Berufsabschluss gefährdet ist, weil das Gedächtnis viel schlechter funktioniert. Wer unter 18 ist, findet die gesetzlichen Regeln im Bereich Jugendschutz.
Ein Selbstcheck mit fünf Fragen
Die folgenden Fragen sind eine eigene Orientierung, kein Diagnoseinstrument. Wer mehrere Fragen mit Ja beantwortet, sollte mit einer Fachstelle sprechen.
- Konsumierst du öfter oder mehr, als du dir vorgenommen hast?
- Hast du schon versucht, weniger zu konsumieren, und es ist dir nicht gelungen?
- Beschäftigst du dich gedanklich oft damit, wann du das nächste Mal konsumieren kannst?
- Leiden Schule, Ausbildung, Arbeit oder Freundschaften unter deinem Konsum?
- Konsumierst du weiter, obwohl dich der Konsum selbst belastet?
Auf drugcom.de gibt es zusätzlich einen Cannabis-Check zur Selbsteinschätzung. Er fragt unter anderem, ob du den Eindruck hattest, den Konsum nicht mehr unter Kontrolle zu haben, und ersetzt kein Gespräch.
Was du tun kannst, wenn du dich wiedererkennst
- Konsum eine Woche lang notieren. Schreib auf, wann, wo, mit wem und in welcher Stimmung du konsumierst. So siehst du Muster, die dir im Alltag sonst entgehen.
- Mit einer Vertrauensperson sprechen. Das muss kein Elternteil sein. Eine Freundin, ein Bruder oder eine Lehrkraft kann ebenso helfen.
- Eine Suchtberatung aufsuchen. Passende Angebote findest du auf suchtberatung.digital oder in deiner Nähe. Der Artikel Wie finde ich eine Suchtberatung in meiner Nähe? hilft bei der Suche.
- Körperliche oder seelische Beschwerden ärztlich abklären lassen. Eine Ärztin oder ein Arzt kann einschätzen, was dahintersteckt.
Prävention im Alltag
Hilfreich ist, die Situationen zu kennen, in denen du konsumierst, zum Beispiel nach der Arbeit oder vor dem Schlafen. Eine konsumfreie Woche kann zeigen, wie leicht oder schwer dir die Pause fällt. Entzugssymptome wie Schlafprobleme, wirre Träume oder Nervosität sind laut BIÖG und drugcom möglich, und drugcom beschreibt, dass sie je nach Person sehr unterschiedlich ausfallen.
Anonym erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (kostenpflichtig, täglich 8 bis 24 Uhr). Beratungsstellen findest du im Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.
Wo du weiterkommst
Erster Ansprechpunkt ist eine Suchtberatung. Dort spricht man mit dir über Konsum, Alltag und Ziele. Informationen für den Einstieg bietet auch drugcom.de. Wenn du dir Sorgen um jemand anderen machst, ist der Artikel Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind kifft? eine erste Orientierung.
Häufige Fragen
Macht Cannabis psychisch abhängig?
Bei dauerhaftem Konsum kann sich laut drugcom.de eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Das BIÖG nennt, dass ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig wird. Ob es dich betrifft, zeigt ein ehrlicher Blick auf deine Gewohnheiten: wie oft du konsumierst, ob du den Konsum unterbrechen kannst und wie sehr er deinen Alltag bestimmt. Bei Zweifeln hilft eine Suchtberatung.
Wo bekomme ich Hilfe bei einer Cannabisabhängigkeit?
Eine Suchtberatung ist der erste Ansprechpunkt. Angebote findest du online auf suchtberatung.digital und im Suchthilfeverzeichnis der DHS, anonym erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031. Auch eine Hausärztin oder ein Hausarzt kann abklären, ob hinter Beschwerden ein Konsum steckt, und an Fachstellen weiterleiten.
Ist psychische Abhängigkeit bei jungen Menschen gefährlicher?
Das BIÖG nennt (fast) täglichen Konsum für Jugendliche viel schädlicher als für Erwachsene und beschreibt das junge Gehirn als in einer wichtigen Entwicklungsphase. Drugcom schreibt, es gebe überzeugende Belege, dass ein früher Einstieg nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge hat. Zurückhaltung in dieser Lebensphase ist deshalb die naheliegende Konsequenz.