Welche Luftfeuchte ist in der Wohnung unkritisch?
Als Richtwert für die Dauer nennt das Umweltbundesamt eine Luftfeuchte von höchstens 65 bis 70 Prozent in der Wohnung. Der Wert ist ein Anhaltspunkt, an dem du dich orientieren kannst, und er entscheidet nicht über alles. Wer misst, erkennt Feuchte früh und kann rechtzeitig lüften oder einen Fachbetrieb hinzuziehen. Dieser Ratgeber erklärt, wie du misst, was die Werte bedeuten und wo die Grenzen einer einfachen Messung liegen.
Warum die Messung sinnvoll ist
Feuchte ist unsichtbar, bevor sie Flecken, Geruch oder Schimmel verursacht. Ein Messgerät zeigt die Entwicklung in der Raumluft und hilft, Ursachen zu finden. Das ist besonders wichtig in Räumen mit viel Wasserdampf, etwa Bad und Küche, aber auch in Anbauräumen. Eine einmalige Messung reicht selten, denn Feuchte schwankt mit Wetter, Heizen und Lüften.
Was ein Hygrometer kann
Ein Hygrometer misst die relative Luftfeuchte in Prozent. Einfache Geräte sind für den Hausgebrauch geeignet. Wähle ein Gerät mit gut lesbarer Anzeige und prüfe, ob es sich leicht aufstellen lässt. Eine Kalibrierung ist für den Alltag selten nötig, aber ein Vergleich mit einem zweiten Gerät zeigt, ob die Anzeige plausibel ist.
- Gerät an einer Außenwand, aber nicht direkt auf der Wand aufstellen
- Zusätzlich in der Raummitte messen und die Werte vergleichen
- Messungen am selben Tag zu festen Zeiten wiederholen
Die Richtwerte richtig lesen
Das Umweltbundesamt empfiehlt, die Anzeige auf Dauer nicht über 65 bis 70 Prozent steigen zu lassen. Liegt die Feuchte direkt an der Wand über 80 Prozent, gilt mehrmals tägliches kurzes Stoßlüften als Sofortmaßnahme. Die Werte zeigen, wo du stehst, aber sie ersetzen nicht die Suche nach der Ursache. Ein Wert über dem Richtwert ist ein Auftrag, die Ursache zu finden.
Wo du messen solltest
Die Messung an einer Außenwand zeigt, wie sich Feuchte an kalten Stellen verhält. Das Umweltbundesamt nennt die Kondensation der Luftfeuchte an kalten Wänden, etwa durch Wärmebrücken, unzureichende Wärmedämmung oder unsachgemäßes Heizen, als eine Ursache erhöhter Feuchte. Die Messung in der Raummitte zeigt das allgemeine Klima. Wenn beide Werte deutlich auseinanderliegen, ist eine kalte Stelle oder eine schlechte Lüftung wahrscheinlich. Notiere Ort und Zeitpunkt jeder Messung, damit du die Werte vergleichen kannst.
Typische Messfehler
Ein Gerät direkt neben einer Heizung oder in der Sonne zeigt verzerrte Werte. Nach dem Duschen oder Kochen steigt die Feuchte kurz stark an und sinkt dann wieder, deshalb sind Einzelwerte wenig aussagekräftig. Miss lieber über mehrere Tage zu festen Zeiten, dann erkennst du Muster. Auch ein Gerät, das nie kalibriert wurde, kann falsche Werte zeigen.
Wenn die Werte dauerhaft hoch sind
Liegt die Luftfeuchte dauerhaft über dem Richtwert, suchst du zuerst nach den Ursachen im Alltag: Lüftungsverhalten, Wäschetrocknen, Duschen und Kochen. Bleibt der Wert hoch, obwohl du lüftest, liegt die Ursache oft in der Bausubstanz. Dann prüft ein Fachbetrieb Wände, Fenster und Anschlüsse. Melde den Befund der Hausverwaltung oder dem Vermieter, denn an der Bausubstanz hast du oft keine Entscheidungsbefugnis.
