Erholt sich die Gehirnleistung nach dem Aufhören?
Nach den Quellen bilden sich Einbußen bei Gedächtnis und Konzentration größtenteils zurück, wenn der Konsum endet. Eine Studie mit jungen Erwachsenen zeigt eine Verbesserung schon in der Woche nach dem letzten Konsum. Wie dauerhaft diese Veränderung ist, bleibt offen. Bei Jugendlichen ist die Erholung des Gehirns noch nicht abschließend geklärt, und genau deshalb lohnt früher Abstand.
Was bei Dauerkonsum passiert
Bei manchen starken Dauerkonsumenten sind Gedächtnis und Konzentration beeinträchtigt. Die Schweizer Fachstelle Sucht Schweiz beschreibt, dass diese Einbußen größtenteils wieder verschwinden, wenn der Konsum eingestellt wird. Drugcom schreibt, dass nach dem derzeitigen Forschungsstand vermutlich keine substanziellen Hirnschäden anzunehmen sind und wer aufhört, mit rasch besseren Hirnleistungen rechnen kann. Ob dabei kleine Beeinträchtigungen bleiben, ist laut drugcom nicht eindeutig geklärt.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Wirkung im Rausch und dauerhaften Folgen. Im Rausch sind laut DHS unter anderem Reaktion und Merkfähigkeit vermindert. Nach drugcom leidet die Hirnleistung mit zunehmender Dauer und Intensität des Konsums, und es gibt überzeugende Belege, dass ein früher Einstieg nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge hat.
Was die Studie zur Merkfähigkeit zeigt
Eine Studie mit 88 Teilnehmenden im Alter von 16 bis 25 Jahren fand, dass sich die Merkfähigkeit bereits in der Woche nach dem letzten Cannabiskonsum verbesserte. drugcom weist allerdings darauf hin, dass unklar ist, wie dauerhaft derartige Veränderungen sind. Der Befund ist ermutigend, aber er ist ein Zwischenstand und kein Abschluss.
Man sollte die Studie also als Hinweis lesen, nicht als Beleg für eine dauerhafte Erholung.
Sport als Unterstützung
Eine zweite Studie legt nahe, dass Sport die Erholung der Hirnleistung bei Menschen fördern kann, die aufhören wollen. Sie umfasste 79 Teilnehmende, davon 37 mit wöchentlichem Konsum, und lief über drei Wochen. Die Gruppe war klein, deshalb ist der Befund ein Hinweis und noch kein sicherer Beleg.
Dennoch ist der Gedanke praktisch. Bewegung im Alltag kann in den Wochen ohne Cannabis eine Struktur geben. Sie ersetzt keine Beratung, kann sie aber ergänzen.
Warum junge Menschen anders zu bewerten sind
Laut drugcom sind Hirnveränderungen bei Menschen beschrieben worden, die vor dem 18. Lebensjahr mit dem Kiffen begonnen hatten. Ob sich das Gehirn Jugendlicher nach der Abstinenz wieder erholt, ist nicht abschließend geklärt. Den Hintergrund zum jungen Gehirn erklärt der Ratgeber zum Gehirn in der Entwicklung.
Für Jugendliche gilt daher ein klarer Grundsatz: Je früher du gegensteuerst, desto mehr Spielraum hast du. Das BIÖG nennt Jugendliche durchs Kiffen viel gefährdeter als Erwachsene.
Wie sich die Erholung im Alltag zeigt
Erholung zeigt sich selten als plötzlicher Sprung. Mögliche Hinweise sind, dass man sich wieder länger auf eine Aufgabe konzentrieren kann oder sich Termine besser merkt. Wer das Gefühl hat, dass es besser wird, sollte es festhalten, denn Notizen zeigen den Verlauf deutlicher als die Erinnerung.
Bleiben Schwierigkeiten beim Lernen oder bei der Arbeit bestehen, ist das ein Grund, mit einer Fachperson zu sprechen. Wichtig ist, dem eigenen Gefühl zu vertrauen und zugleich auf konkrete Beobachtungen aus dem Alltag zu achten.
