Gibt es Selbsthilfegruppen für Angehörige von Suchtkranken?
Ja, es gibt Selbsthilfegruppen für Angehörige von Menschen mit Suchtproblemen. Nach Angaben des Drogenbeauftragten der Bundesregierung gibt es bundesweit rund 8.700 Selbsthilfegruppen für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen. Ob es eine Gruppe speziell für Angehörige von Cannabiskonsumierenden gibt, zeigt die Suche vor Ort oder die Nachfrage bei einer Beratungsstelle.
Wo du Gruppen findest
Adressen von Selbsthilfegruppen lassen sich laut Drogenbeauftragtem über die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) und über die Webseiten der Suchtselbsthilfeverbände finden. Das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) verzeichnet Einrichtungen der Suchthilfe. Du suchst dort nach Postleitzahl oder Ort mit einem Umkreis von 2 bis 100 Kilometern und kannst die Suche auf Angebote für Angehörige eingrenzen.
Wenn die Suche keine passende Gruppe zeigt, frag direkt bei einer Suchtberatungsstelle nach. Viele Stellen kennen Gruppen in der Umgebung und können dich gezielt weiterverweisen. Im Artikel Wie hilft die Suchtberatung für Eltern? findest du weitere Wege zu Beratung.
Suchst du gezielt nach einem Angebot für Eltern, hilft der Überblick im Artikel Gibt es Selbsthilfe für Eltern von Suchtkranken? Dort sind Angebote für Eltern gesondert beschrieben.
Was in einer Gruppe passiert
Eine Selbsthilfegruppe lebt vom Austausch. Menschen in ähnlicher Lage erzählen, was sie beschäftigt, und hören zu, was andere erlebt haben. Oft gibt es feste Regeln, zum Beispiel dass niemand bewertet wird und dass Gesprächsinhalte in der Runde bleiben. Solche Regeln schützen alle Beteiligten, und du kannst danach fragen, bevor du hingehst.
Du musst nicht von Anfang an viel erzählen. Viele Menschen kommen zuerst, um zuzuhören. Erst wenn du dich wohlfühlst, sprichst du über deine eigene Situation. Das ist nicht falsch und kein Zeichen, dass du dich nicht einbringst.
Was du vor dem ersten Besuch klären kannst
Bevor du zu einer Gruppe gehst, lohnt sich eine kurze Nachfrage. Frag nach dem Ablauf und der Häufigkeit der Treffen. Erkundige dich, ob du beim ersten Mal einfach zuhören darfst, ohne etwas erzählen zu müssen. Frag auch nach den Kosten, denn Angebote unterscheiden sich in dieser Hinsicht. Weitere Fragen sind:
- Ist die Gruppe offen, oder nimmt sie nur feste Teilnehmende auf?
- Wer leitet die Gruppe, und ist die Person fachlich begleitet?
- Wie wird mit Gesprächsinhalten umgegangen?
- Gibt es Angebote für Angehörige von Menschen, die Cannabis konsumieren?
Notiere dir vor dem Termin, was dich zum Besuch bewegt. Das erleichtert den Einstieg, wenn du im Gespräch unsicher wirst.
Warum Angehörige eigene Unterstützung brauchen
Angehörige von Menschen mit Suchtproblemen geraten oft selbst unter Druck. Sie tragen Sorgen mit, organisieren Alltag und Gespräche und wissen nicht immer, wie sie reagieren sollen. Eine Gruppe bietet einen Raum, in dem diese Erfahrungen ausgesprochen werden können. Der Artikel Warum brauchen auch Angehörige eigene Beratung? erklärt, warum das auch für dich gilt.
Gerade Schuldgefühle und das Gefühl, alles kontrollieren zu müssen, begleiten viele Angehörige. Ein Austausch mit Menschen in ähnlicher Lage kann helfen, diese Gefühle einzuordnen. Du lernst dabei auch, welche Verantwortung wirklich bei dir liegt und welche nicht.
Gruppe oder Einzelberatung: was passt zu dir?
Eine Gruppe bietet Gemeinschaft und den Blick auf andere Lebenswege. Eine Einzelberatung bietet Raum für deine ganz persönlichen Fragen. Beides kann sich ergänzen. Wer in einer Gruppe nicht über das eigene Thema sprechen mag, findet in der Einzelberatung oft einen besseren Einstieg. Wer in der Einzelberatung schnell Antworten braucht, kann in der Gruppe lernen, mit offenen Fragen zu leben.
Für eine Einzelberatung in deiner Nähe ist die Suchtberatungsstelle der richtige Ansprechpartner. Wie du sie findest, erklärt der Artikel Wo finde ich eine Suchtberatungsstelle für Cannabis? Ein Anruf bei einer Stelle, die Angehörige berät, ist oft der schnellste Weg.
Wenn eine Gruppe nicht passt
Nicht jede Gruppe passt zu jeder Person. Wenn dir der Ton nicht liegt oder die Themen nicht zu deiner Situation passen, probiere eine andere aus oder wechsle zu einer Einzelberatung. Gruppen sind ein Angebot unter mehreren.