Zusätzliche Feuchtequellen im Raum
Wo zusätzlich Wasserdampf entsteht, etwa durch Wäschetrocknen, Wasserbehälter oder viele Zimmerpflanzen, kann die Feuchte steigen. Eine regelmäßige Messung zeigt, ob die Lüftung ausreicht. Wasser und Elektrik gehören außerdem getrennt. Der Beitrag zu Brandschutz beim Eigenanbau erklärt die Grundlagen.
Werte über mehrere Wochen auswerten
Einzelne Messungen zeigen nur den Augenblick. Erst eine Reihe von Werten zeigt, ob die Feuchte dauerhaft hoch ist. Lege eine einfache Tabelle an mit Datum, Uhrzeit, Ort und Wert. Achte auf Muster: Steigt die Feuchte nach dem Duschen, nachts oder bei Regenwetter? Diese Muster helfen, die passende Lüftungsroutine zu finden und einen Fachbetrieb gezielt zu informieren.
Vergleiche die Werte jeweils mit dem Richtwert des Umweltbundesamts. Liegen sie im Bereich von 65 bis 70 Prozent, reicht meist die bisherige Routine. Liegen sie darüber, verändere die Lüftung und miss erneut, bevor du weitere Schritte planst.
Woher erhöhte Feuchte kommen kann
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Schimmelpilzsporen in Innenräumen immer vorhanden sind und nur dann wachsen, wenn sie auf eine feuchte Oberfläche treffen. Als Ursachen erhöhter Feuchte nennt es unter anderem defekte Dächer, Risse im Mauerwerk, aufsteigende Feuchte, unzureichendes Austrocknen nach Baumaßnahmen, Wasserschäden, zu wenig Lüftung und die Kondensation an kalten Wänden. Ein Hygrometer zeigt nur die Luftfeuchte. Ob eine bauliche Ursache vorliegt, klärt ein Fachbetrieb.
Neue Fenster und dichte Gebäude
Nach dem Umweltbundesamt müssen Bewohner bei einer energetischen Sanierung mit dicht schließenden Fenstern verstärkt lüften, um die Feuchte im Raum und damit die Schimmelgefahr zu verringern. Wenn sich die Bausubstanz ändert, lohnt es sich deshalb, die Messung zu wiederholen und die Lüftungsroutine anzupassen.
Was du jetzt tun kannst
- Besorge ein einfaches Hygrometer und stelle es an eine Außenwand.
- Miss über mehrere Tage zu festen Zeiten und notiere die Werte.
- Lüfte kurz und kräftig, wenn die Werte über dem Richtwert liegen.
- Lass bei dauerhaft hohen Werten die Bausubstanz von einem Fachbetrieb prüfen.
Die Luftfeuchte ist ein gutes Frühwarnsystem für Schimmel. Mehr zur Vorbeugung steht im Beitrag zu Schimmel bei feuchter Raumluft, und die Erkennung von Schimmel erklärt der Beitrag zu Schimmel in der Wohnung.
Häufige Fragen
Welche Luftfeuchte gilt in der Wohnung als Richtwert?
Das Umweltbundesamt nennt als Richtwert für die Dauer nicht mehr als 65 bis 70 Prozent. Der Wert ist ein Anhaltspunkt für die Lüftung und die Suche nach Ursachen, er ersetzt keine Untersuchung der Bausubstanz.
Wo sollte man die Luftfeuchte messen?
Miss an einer Außenwand, weil dort Feuchte am ehesten kondensiert, und zusätzlich in der Raummitte. Stelle das Gerät nicht direkt auf die Wand und nicht neben eine Heizung.
Was tun, wenn die Wandfeuchte über 80 Prozent liegt?
Das Umweltbundesamt empfiehlt als Sofortmaßnahme mehrmals täglich kurzes Stoßlüften. Halte die Werte im Blick und lass die Ursache von einem Fachbetrieb prüfen, wenn die Werte bleiben.