Gibt es Online-Selbsthilfe für Cannabiskonsumierende?
Ja, für Cannabiskonsumierende gibt es ein Online-Programm zur Selbsthilfe mit professioneller Begleitung. Quit the Shit richtet sich an Menschen, die weniger konsumieren oder ganz aufhören möchten, und wird auf cannabispraevention.de unter den Online-Angeboten des BIÖG aufgeführt. Es arbeitet mit einem Konsumtagebuch über vier Wochen, in dem dich eine Beraterin oder ein Berater individuell unterstützt. Daneben gibt es Foren und Gruppen im Netz, die sich stark in Moderation und Ton unterscheiden. Selbsthilfe im Netz kann den ersten Schritt erleichtern, ersetzt aber bei schwierigen Lagen keine Beratung und keine ärztliche Behandlung.
Was Quit the Shit konkret bietet
Das Kernstück des Programms ist ein Konsumtagebuch, das du über einen Zeitraum von vier Wochen führst. Du legst selbst fest, ob du reduzieren oder ganz aufhören willst. Ein Mitglied des Beratungsteams begleitet dich die gesamte Zeit, liest Tagebuch und Übungen und gibt dir einmal pro Woche eine persönliche Rückmeldung. In Absprache mit der Beratung ist eine Verlängerung um zwei Wochen möglich. Die Teilnahme ist nach Angaben des Programms kostenlos und anonym.
Zum Start füllst du bei der Anmeldung einen Fragebogen zu dir und deinem Konsum aus, das dauert laut Programmseite etwa 15 bis 20 Minuten. Danach wählst du einen Starttermin. Empfohlen wird ein Erstgespräch im Einzelchat mit einer Beraterin oder einem Berater, dafür solltest du 60 Minuten einplanen. Ohne Erstgespräch kannst du ebenfalls einsteigen. Spezielle Übungen schaltet die Beratung je nach Verlauf für dich frei, und ein Forum steht angemeldeten Teilnehmenden offen. Den typischen Ablauf beschreibt der Artikel Wie funktioniert das Online-Programm Quit the Shit?
Wie das Tagebuch im Alltag funktioniert
Ein Konsumtagebuch macht den eigenen Konsum sichtbar. Notiere, wann du konsumierst, wo du bist, mit wem und in welcher Stimmung. Halte auch fest, was vorher passiert ist. Nach ein paar Tagen erkennst du oft Muster, zum Beispiel Konsum nach der Arbeit oder vor dem Schlafen.
Lege zu Beginn ein konkretes Ziel fest, etwa an zwei Tagen pro Woche nicht zu konsumieren. Ein klares Ziel lässt sich im Tagebuch prüfen. Ein allgemeiner Vorsatz wie „weniger kiffen“ lässt sich dagegen kaum messen. Der Artikel Hilft ein Konsumtagebuch beim Aufhören mit Cannabis? erklärt Nutzen und Grenzen genauer.
Begriffe kurz erklärt
Selbsthilfe heißt, dass du selbst an deinem Konsum arbeitest, unterstützt durch ein Programm, eine Gruppe oder vertraute Menschen. Beratung ist ein Gespräch mit einer Fachkraft, die dich einordnet und mit dir die nächsten Schritte plant. Behandlung ist ärztlich oder psychotherapeutisch. Sie richtet sich bei Abhängigkeit oder psychischen Beschwerden nach einer Diagnose. Die Begriffe überschneiden sich, sie sind aber nicht dasselbe.
Ein häufiges Missverständnis lautet: „Wer ein Programm macht, braucht keine Beratung.“ Das stimmt nur, solange der Konsum im Griff bleibt. Wenn Reduktion trotz ernsthafter Vorsätze nicht gelingt, ist ein Gespräch mit einer Fachkraft der nächste sinnvolle Schritt.
Foren und Gruppen: worauf du achten solltest
Im Netz findest du Foren, in denen Menschen über Konsum sprechen. Prüfe, ob es eine Moderation gibt, die Beiträge kontrolliert, und ob Aussagen belegt sind oder nur persönliche Erfahrungen beschreiben. Persönliche Erfahrungen sind wertvoll, ersetzen aber keine Information über Risiken. Was bei einer Person gut ging, sagt wenig darüber aus, wie es dir gehen wird. Das Forum von Quit the Shit ist ein geschützter Bereich, den nur angemeldete Teilnehmende und das Beratungsteam nutzen können.
Gib in Foren keine persönlichen Daten preis, etwa Name, Wohnort oder Arbeitgeber. Achte auch auf Werbung. Nach § 6 KCanG sind Werbung und jede Form des Sponsorings für Cannabis und für Anbauvereinigungen verboten. Bist du auf Seiten gestoßen, die für Cannabis werben, behandle deren Aussagen mit Vorsicht.
Gesundheit: Welche Risiken du kennen solltest
Selbsthilfe funktioniert besser, wenn du die Risiken kennst. Laut cannabispraevention.de stört THC die Reifeprozesse im Gehirn, und die Risiken von Cannabis sind für Jugendliche besonders hoch. Ob sich das Gehirn Jugendlicher nach dem Aufhören wieder erholt, ist laut drugcom nicht abschließend geklärt.
