Gibt es anonyme Beratung für Angehörige?
Ja, für Angehörige gibt es anonyme Beratung. Die Online-Beratungsplattform DigiSucht beschreibt ihre Angehörigenberatung als anonym und kostenlos. Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist für akute Probleme und Fragen erreichbar. Dieser Ratgeber erklärt, was anonym bei Beratung bedeutet, welche Angebote es gibt und wo die Grenzen liegen.
Was Anonymität in der Beratung bedeutet
Anonym beraten zu werden heißt, dass Sie Ihren Namen nicht angeben müssen, um ein Gespräch zu führen. Sie können über Ihre Situation sprechen, ohne dass Ihre Identität im Mittelpunkt steht. Dann bleibt offen, wer Sie sind.
Wie Daten gespeichert und verarbeitet werden, regelt jede Stelle selbst. Die Datenschutzerklärung und die Hinweise zur Vertraulichkeit sollten Sie lesen, bevor Sie persönliche Details schreiben. Die Seite der DigiSucht-Plattform verweist dazu auf eine separate Datenschutzseite.
Die Angebote im Überblick
Für Angehörige gibt es mehrere Wege, anonym Rat zu holen. Die Auswahl hängt davon ab, ob Sie schreiben, telefonieren oder persönlich sprechen möchten.
- DigiSucht: professionelle Suchtberatung für Angehörige über die Plattform, anonym und kostenlos.
- Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: für akute Probleme und Fragen von Eltern, kostenlos. Die Nummer lautet 0800 111 0 550. Die Zeiten sollten Sie vorab prüfen.
- Suchtberatungsstellen vor Ort: sind laut DHS auch für Angehörige die richtige Adresse. Ob ein Erstgespräch anonym möglich ist, fragen Sie am Telefon.
- mindzone: Online-Drogenberatung, die nach eigenen Angaben anonym und kostenfrei ist und sich auch an Angehörige richtet. Die Angabe einer E-Mail-Adresse ist nicht erforderlich, Anfragen sollen innerhalb von zwei Werktagen beantwortet werden.
- Selbsthilfegruppen: Die DHS nennt Selbsthilfegruppen für Angehörige, online und vor Ort, und bezeichnet die Teilnahme als kostenlos.
Das DHS-Suchthilfeverzeichnis zeigt Kontaktdaten und Arbeitsschwerpunkte von rund 2.100 Einrichtungen. Ob dort ein anonymes Erstgespräch möglich ist, erfragen Sie bei der Stelle.
Vertraulichkeit und ihre Grenzen
Die DHS beschreibt alle Gespräche in Suchtberatungsstellen als streng vertraulich. Fragen Sie trotzdem vorab, in welchen Fällen eine Stelle Informationen weitergeben darf, zum Beispiel wenn jemand akut gefährdet ist. Eine anonyme Online-Beratung folgt eigenen Regeln, die in den Datenschutzhinweisen stehen.
Wann anonyme Beratung nicht reicht
Eine anonyme Beratung ersetzt keine Notfallhilfe. Wenn eine Person bewusstlos ist, einen Krampfanfall hat, sich selbst verletzt oder akut bedroht ist, rufen Sie den Notruf 112 an. Auch wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es ein Notfall ist, lohnt sich der Anruf. Der Ratgeber Wann sollten Eltern sofort Hilfe holen? zeigt die Warnzeichen.
Auch bei länger andauernden Problemen, etwa wenn Ihr Partner oder Ihr Kind sich über Monate verändert, reicht ein einzelnes anonymes Gespräch oft nicht. Vereinbaren Sie dann einen regelmäßigen Termin bei einer Beratungsstelle vor Ort oder bleiben Sie in der Online-Beratung dran.
Was Sie vor dem ersten Kontakt klären sollten
Ein erster Kontakt fällt leichter, wenn Sie wissen, was Sie erwartet. Überlegen Sie sich zwei oder drei Punkte, die Sie besprechen möchten, und notieren Sie die wichtigsten Beobachtungen. Sie müssen keine vollständige Geschichte erzählen. Ein Satz wie „Ich mache mir Sorgen um meine Tochter und möchte wissen, wie ich mich verhalten kann“ genügt als Start.
