Was passiert, wenn man nach langem Konsum aufhört?
Wer nach langem Cannabiskonsum aufhört, erlebt meist zuerst körperliche und seelische Veränderungen. Entzugssymptome beginnen nach der drugcom-FAQ meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum und dauern in der Regel bis zu einer Woche, im Höchstfall bis zu 14 Tage. Ein anderes drugcom-Topthema nennt drei bis vier Wochen, bis der körperliche Entzug überstanden ist. Die Angaben weichen also voneinander ab. Beim Gedächtnis zeigte eine Studie schon in der Woche nach dem letzten Konsum eine verbesserte Merkfähigkeit.
Die ersten Tage nach dem letzten Konsum
Entzugssymptome beginnen nach den Angaben der drugcom-FAQ meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum. Zu den genannten Beschwerden zählen Schlafprobleme und wirre Träume. Die Symptome können je nach Person sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche merken kaum etwas, andere empfinden die Umstellung als belastend.
Nach drugcom zählen zu den psychischen Entzugssymptomen Reizbarkeit, Aggressivität, Nervosität, Angst, Schlafprobleme, Appetitverlust, Unruhe oder depressive Stimmung, zu den körperlichen Bauchschmerzen, Zittern, Schwitzen, Fieber, Schüttelfrost oder Kopfschmerzen. Anders als der Entzug von Alkohol oder Opioiden ist das Entzugssyndrom bei Cannabis laut drugcom nicht gefährlich, aber unangenehm. Die psychische Abhängigkeit ist dagegen langfristiger und erfordert eine aktive Auseinandersetzung mit dem Konsum.
Schlaf, Stimmung und Verlangen
Viele berichten von Schlafproblemen und intensiven Träumen. Das kann anstrengend sein. Auch Gereiztheit oder Unruhe kommen vor. Die psychische Abhängigkeit zeigt sich vor allem im starken Verlangen nach Cannabis. Dieses Verlangen kann in Stresssituationen oder bei Routinen besonders stark auftreten. Sucht Schweiz beschreibt, dass sich die psychische Abhängigkeit vor allem im starken Verlangen zeigt.
Was sich beim Gedächtnis verbessert
Eine Studie der Drogenforschung mit 88 Teilnehmenden im Alter von 16 bis 25 Jahren fand eine Verbesserung der Merkfähigkeit schon in der Woche nach dem letzten Konsum. Unklar bleibt, wie dauerhaft die Veränderungen sind. Der Befund ersetzt keine persönliche Einschätzung.
Bei manchen starken Dauerkonsumenten sind Gedächtnis und Konzentration beeinträchtigt. Laut Sucht Schweiz bilden sich diese Einbußen meist zurück, wenn der Konsum endet. Ein Zeitplan dafür lässt sich aus den Angaben nicht ableiten.
Bewegung als Unterstützung
Eine Untersuchung mit 79 Teilnehmenden, davon 37 mit wöchentlichem Konsum, legt nahe, dass Sport die Erholung der Hirnleistung fördern kann. Die Studie lief über drei Wochen und ist eher klein. Die sportlich aktiven Teilnehmenden zeigten dennoch deutlich bessere Hirnleistungen als die Vergleichsgruppe ohne Sport. Ein Spaziergang, Radfahren oder Schwimmen sind einfache Einstiege.
Besondere Vorsicht bei jungen Menschen
Für Jugendliche gilt eine eigene Vorsicht. Ob sich das Gehirn junger Menschen nach Abstinenz vollständig wieder erholt, ist laut drugcom bislang nicht abschließend geklärt. Das gilt besonders für Konsumbeginn vor dem 18. Lebensjahr. Wer in dieser Lebensphase aufhören möchte, sollte deshalb früh Unterstützung suchen. Der Beitrag Bis wann ist das Gehirn in der Entwicklung? erklärt den Hintergrund.
Umgang mit Rückfällen
Rückfälle kommen bei vielen Menschen vor, die aufhören möchten. Sie bedeuten nicht zwingend, dass der Versuch gescheitert ist. Wichtig ist, den Rückfall nüchtern anzusehen: Was war der Auslöser, und welche Situation ging voraus? Diese Fragen zeigen, wo die nächste Strategie ansetzen kann.
Hilfreich ist ein Plan für schwierige Situationen. Dazu zählen Treffen mit Menschen, die regelmäßig konsumieren, Langeweile am Abend und Stress im Beruf. Für jede dieser Situationen sollte eine Alternative feststehen, die sofort umsetzbar ist. Auch Angehörige können helfen, wenn sie die Absprache kennen.
Wann Unterstützung sinnvoll ist
Wenn die Beschwerden stark sind, lange anhalten oder der Rückfall immer wieder passiert, ist eine Beratung sinnvoll. Die Sucht & Drogen Hotline ist unter 01806 313031 täglich von 8 bis 24 Uhr erreichbar und ist gebührenpflichtig. DigiSucht (suchtberatung.digital) bietet nach eigenen Angaben kostenlose und anonyme digitale Suchtberatung an. Bei gesundheitlichen Beschwerden gehört auch der Besuch bei der Hausärztin oder dem Hausarzt dazu.
Ein realistischer Plan
- Den Zeitpunkt festlegen und Vorräte entfernen, damit der Griff nicht automatisch passiert.
- Eine Vertrauensperson informieren, die im Zweifel ansprechbar ist.
- Für Schlafprobleme und Anspannung feste Routinen einplanen, etwa Bewegung und feste Schlafzeiten.
- Rückfälle als Teil des Prozesses betrachten und die Situation besprechen und dranbleiben.
Wie man mit einem gescheiterten Versuch umgeht, zeigt der Beitrag Was tun, wenn das Aufhören immer wieder scheitert?. Eine Übersicht zu Angeboten findet sich im Beitrag Welche Selbsthilfe gibt es für Cannabiskonsumierende?.
Häufige Fragen
Wann beginnen die Entzugssymptome nach Cannabis?
Nach den Angaben der drugcom-FAQ treten die Symptome meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum auf. Zu den genannten Beschwerden zählen Schlafprobleme und wirre Träume. Sie dauern in der Regel bis zu einer Woche, im Höchstfall bis zu 14 Tage; ein anderes drugcom-Topthema nennt drei bis vier Wochen. Die Ausprägung ist je nach Person sehr unterschiedlich. Bei starken Beschwerden sollte man eine Beratung oder ärztliche Hilfe suchen.
Bleiben Schäden nach dem Aufhören bestehen?
Bei manchen starken Dauerkonsumenten bilden sich Einbußen bei Gedächtnis und Konzentration laut Sucht Schweiz meist zurück. Eine Studie fand eine verbesserte Merkfähigkeit schon in der Woche nach dem letzten Konsum. Für Jugendliche ist laut drugcom noch nicht abschließend geklärt, ob sich das Gehirn wieder erholt.
Quellen
- drugcom FAQ: Entzugserscheinungen bei Cannabiskonsum
- drugcom: Gedächtnis erholt sich bei Abstinenz vom Kiffen
- drugcom: Sport verbessert kognitive Leistungen nach Ausstieg
- Sucht Schweiz: Cannabis Wirkung und Risiken
- drugcom: Cannabis stört die Hirnentwicklung Jugendlicher
- drugcom.de: Bin ich abhängig von Cannabis?
- DigiSucht: digitale Suchtberatung
- BIÖG: Sucht & Drogen Hotline