Für Eltern gibt es weitere Wege, die sich mit einer Gruppe kombinieren lassen: DigiSucht ist laut Drogenbeauftragtem eine digitale, kostenlose und anonyme Suchtberatung für erwachsene Betroffene, Angehörige und Eltern. Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer erreichst du unter 0800 111 0 550. Wenn du zuerst anonym Orientierung suchst, kann auch das Angebot im Artikel Gibt es anonyme Beratung für Angehörige? passen.
Typische Missverständnisse
Ein verbreiteter Irrtum lautet: „Wenn ich mich nur genug bemühe, ändert sich der Konsum der anderen Person.“ Das stimmt nicht. Du kannst den Konsum eines anderen Menschen nicht allein steuern. Du kannst aber deinen eigenen Umgang damit verändern, und das entlastet oft mehr, als man denkt.
Ein zweiter Irrtum ist, dass Angehörige schweigen müssen, um nicht zu stören. Offene Gespräche sind wichtig. Wie du mit Angehörigen selbst ins Gespräch kommst, zeigt der Artikel Wie spreche ich mit meinem Kind über Cannabis?
Prävention und Vorsorge in der Familie
Das junge Gehirn befindet sich laut BIÖG in einer wichtigen Entwicklungsphase, und Cannabiskonsum kann diese Entwicklung beeinflussen. Im schlimmsten Fall ist der Schul- oder Berufsabschluss gefährdet, weil das Gedächtnis viel schlechter funktioniert. Deshalb lohnt es sich, Konsum früh anzusprechen. Der Austausch in einer Gruppe kann dir helfen, solche Gespräche besser vorzubereiten.
Wer als Familie klare, gemeinsame Regeln vereinbart, schafft Orientierung. Welche Regeln sich bewährt haben, beschreibt der Artikel Welche Familienregeln helfen beim Thema Cannabis?
Grenzen der Gruppe
Wenn du dich stark belastet fühlst, Schlaf oder Alltag darunter leiden oder du Angst um eine Person hast, hol dir eine Einzelberatung. Bei akuter Gefahr gilt der Notruf 112.
Checkliste für den ersten Besuch
- Suche eine Gruppe im DHS-Suchthilfeverzeichnis oder frag bei einer Beratungsstelle nach.
- Kläre Ablauf, Häufigkeit, Kosten und Gesprächsregeln.
- Notiere, was dich zum Besuch bewegt.
- Entscheide nach zwei oder drei Treffen, ob die Gruppe passt.
Was du jetzt tun kannst
- Suche im DHS-Suchthilfeverzeichnis nach Einrichtungen in deiner Nähe, und über NAKOS nach Selbsthilfegruppen.
- Frag bei einer Suchtberatungsstelle nach Angehörigengruppen, wenn die Suche nichts ergibt.
- Kläre vor dem ersten Besuch Ablauf, Häufigkeit und Kosten.
- Nutze bei Bedarf DigiSucht oder das Elterntelefon, wenn du erst einmal Orientierung suchst.
- Wenn du keine Gruppe findest, kann die Videoberatung eine Zwischenlösung sein. Was dafür nötig ist, erklärt der Artikel Gibt es Videoberatung bei Suchtproblemen?
Häufige Fragen
Wo finde ich Angehörigengruppen in meiner Nähe?
Adressen von Selbsthilfegruppen lassen sich laut Drogenbeauftragtem über NAKOS und die Webseiten der Suchtselbsthilfeverbände finden. Das DHS-Suchthilfeverzeichnis listet Einrichtungen der Suchthilfe und lässt sich nach Postleitzahl oder Ort mit Umkreis durchsuchen. Wenn du dort keine passende Gruppe findest, frag bei einer Suchtberatungsstelle in deiner Nähe.
Was kostet eine Selbsthilfegruppe für Angehörige?
Zu den Kosten einzelner Gruppen lässt sich pauschal nichts sagen. Frag die Gruppe oder die vermittelnde Stelle direkt, bevor du zum ersten Mal hingehst. So vermeidest du Überraschungen und kannst besser entscheiden, ob das Angebot zu dir passt.
Ersetzt eine Gruppe eine persönliche Beratung?
Nein, eine Gruppe bietet Austausch, ersetzt aber keine persönliche Beratung. Wenn du dich stark belastet fühlst, hol dir eine Einzelberatung. Den Weg dorthin zeigt das DHS-Suchthilfeverzeichnis, und bei akuter Gefahr gilt der Notruf 112.
Wie finde ich eine Gruppe, wenn ich auf dem Land wohne?
Das DHS-Suchthilfeverzeichnis lässt sich mit einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern durchsuchen. So findest du auch Angebote außerhalb deines Ortes. Wenn keine Gruppe in der Nähe ist, kann eine Einzelberatung per Video eine Zwischenlösung sein. Der Artikel zur Videoberatung beschreibt, was dafür nötig ist.
Kann ich eine Einzelberatung bekommen, wenn die Gruppe nicht passt?
Ja, eine Einzelberatung ist eine Möglichkeit, wenn dir eine Gruppe nicht liegt. DigiSucht bietet laut Drogenbeauftragtem kostenlose und anonyme Beratung für Angehörige und Eltern, und das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer erreichst du unter 0800 111 0 550. Beratungsstellen vor Ort findest du über das DHS-Suchthilfeverzeichnis.