Fragen Sie auch, wie die Beratung abläuft, wie lange sie dauert und ob es Folgetermine gibt. Eine seriöse Stelle erklärt ihre Arbeitsweise und nimmt Ihre Fragen ernst. Mehr dazu im Ratgeber Wie erkenne ich eine seriöse Beratungsstelle?.
Was Anonymität nicht ersetzt
Anonyme Beratung bleibt ein Gespräch mit einem Menschen. Sie ersetzt weder den Austausch mit Menschen in Ihrem Umfeld noch eine ärztliche Abklärung, wenn Sie selbst gesundheitliche Beschwerden haben. Auch Hausärztinnen und Hausärzte können Sie ansprechen, wenn Sie sich Sorgen machen, auch wenn die betroffene Person noch nichts davon weiß. Der Ratgeber Wann sollte man mit dem Hausarzt über Cannabis sprechen? zeigt, wann dieser Weg sinnvoll ist.
Anonymität schützt Ihre Identität im Gespräch. Sie schützt Sie aber nicht vor den eigenen Gefühlen. Deshalb kann es hilfreich sein, nach dem Gespräch mit einer vertrauten Person zu reden oder eine Angehörigengruppe zu besuchen. Eine Stelle vor Ort kann Ihnen dafür Namen nennen.
Was Sie vor einer anonymen Beratung klären
Fragen Sie vorab, welche Daten die Stelle für ein Erstgespräch braucht und ob Sie Angaben weglassen können. Erkundigen Sie sich auch, ob Gespräche aufgezeichnet oder notiert werden und wie lange Notizen aufbewahrt werden. Solche Fragen sind üblich und zeigen, dass Sie Ihre Privatsphäre ernst nehmen.
Hinweise für Angehörige mit Kindern
Leben Kinder im Haushalt, sollten Sie auch deren Bedürfnisse im Blick behalten. Eine anonyme Beratung für Sie selbst hilft, die eigene Belastung zu sortieren. Sie ersetzt aber keine Unterstützung für die Kinder. Der Ratgeber Wie helfe ich Kindern aus suchtbelasteten Familien? zeigt, welche Schritte im Alltag entlasten.
Was Sie jetzt tun können
- Schauen Sie sich das Angebot der DigiSucht-Plattform für Angehörige an und prüfen Sie die Datenschutzhinweise.
- Notieren Sie sich das Elterntelefon 0800 111 0 550 und prüfen Sie die Zeiten, bevor Sie anrufen.
- Suchen Sie über das DHS-Suchthilfeverzeichnis eine Stelle mit Angehörigenangebot.
- Halten Sie für akute Gefahren den Notruf 112 bereit.
- Vereinbaren Sie nach dem ersten Kontakt einen Folgetermin, wenn Sie Unterstützung brauchen.
Häufige Fragen
Kann ich mich anonym beraten lassen, ohne meinen Namen zu nennen?
Ja, die DigiSucht-Plattform bietet Angehörigenberatung anonym an. Auch bei Beratungsstellen vor Ort fragen Sie am besten vorab, ob ein anonymes Erstgespräch möglich ist. Anonymität bedeutet, dass Sie Ihren Namen nicht nennen müssen. Die Datenschutzhinweise der jeweiligen Stelle sollten Sie trotzdem lesen.
Kostet die anonyme Beratung etwas?
Die DigiSucht-Plattform beschreibt die Angehörigenberatung als kostenlos. Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist ebenfalls kostenlos. Bei Beratungsstellen vor Ort erfragen Sie die Konditionen am Telefon, weil sie sich unterscheiden können.
Was passiert, wenn ich bei der anonymen Beratung eine akute Gefahr schildere?
Wie eine Stelle in diesem Fall vorgeht, erfragen Sie vorab. Die DHS beschreibt Gespräche in Suchtberatungsstellen als streng vertraulich. Bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie den Notruf 112. Eine anonyme Beratung ersetzt den Notruf nicht.