Ist ein Kellerraum als Ort für den Eigenanbau geeignet?
Ob ein Kellerraum für den Eigenanbau geeignet ist, hängt von vier Punkten ab: Gehört er zu deinem Wohnsitz, wie feucht ist er, wer hat Zugang, und erlaubt der Mietvertrag die Nutzung. Nach § 9 Abs. 1 KCanG ist der private Eigenanbau von insgesamt nicht mehr als drei Cannabispflanzen gleichzeitig am Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt erlaubt. Ob ein Kellerabteil noch zum Wohnsitz zählt, lässt sich nicht pauschal sagen und ist eine Frage des Einzelfalls. Dieser Ratgeber hilft dir, die Punkte in Ruhe zu prüfen.
Zählt der Keller zum Wohnsitz?
Das Gesetz spricht vom Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt, nicht von einzelnen Räumen. Ein Kellerabteil, das ausdrücklich zu deiner Wohnung gehört, ist eine andere Ausgangslage als ein Keller, den mehrere Parteien gemeinsam nutzen. Eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt kann dir die Lage für deine Wohnung einordnen, bevor du Zeit und Geld investierst. Eine Orientierung zum Thema bietet der Artikel Eigenanbau nur am Wohnsitz.
Wie wichtig ist die Feuchte im Keller?
Das Umweltbundesamt führt die Ausbreitung von Schimmel im Haus meist auf Dauerlüften oder Baumängel zurück. Ein Hygrometer zeigt die relative Luftfeuchtigkeit, auf Dauer sollte sie nicht mehr als 65 bis 70 Prozent betragen. Sind es direkt an der Wand mehr als 80 Prozent, empfiehlt das Amt als Sofortmaßnahme mehrmals täglich kurzes Stoßlüften. Wer einen Keller nutzen will, misst deshalb zuerst und beobachtet die Werte über mehrere Wochen. Folgende Punkte gehören zur Prüfung:
- Feuchteflecken, abblätternde Farbe oder muffiger Geruch an Wänden, Decke und Boden,
- Kondenswasser an kalten Wänden oder Leitungen,
- die Möglichkeit, den Raum kurz und kräftig zu lüften.
Das Umweltbundesamt rät, entdeckten Schimmel besser von Fachleuten beseitigen zu lassen. Mit Schimmel in Innenräumen sind nach dem Amt allergische Reaktionen wie Asthma und Schleimhautreizungen möglich. Einen Überblick geben die Artikel zur Luftfeuchte und zum Erkennen von Schimmel.
Wer hat Zugang zum Keller?
Nach § 10 KCanG sind Cannabis und Vermehrungsmaterial am Wohnsitz durch geeignete Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen vor dem Zugriff durch Dritte, insbesondere Kinder und Jugendliche, zu schützen. Ein Keller mit Zugang für mehrere Parteien lässt sich nur schwer so sichern. Überlege, wer alles Zugang hat, wie die Tür verschlossen wird und wer Schlüssel besitzt. Eine Sicherung, die nur funktioniert, solange du anwesend bist, schützt im Alltag wenig. Hinweise findest du in den Artikeln zur Zugangskontrolle und zum Schutz von Kindern.
Was sagen Mietvertrag und Hausordnung?
Ob du den Kellerraum für etwas anderes als bisher nutzen darfst, steht im Mietvertrag und in der Hausordnung. Frage im Zweifel den Vermieter schriftlich und halte die Antwort fest. Der Mieterverein berät dich zum Vertrag. Einen Überblick gibt der Artikel zur Zustimmung des Vermieters. Gerichte entscheiden jeweils nach dem Einzelfall.
Welche Brandschutzregeln gelten im Keller?
Das Innenministerium Baden-Württemberg weist darauf hin, dass Treppenräume auch Rettungswege sind. Kartonagen, Müllbehälter, Kleidersäcke, Kinderwagen und andere brennbare Materialien dürfen dort nicht gelagert werden. Die Türen zwischen Treppenraum und Kellerräumen sollen stets geschlossen sein, damit sich bei einem Brand im Keller kein Rauch im Treppenraum ausbreitet. Nach dem Ministerium gehören in jede Wohnung Rauchwarnmelder. Für Niedersachsen beschreibt das Hausjournal, dass seit dem 1. Januar 2016 Bestandswohnungen Rauchwarnmelder in Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren haben müssen, die als Rettungswege dienen. Die Installation liegt beim Eigentümer. Ob ein Kellerraum darunter fällt, klärst du mit Vermieter oder Hausverwaltung. Das Verhalten im Brandfall beschreibt der Artikel Verhalten bei einem Brand.
