Warum brauchen auch Angehörige eigene Beratung?
Angehörige brauchen eigene Beratung, weil sie selbst unter der Sucht eines nahestehenden Menschen leiden. Das gilt unabhängig davon, ob die betroffene Person Hilfe sucht oder nicht. Partnerinnen, Eltern, Geschwister und enge Freundinnen geraten oft in Sorge, Schuldgefühle und Erschöpfung. Eine Beratung gibt diesen Menschen Raum, ihre Lage zu verstehen und ihre Kräfte zu schützen. Dieser Ratgeber erklärt, warum eigene Beratung wichtig ist, was dort geschieht und wie Sie passende Angebote finden.
Wer gehört zu den Angehörigen?
Die DHS zählt zu den Mitbetroffenen Partnerinnen und Partner, Elternteile, Kinder, Großeltern und weitere Verwandte, enge Freundinnen und Freunde sowie Kolleginnen und Kollegen. DigiSucht nennt Partner, Eltern, Geschwister und die beste Freundin als Personen, die von der Sucht einer nahestehenden Person stark belastet sein können. Entscheidend ist die Belastung, nicht der Verwandtschaftsgrad.
Die DHS beschreibt, dass es Angehörigen oft schwerfällt, Abstand zur belastenden Situation zu gewinnen und sich um das eigene Wohlbefinden zu kümmern.
Warum die eigene Belastung zählt
Die DHS beschreibt, dass nahe Angehörige häufig wechselnde Stimmungen, Aggressivität und Unzuverlässigkeit erleben. So wird auch ihr Leben durch die Sucht beherrscht, und für eigene Hobbys und Interessen bleibt oft kein Raum. DigiSucht ergänzt: Angehörige übernehmen Aufgaben, streiten häufiger, das Vertrauen geht verloren, und sie fühlen sich mit der Zeit ohnmächtig.
Eigene Beratung setzt genau hier an. DigiSucht schreibt, dass die Plattform Angehörigen hilft, die Fragen zur Sucht einer betroffenen Person haben oder selbst Unterstützung benötigen.
Was Angehörige in der Beratung gewinnen
Nach der DHS stehen im Beratungsgespräch die eigene Situation, Fragen und Sorgen im Mittelpunkt. Dort lässt sich klären, welches Verhalten gegenüber der abhängigen Person angemessen ist und welche Unterstützung Angehörige selbst brauchen. Mögliche Themen sind:
- Sie lernen, eigene Grenzen klar zu benennen und einzuhalten.
- Sie erkennen, wo sie Verantwortung tragen und wo nicht.
- Sie werden entlastet von dem Gefühl, an der Sucht schuld zu sein.
- Sie planen Schritte für den Alltag, die tragfähig sind.
Die DigiSucht-Angehörigenberatung nennt als zentrale Punkte, Grenzen zu setzen, auf das eigene Wohlbefinden zu achten und keine Schuld an der Sucht anderer zu tragen. Das lässt sich in der Beratung gemeinsam üben.
Was Angehörige beeinflussen können
Die DHS hält fest, dass Angehörige die abhängige Person zu nichts zwingen können, aber an ihrer eigenen Situation etwas ändern können. DigiSucht schreibt: Der Wille zur Veränderung muss von der betroffenen Person selbst kommen, und Angehörige haben an der Sucht keine Schuld. Die Entscheidung über Hilfe bleibt deshalb bei der betroffenen Person. Angehörige können Hilfe anbieten, aber nicht erzwingen.
Wo Angehörige Beratung finden
Die DHS nennt Suchtberatungsstellen für Angehörige und Mitbetroffene die richtige Adresse. Das DHS-Suchthilfeverzeichnis führt rund 2.100 Einrichtungen mit Kontaktdaten und Arbeitsschwerpunkten; ob eine Stelle Angehörige berät, fragst du dort. Eine Übersicht zu den ersten Schritten bietet der Ratgeber Welche Stelle ist die erste Anlaufstelle für Angehörige?
Online bietet die DigiSucht-Plattform Beratung für Angehörige an. Sie beschreibt die Beratung als anonym und kostenlos. Selbsthilfegruppen für Angehörige suchst du laut DHS über die Verbände der Sucht-Selbsthilfe.
Selbsthilfe als Ergänzung
Die DHS beschreibt, dass Angehörige in Selbsthilfegruppen Menschen kennenlernen, die Ähnliches erleben oder erlebt haben. Die Teilnahme ist laut DHS kostenlos, vor Ort und online. Selbsthilfe ersetzt keine Beratung. Wer unsicher ist, fragt die Beratungsstelle, welche Gruppe passt.
Wenn Kinder mit im Haushalt leben
Leben Kinder im Haushalt, ist die eigene Beratung besonders wichtig. Angehörige tragen dann auch Verantwortung für die Kinder. Die Fachstelle für Suchtprävention Berlin nennt Kinder aus suchtbelasteten Familien stark gefährdet, selbst süchtig zu werden oder Ängste, Depressionen und andere psychische Störungen auszubilden. Sie verweist auf Studien, nach denen in Deutschland rund 3 Millionen Kinder unter 18 Jahren mit mindestens einem suchtbelasteten Elternteil leben, in den meisten Fällen wegen Alkoholabhängigkeit. Die eigene Entlastung gehört deshalb dazu. Der Ratgeber Wie helfe ich Kindern aus suchtbelasteten Familien? zeigt, wie Sie die Kinder unterstützen.
Eigene Ziele nicht aufgeben
Eine einfache Übung hilft vielen: Schreiben Sie auf, was Sie in den letzten vier Wochen für sich selbst getan haben. Wenn die Liste kurz ist, fangen Sie klein an, zum Beispiel mit einem Spaziergang pro Woche oder einem Abend ohne Gesprächsthema Sucht. Eigene Ziele halten Sie handlungsfähig, damit Sie der betroffenen Person und den Kindern im Haushalt weiterhin helfen können.
Was Sie jetzt tun können
- Notieren Sie, was Sie in den letzten Wochen belastet hat.
- Suchen Sie eine Beratungsstelle mit Angehörigenangebot über das DHS-Suchthilfeverzeichnis.
- Prüfen Sie die Online-Beratung für Angehörige, wenn ein persönlicher Termin schwer fällt.
- Planen Sie eine feste Zeit für eigene Erholung, auch wenn sie kurz ist.
- Bei akuter Gefahr für sich oder andere wählen Sie den Notruf 112.
Häufige Fragen
Muss die betroffene Person zuerst Hilfe wollen, bevor ich Beratung bekomme?
Nein. Angehörige können sich unabhängig davon beraten lassen, ob die betroffene Person Hilfe sucht. Die Beratung kümmert sich um die eigene Lage, Grenzen und Belastung. Die Entscheidung über eine Behandlung bleibt bei der betroffenen Person.
Ist Angehörigenberatung kostenlos?
Die DHS bezeichnet die persönliche Beratung für Angehörige und die Teilnahme an Selbsthilfegruppen als kostenlos. Die DigiSucht-Plattform beschreibt ihre Beratung für Angehörige als anonym und kostenlos. Bei einzelnen Stellen fragen Sie vorab nach den Konditionen.
Was ist der Unterschied zwischen Angehörigenberatung und Gruppen?
In der Beratung arbeiten Sie mit einer Fachkraft an Ihrer persönlichen Lage. In einer Selbsthilfegruppe tauschen sich Menschen mit ähnlichen Erfahrungen aus. Beides kann sich ergänzen.