Zwischen Cannabiskonsum und Psychosen besteht ein statistischer Zusammenhang. Dass Cannabis eine Psychose tatsächlich verursacht, belegt dieser Zusammenhang laut cannabispraevention.de allerdings nicht. Kommen Psychosen in deiner Familie vor oder bemerkst du Warnzeichen wie starkes Misstrauen, sprich möglichst bald mit einer Ärztin oder einem Arzt. Das gilt unabhängig davon, ob du gerade ein Programm nutzt. Eine Abhängigkeit liegt laut drugcom vor, wenn innerhalb von 12 Monaten mindestens zwei der Merkmale zutreffen. Ob der Konsum negative Folgen hat, zählt dabei mehr als Menge und Häufigkeit.
Wann Selbsthilfe nicht mehr reicht
Wenn du deinen Konsum trotz ernsthafter Vorsätze nicht reduzieren kannst, ist das ein Zeichen, dass du mehr Unterstützung brauchst. Typische Anzeichen sind:
- Vorsätze halten über mehrere Wochen nicht.
- Du konsumierst mehr, als du dir vorgenommen hast.
- Du bemerkst Entzugserscheinungen oder starke Stimmungsschwankungen.
- Du nimmst gleichzeitig andere Substanzen oder hast psychische Beschwerden.
Eine Beratung kann dich begleiten, wenn das Tagebuch allein nicht reicht. Die Frage, ob du reduzieren oder aufhören willst, musst du dafür noch nicht beantworten. Der Artikel Muss man zur Beratung schon aufhören wollen? beschreibt, wie das funktioniert.
Früh anfangen heißt früh hinschauen
Vor allem bei jungen Menschen lohnt es sich, den eigenen Konsum früh zu prüfen, auch wenn er dir harmlos vorkommt. Gewohnheiten, die in der Jugend entstehen, bleiben oft lange bestehen. Die Grundlagen erklärt der Artikel Welche Folgen hat ein früher Einstieg in den Konsum?
Vor dem Start: Checkliste
- Lies die Programmbeschreibung und prüfe, ob sie zu deinem Ziel passt.
- Lies die Datenschutzhinweise und entscheide, welche Angaben du machst.
- Plane feste Zeiten für die Aufgaben ein, zum Beispiel zehn Minuten am Abend.
- Schreib dir auf, warum du das Programm machst. Diesen Satz liest du, wenn es schwer wird.
- Lege fest, wer dich im Alltag unterstützen kann, und notiere die Nummer einer Beratungsstelle in deiner Nähe.
Fragen für ein erstes Beratungsgespräch
Wenn du nach dem Programm eine Beratung suchst, hilft dir eine Liste mit Fragen. Frag, wie die Fachkraft mit Konsumzielen arbeitet und ob du auch ohne festes Ziel kommen kannst. Frag, wie lange ein Termin dauert, wie oft er stattfindet und was er kostet. Die Kosten im Überblick stehen im Artikel Was kostet eine Cannabis-Beratung?
Frag außerdem, wie vertraulich die Gespräche sind und wer Notizen dazu führt. Wie Schweigepflicht und Datenschutz in der Suchtberatung aussehen, erklärt der Artikel Wie vertraulich ist Suchtberatung wirklich? Ein Gespräch vor Ort und ein digitales Angebot unterscheiden sich in einigen Punkten, die du vorher abwägen kannst. Der Vergleich steht im Artikel Online-Beratung oder Beratungsstelle vor Ort: was passt?
Was du jetzt tun kannst
- Lies vor der Teilnahme die Datenschutzhinweise des Angebots.
- Führe das Konsumtagebuch mindestens vier Wochen, bevor du Bilanz ziehst.
- Nutze Foren nur mit Blick auf Moderation und Quellen.
- Suche dir eine Beratung, wenn du dein Ziel nicht erreichst. Hilfe findest du über Wo finde ich eine Suchtberatungsstelle für Cannabis?
Häufige Fragen
Wie lange dauert das Programm Quit the Shit?
Die Standardlänge des Programms beträgt vier Wochen. Laut Programmseite ist in Absprache mit der Beratung eine Verlängerung um zwei Wochen möglich. Details zu Ablauf und Anmeldung stehen auf der Programmseite des Angebots, die du vor dem Start lesen solltest.
Ist Quit the Shit wirklich anonym?
Laut Programmseite ist die Teilnahme anonym und kostenlos. Quit the Shit ist auf cannabispraevention.de als Online-Angebot des BIÖG aufgeführt. Bei der Anmeldung machst du Angaben zu dir und deinem Konsum. Die gespeicherten Daten werden laut Programmseite vertraulich behandelt und auf Wunsch oder spätestens sechs Monate nach dem Ende der Beratung gelöscht. Lies die Datenschutzhinweise vor der Anmeldung.
Ist Quit the Shit nur für Menschen gedacht, die ganz aufhören wollen?
Nein, das Programm richtet sich an Cannabiskonsumierende, die weniger konsumieren oder aufhören möchten. Du legst selbst fest, welches Ziel du verfolgst. Wichtig ist, dass du dein Ziel konkret formulierst, damit du es im Tagebuch überprüfen kannst.
Was tue ich nach einem Rückfall im Programm?
Nach einem Rückfall kannst du das Tagebuch einfach weiterführen. Trag ihn ein und notiere, in welcher Situation er passiert ist. Daraus lassen sich die nächsten Schritte ableiten. Weitere Hinweise zum Umgang mit Rückfällen findest du im Artikel zu Rückfällen beim Cannabis.