Welche Elektrik ist im Keller zu beachten?
Ein Fachverlag für Brandschutz nennt als häufigste Ursachen von Elektrobränden beschädigte Isolierungen, schlechte Kontakte und Überlastungen an Leitungen und Anschlüssen. Er rät zur regelmäßigen Überprüfung der Elektroinstallation durch eine Elektrofachkraft. Fragen zu Leitungen und Steckdosen im Keller gehören deshalb in die Hand einer Elektrofachkraft und in die Abstimmung mit dem Vermieter. Eigene Eingriffe in die Installation nimmst du nicht vor.
Welche Absprachen brauchst du im Gemeinschaftskeller?
Wird der Keller von mehreren Parteien genutzt, sind klare Absprachen wichtig. Wer hat Schlüssel, wer reinigt und wer lüftet? Klärt das schriftlich, bevor du den Raum nutzt. Die Hausverwaltung kann die Regeln für alle Beteiligten festhalten.
Wie entscheidest du in Ruhe?
Gehe in drei Schritten vor. Zuerst liest du Mietvertrag und Hausordnung. Dann beobachtest du die Feuchte über einige Wochen. Schließlich planst du die Sicherung nach § 10 KCanG. Bleibt eine Frage offen, ist der Mieterverein oder eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt der richtige Ansprechpartner. Eine gründliche Prüfung kostet weniger Ärger als eine vorschnelle Entscheidung.
Wie prüfst du Rauchwarnmelder und Fluchtweg?
Das Hausjournal beschreibt für Rauchwarnmelder: Funktionsprüfung mindestens einmal jährlich mit der Prüftaste, Raucheintrittsöffnungen frei von Staub halten, Batteriewechsel nach Herstellerangabe und Austausch spätestens nach zehn Jahren. Melder gehören an die Decke, in die Raummitte oder mindestens 50 Zentimeter von Wänden entfernt. Nach dem Hausjournal müssen Bewohner und Mieter die Wartung sicherstellen, wenn der Eigentümer sie nicht selbst übernimmt. Kläre das im Mietvertrag oder mit dem Vermieter. Halte außerdem den Weg vom Keller bis ins Freie frei.
Was du jetzt tun kannst
- Lies Mietvertrag, Hausordnung und gegebenenfalls Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft.
- Messe die Luftfeuchte im Keller über mehrere Wochen.
- Prüfe Zugang, Schlüssel und Schloss.
- Kläre Fluchtweg, Treppenraum und Rauchwarnmelder mit Vermieter oder Hausverwaltung.
Ein Kellerraum kommt nur in Frage, wenn Wohnsitz, Feuchte, Sicherung und Mietvertrag zusammenpassen. Zu Feuchte und Wasser findest du außerdem Hinweise im Artikel Wasserschäden vorbeugen und zum Gespräch mit dem Eigentümer im Artikel Gespräch mit dem Vermieter.
Häufige Fragen
Darf ich einen Kellerraum für den Eigenanbau nutzen?
Rechtlich ist der private Eigenanbau nach § 9 KCanG am Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt erlaubt, ob dazu ein Kellerabteil zählt, hängt vom Einzelfall ab. Zusätzlich entscheiden Mietvertrag und Hausordnung über die Nutzung. Frage den Vermieter schriftlich und lass dich im Zweifel beraten.
Welche Luftfeuchte ist im Keller ein Richtwert?
Das Umweltbundesamt nennt für die Wohnung auf Dauer höchstens 65 bis 70 Prozent relative Luftfeuchte am Hygrometer. Direkt an der Wand sind mehr als 80 Prozent ein Anlass für mehrmals tägliches kurzes Stoßlüften. Schimmel beseitigen besser Fachleute.
Wie sichere ich einen Kellerraum mit Gemeinschaftszugang?
Nach § 10 KCanG sind Cannabis und Vermehrungsmaterial durch geeignete Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen vor dem Zugriff Dritter, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, zu schützen. Prüfe, wer Zugang hat, wie die Tür verschlossen wird und wer Schlüssel besitzt. Die Hausverwaltung hilft bei Schlössern und Absprachen.