Wo finde ich aktuelle Suchtzahlen?
Aktuelle Suchtzahlen findest du im „Datenportal Sucht und Drogen“ des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen unter datenportal.bundesdrogenbeauftragter.de. Es führt Daten zu Verbreitung, Konsum, Behandlung und Markt von Drogen und Suchtmitteln zusammen, nach Angaben des Portals aufbereitet vom IFT Institut für Therapieforschung. Es bündelt die Zahlen aus anderen Erhebungen und ersetzt die Originalberichte nicht.
Welche Themen das Portal bietet
Die Startseite führt zu Themenseiten für Alkohol, Tabak, Medikamente, Cannabis, illegale Substanzen, Stimulanzien und Opioide. Die Themenseite Cannabis nennt am 27.10.2026 zum Beispiel, dass 9,7 Prozent der Erwachsenen und 6,1 Prozent der 12- bis 17-Jährigen in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert haben. Knapp 32 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren haben es mindestens einmal im Leben konsumiert. Solche Werte ändern sich mit jeder neuen Erhebung, rufe sie deshalb direkt im Portal ab.
Woher die Cannabis-Zahlen stammen
Das Portal nennt seine Datenquellen. Für Erwachsene ist es der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA). Er befragt deutschsprachige Personen zwischen 18 und 64 Jahren in Privathaushalten und findet seit 1997 alle drei Jahre statt. Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren sind es zwei Befragungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): der Alkoholsurvey und die Drogenaffinitätsstudie. Beide arbeiten mit computergestützten Telefoninterviews, die Stichprobe beträgt seit 2015 etwa 7.000 Personen.
Was die Cannabis-Seite zusätzlich zeigt
Neben den Konsumzahlen nennt die Seite Angaben zur Versorgung. Danach ist Cannabis bei stationären und ambulanten Behandlungsepisoden in der Suchthilfe nach Alkohol die zweithäufigste Hauptdiagnose, wenn es um den missbräuchlichen Konsum oder die Abhängigkeit von Cannabinoiden geht. Wegen akuter Vergiftungen mit Cannabinoiden wurden 2024 über 2.500 Fälle stationär im Krankenhaus behandelt. Das Portal weist auch darauf hin, dass die Seite nur den Konsum von THC-haltigem Cannabis als Rausch- oder Suchtmittel betrifft. Cannabis als Medikament, CBD-Produkte mit weniger als 0,2 Prozent THC und synthetische Cannabinoide deckt sie nicht ab.
Die beiden Zahlen von oben stammen also aus verschiedenen Erhebungen mit verschiedenen Altersgruppen. Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum du Zahlen nicht ungeprüft gegeneinander stellst.
So gehst du vor
- Themenseite Cannabis öffnen und die Datenquelle der Grafik oder Zahl notieren.
- Den Namen der Erhebung, den Herausgeber und das Erhebungsjahr festhalten.
- Die Altersgruppe und die Definition des Konsums prüfen, etwa Konsum in den letzten 12 Monaten oder mindestens einmal im Leben.
- Bei Bedarf den Originalbericht lesen, auf den das Portal verweist.
Begriffe richtig verstehen
Im Datenportal begegnen dir Begriffe wie 12-Monats-Prävalenz oder Lebenszeitprävalenz. Prävalenz beschreibt, wie viele Personen in einer Gruppe etwas innerhalb eines Zeitraums getan haben. Die Lebenszeitprävalenz meint, ob jemand es jemals getan hat, die 12-Monats-Prävalenz betrachtet nur das letzte Jahr. Diese Unterschiede sind im Wortlaut klein und in der Aussage groß.
Die Stichprobe bezeichnet die Personen, die tatsächlich befragt wurden, und nicht die gesamte Bevölkerung. Bei kleinen Gruppen schwanken die Ergebnisse stärker. Befragungen beruhen außerdem auf Selbstangaben und sind keine Messung im Labor.
Aktualität prüfen
Aktuell heißt nicht automatisch neu. Ein Bericht kann im Frühjahr erscheinen und Daten aus dem Vorjahr enthalten. Notiere deshalb neben dem Erscheinungsjahr auch den Erhebungszeitraum. Bei Zeitreihen lohnt der Blick auf mehrere Jahre, weil ein einzelner Wert zufällig höher oder niedriger ausfallen kann. Wenn sich die Methode einer Erhebung ändert, sind Jahre davor und danach nur eingeschränkt vergleichbar.
Typische Fehler beim Zitieren
Am häufigsten verwechseln Texte die Begriffe. Aus „schon einmal probiert“ wird „regelmäßig konsumiert“, und aus einer Altersgruppe von 12 bis 17 wird eine Aussage über alle Jugendlichen. Nenne bei jeder Zahl mindestens den Herausgeber, das Erhebungsjahr und die Altersgruppe, damit andere die Angabe nachprüfen können.
Was du jetzt tun kannst
Beginne mit dem Datenportal und wechsle dann zum Originalbericht. Lies den Methodenteil, bevor du die erste Zahl übernimmst. Für den Blick auf Altersgruppen hilft der Artikel zu den Konsumzahlen nach Altersgruppen, für Erhebungen unter Jugendlichen die Zahlen zum Jugendkonsum.
Wenn du wissen willst, was das Gesetz selbst regelt, lies zuerst den Wortlaut des KCanG. Zahlen aus Befragungen beschreiben das Verhalten von Menschen, der Gesetzestext beschreibt die Regeln. Einen Überblick über alle Themen bietet der Bereich Politik und Forschung.
Häufige Fragen
Was ist das Datenportal Sucht und Drogen?
Das Datenportal des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen führt Daten zu Verbreitung, Konsum, Behandlung und Markt von Suchtmitteln zusammen, auch zu Cannabis. Es ist ein Einstieg für die Recherche und ersetzt die Originalberichte nicht.
Kann ich Zahlen aus dem Datenportal in eigenen Texten nutzen?
Nenne dazu die Quelle: den Namen der Erhebung, den Herausgeber, das Jahr und die Altersgruppe. Formuliere die Zahl so, wie sie im Bericht gemeint ist, und übernimm keine anderen Begriffe. So bleibt die Aussage nachprüfbar.
Warum passen Zahlen aus verschiedenen Studien nicht zusammen?
Jede Erhebung fragt anders, befragt andere Gruppen und zählt Zeiträume unterschiedlich. Eine Zahl zum Probieren und eine Zahl zum aktuellen Konsum messen verschiedene Dinge. Wer solche Werte direkt gegeneinander stellt, erhält ein scheinbares Ergebnis. Vergleichbar sind nur Erhebungen mit gleicher Frage und gleicher Gruppe.