Wie viele Erwachsene konsumieren Cannabis?
Nach dem Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA) haben 2024 etwa 9,7 Prozent der 18- bis 64-Jährigen in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumiert. Diese Zahl nennt das Datenportal Sucht und Drogen des Bundesdrogenbeauftragten (Abruf 2026). 2021 lag der Wert bei 8,8 Prozent, 2012 bei 4,5 Prozent. Andere Befragungen können abweichen, weil Stichprobe, Zeitraum und Fragebogen verschieden sind. Eine Prozentzahl ohne Angabe der Methode sagt deshalb wenig.
Was eine Konsumstudie misst
Die meisten Erhebungen fragen Personen direkt nach ihrem Konsum. Gemessen wird dabei fast immer die Selbstauskunft, also das, was Menschen angeben. Das hat Folgen:
- Wer Konsum verschweigt, taucht in der Statistik nicht auf.
- Die Frage nach dem letzten Monat liefert andere Werte als die Frage nach den letzten zwölf Monaten.
- Online-Befragungen erreichen andere Gruppen als Befragungen am Telefon oder auf Papier.
Warum die Zahlen schwanken können
Eine Stichprobe bildet nur einen Teil der Bevölkerung ab. Seriöse Studien geben deshalb eine Schwankungsbreite an. Liegen zwei Ergebnisse innerhalb dieser Breite, ist ein Unterschied nicht sicher belegt. Wer Zahlen aus verschiedenen Jahren vergleicht, sollte außerdem prüfen, ob sich die Fragen geändert haben. Sonst vergleicht man Unvergleichbares.
Die Zahlen des Suchtsurveys
Das Datenportal nennt für 2024 auch Unterschiede nach Geschlecht: 12,3 Prozent der Männer und 7,0 Prozent der Frauen haben in den letzten zwölf Monaten konsumiert. Knapp 32 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren haben nach der Seite mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert. Das ist die Lebenszeitprävalenz und nicht dasselbe wie der Konsum im letzten Jahr. Meldungen aus Fachportalen zu einzelnen Studien taugen als Einstieg, belegen aber allein nichts.
Konsum und Abhängigkeit
Viele Befragungen fragen auch nach Problemen. Das BIÖG nennt, dass ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig wird. Der ESA 2024 weist nach dem Datenportal für etwa 1 Prozent der Befragten eine Cannabisabhängigkeit nach DSM-IV aus. Beide Zahlen haben unterschiedliche Bezugsgruppen und lassen sich nicht direkt gleichsetzen. Eine Konsumquote sagt allein nichts über die Schwere der Folgen. Mehr dazu im Artikel Wie viele Konsumierende werden abhängig?.
Was eine Schwankungsbreite bedeutet
Eine Schwankungsbreite zeigt, wie stark ein Ergebnis durch Zufall verändert sein kann. Liegt ein Wert innerhalb dieser Spanne, ist ein Unterschied zum Vorjahr nicht sicher belegt. Viele Presseberichte nennen nur den Mittelwert und lassen die Spanne weg. Dann wirkt eine kleine Veränderung schnell wie ein Trend, obwohl sie innerhalb der Schwankung liegt.
Welche Angaben ein seriöser Bericht enthält
- Auftraggeber und Durchführende der Studie
- Erhebungszeitraum und Erhebungsart
- Größe und Zusammensetzung der Stichprobe
- Die Fragen, mit denen der Konsum erfasst wurde
- Angabe zur Schwankungsbreite
Fehlt eine dieser Angaben, bleibt die Zahl ohne Nachweis. Das gilt für Zahlen aus Fachportalen ebenso wie für Schlagzeilen.
Warum Vergleiche über Jahre heikel sind
Wer eine Entwicklung über mehrere Jahre beschreibt, muss prüfen, ob die Erhebung gleich geblieben ist. Schon eine geänderte Frage, eine neue Altersgrenze oder ein anderes Erhebungsinstrument kann Ergebnisse verschieben. Viele scheinbare Trends sind Folgen veränderter Methoden. Ein sauberer Vergleich nennt deshalb immer, welche Punkte gleich geblieben sind.