Pause, Schlaf und Bewegung
Eine Pause vom Konsum bedeutet mehr als den Verzicht auf eine Substanz. Das BIÖG nennt Schlafprobleme und wirre Träume unter den möglichen Entzugssymptomen. Laut drugcom treten Entzugssymptome meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum auf und halten in der Regel bis zu einer Woche an, im Höchstfall bis zu 14 Tage. Ein anderes drugcom-Thema nennt drei bis vier Wochen bis zum weitgehenden Abklingen, und die Symptome sind je nach Person sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Die Studie zum Sport legt nahe, dass Bewegung die Erholung unterstützen kann. Hilfreich können auch einfache Routinen sein, etwa feste Schlafzeiten und Treffen mit Freunden ohne Konsum.
Mythen rund um die Gehirnleistung
Dass Cannabis das Gehirn dauerhaft kaputt mache, sagen die Quellen so nicht: Einbußen bilden sich nach ihnen größtenteils zurück. Zugleich ist bei jungen Menschen die Lage nicht abschließend geklärt, und ein früher Einstieg kann nachhaltige Beeinträchtigungen zur Folge haben.
Was du von einer Studie erwarten darfst
Eine Studie liefert einen Befund für eine bestimmte Gruppe unter bestimmten Bedingungen. Wer Ergebnisse liest, sollte deshalb auf die Größe der Gruppe, die Dauer und die Vergleichsgruppe achten. Die kleine Sportstudie und die Merkfähigkeitsstudie zeigen Richtungen, beantworten aber nicht jede Frage für jeden Menschen.
Fragen an dich selbst
- Wie gut kann ich mich nach einer Woche ohne Konsum konzentrieren?
- Gibt es Aufgaben, bei denen ich besonders merke, dass es schwerfällt?
- Wen kann ich bitten, mir Veränderungen zu spiegeln?
Was du in der Praxis tun kannst
- Plane eine Pause und schreib auf, wie du dich in den ersten Wochen fühlst.
- Bring Bewegung in deinen Alltag, denn Sport kann die Erholung unterstützen.
- Sprich bei Schlafproblemen oder wirren Träumen in der Pause mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Beratungsstelle.
- Wenn dir das Aufhören allein nicht gelingt, nutze eine Beratungsstelle: Was passiert, wenn man aufhört.
Für ein vertrauliches Gespräch erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (kostenpflichtig, täglich 8 bis 24 Uhr). Mehr zu Prävention und Jugendschutz findest du unter Prävention und Jugendschutz.
Häufige Fragen
Wie schnell erholt sich die Gehirnleistung nach dem Aufhören?
Eine Studie mit 88 Teilnehmenden fand eine verbesserte Merkfähigkeit schon in der Woche nach dem letzten Konsum. Nach den Angaben von drugcom ist unklar, wie dauerhaft diese Veränderungen sind. Bei starkem Dauerkonsum verschwinden Einbußen bei Gedächtnis und Konzentration laut Sucht Schweiz größtenteils wieder, wenn der Konsum endet.
Hilft Sport bei der Erholung?
Eine kleine Studie mit 79 Teilnehmenden legt nahe, dass Sport die Erholung der Hirnleistung bei Ausstiegswilligen fördern kann. Die Gruppe war klein, daher ist das ein Hinweis und noch kein sicherer Beleg. Bewegung kann aber eine hilfreiche Struktur in den ersten Wochen ohne Cannabis sein.
Erholt sich das Gehirn von Jugendlichen nach dem Aufhören?
Ob sich das Gehirn Jugendlicher nach Abstinenz wieder erholt, ist laut drugcom nicht abschließend geklärt. Hirnveränderungen wurden im Zusammenhang mit Konsumbeginn vor 18 beschrieben. Deshalb gilt für Jugendliche: früh gegensteuern und bei Fragen eine Fachperson einbinden.
Quellen
- Sucht Schweiz: Cannabis, Wirkung und Risiken
- drugcom: Gedächtnis erholt sich bei Abstinenz vom Kiffen
- drugcom: Sport verbessert kognitive Leistungen nach dem Ausstieg aus dem Cannabiskonsum
- drugcom: Cannabis stört die Hirnentwicklung Jugendlicher
- Sucht & Drogen Hotline
- drugcom: Cannabis im Drogenlexikon
- BIÖG: Langfristige Risiken und Sucht
- DHS: Cannabis, Risiken