Auch die Auswahl der Vergleichsgruppen zählt. Ein Vergleich zwischen Jugendlichen und Erwachsenen ist etwas anderes als ein Vergleich zwischen Städten und Land. Wer solche Unterschiede nicht trennt, zieht schnell falsche Schlüsse.
Begriffe, die in Studien oft auftauchen
- Prävalenz: der Anteil von Menschen in einer Gruppe, die in einem Zeitraum konsumiert haben.
- Lebenszeitprävalenz: der Anteil, der jemals konsumiert hat.
- 12-Monats-Prävalenz: der Anteil, der in den vergangenen zwölf Monaten konsumiert hat.
- Stichprobe: die befragte Auswahl, die die Bevölkerung abbilden soll.
Diese Begriffe sind nicht austauschbar. Eine Lebenszeitangabe fällt deutlich höher aus als eine Angabe für die letzten zwölf Monate. Beide Werte sagen über die Häufigkeit wenig, solange man nicht weiß, welcher Wert genannt wird.
Warum Konsum schwer zu messen ist
Konsum ist ein privates Verhalten, und viele Menschen beantworten Fragen dazu zurückhaltend. Das gilt besonders, wenn Konsum verboten war oder Nachteile befürchtet werden. Befragungen versuchen deshalb, die Antworten anonym einzuholen und Vertrauen aufzubauen. Trotzdem bleibt ein Teil des Konsums unentdeckt. Eine Studie liefert daher eine Annäherung, die tendenziell zu niedrig ausfallen kann.
Was du selbst prüfen kannst
Wer eine Zahl weitergeben will, kann in wenigen Minuten die wichtigsten Punkte prüfen. Der Bericht sollte selbst veröffentlicht sein und nicht nur als Zitat in einer Meldung auftauchen. Dort stehen die Methodik, die Stichprobe und oft Angaben zur Schwankungsbreite, also zu der Spanne, in der der wahre Wert vermutlich liegt. Fehlt der Bericht, bleibt die Zahl unbelegt.
Wo du verlässliche Zahlen findest
Das Datenportal Sucht und Drogen des Bundesdrogenbeauftragten bündelt Zahlen zu Cannabis, mit Angaben zu Quellen und Erhebungszeiträumen. Schau dort nach dem aktuellen Stand, bevor du Zahlen weitergibst. Ergänzend lohnt sich der Blick auf Befragungen nach Altersgruppen, etwa im Beitrag Wie unterscheiden sich Konsumzahlen nach Altersgruppen?. Wer Zahlen liest, sollte trotzdem auf Prävention achten. Risiken kennt man auch dann, wenn viele andere konsumieren. Hilfe bei Fragen zum eigenen Konsum bietet die Übersicht Hilfe und Beratung.
Häufige Fragen
Wie viele Erwachsene konsumieren Cannabis in Deutschland?
Nach dem Epidemiologischen Suchtsurvey haben 2024 etwa 9,7 Prozent der 18- bis 64-Jährigen in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumiert (Datenportal des Bundesdrogenbeauftragten). Andere Befragungen können je nach Stichprobe, Zeitraum und Fragebogen abweichen.
Sind Befragungszahlen zuverlässig?
Befragungen sind eine gute Annäherung, aber keine exakte Messung. Viele Menschen geben ihren Konsum nicht vollständig an, und Stichproben bilden nur einen Teil der Bevölkerung ab. Seriöse Studien nennen deshalb eine Schwankungsbreite und ihre Methode.
Wo finde ich aktuelle Suchtzahlen?
Das Datenportal Sucht und Drogen des Bundesdrogenbeauftragten bündelt Zahlen zu Cannabis. Dort findest du Quellen, Erhebungszeiträume und Vergleiche. Achte bei Presseberichten auf den Originalbericht, bevor du eine Zahl weitergibst.