Wie unterscheiden sich Konsumzahlen nach Altersgruppen?
Konsumzahlen unterscheiden sich nach Altersgruppen, aber eine einheitliche Tabelle mit allen Gruppen gibt es in den hier gelesenen Quellen nicht. Der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA) erfasst laut DIW-Wochenbericht 13/2026 nur Personen von 18 bis 64 Jahren. Dort stieg der Anteil mit Cannabiskonsum in den letzten zwölf Monaten von 4,5 Prozent im Jahr 2012 auf 9,8 Prozent im Jahr 2024. Für Jugendliche schreibt der Forschungsverbund EKOCAN, der sinkende Trend im Anteil konsumierender Jugendlicher setze sich nach der Teillegalisierung fort. Das sind Ergebnisse verschiedener Befragungen. Ihre Höhe lässt sich nicht gegeneinander ausspielen, nur ihre Richtung ist beschreibbar.
Warum die Zahlen nicht direkt vergleichbar sind
Wer Zahlen für Jugendliche, Heranwachsende und Erwachsene gegenüberstellen will, braucht dieselbe Vergleichsbasis. Sonst entsteht ein verzerrtes Bild. Die Altersgruppen müssen außerdem zu den rechtlichen Grenzen passen, denn Gesetz und Befragung zählen nicht immer gleich.
Welche Altersgruppen sind üblich?
Zahlen werden meist für Jugendliche unter 18 Jahren, für junge Erwachsene und für Erwachsene ab einem bestimmten Alter angegeben. Die genauen Grenzen unterscheiden sich von Erhebung zu Erhebung. Manche Berichte fassen 14 bis 17 Jahre zusammen, andere 16 bis 25 Jahre. Solche Unterschiede wirken klein, verändern aber das Ergebnis, weil sich Konsummuster mit dem Alter stark verändern.
Im Recht gibt es eine feste Einteilung. Personen ab 18 Jahren dürfen Cannabis in den gesetzlichen Mengen besitzen (§ 3 KCanG). Heranwachsende sind nach § 1 Nr. 20 KCanG Personen von 18 bis unter 21 Jahren. Für die Weitergabe innerhalb einer Anbauvereinigung gelten für Mitglieder ab 21 Jahren andere Mengen als für Heranwachsende. Diese Altersgrenzen sind Regeln, keine Konsumzahlen. Sie helfen aber beim Einordnen, wenn in einem Bericht von Heranwachsenden die Rede ist.
Warum Altersgruppen nicht direkt vergleichbar sind
Jugendliche und Erwachsene leben in unterschiedlichen Situationen. Jugendliche gehen zur Schule oder machen eine Ausbildung, Erwachsene haben oft eigene Haushalte und andere Verpflichtungen. Diese Unterschiede beeinflussen, wie häufig konsumiert wird und wer davon erfährt. Eine Befragung in Schulen erreicht daher ganz andere Menschen als eine Befragung von Haushalten.
Eine Vergleichsbasis aufbauen
Wenn du zwei Altersgruppen gegenüberstellst, halte fünf Punkte fest. Erst dann ist der Vergleich sauber.
- Die Altersspanne jeder Gruppe, genau so wie sie im Bericht steht.
- Der Zeitraum, auf den sich die Frage zum Konsum bezieht.
- Die Frageform, also Probieren, aktueller Konsum oder Häufigkeit.
- Die Erhebungsart, etwa Schule, Haushalt oder Online.
- Das Erhebungsjahr beider Gruppen.
Stimmen zwei dieser Punkte nicht überein, sollte der Vergleich im Text ausdrücklich eingeschränkt werden. Eine Tabelle hilft, die Unterschiede sichtbar zu machen, ohne die Zahlen zu verschieben.
| Merkmal | Gruppe A | Gruppe B |
|---|---|---|
| Altersspanne | Im Bericht genau notieren | Im Bericht genau notieren |
| Zeitraum der Frage | Gleich wählen | Gleich wählen |
| Erhebungsart | Schule oder Haushalt | Schule oder Haushalt |
Die Tabelle zeigt das Prinzip, nicht konkrete Werte. Ersetze die Platzhalter immer durch die Angaben aus dem jeweiligen Bericht.
Typische Fehlschlüsse
Der häufigste Fehlschluss lautet: Die Gruppe mit der höchsten Zahl ist die gefährdetste. Das stimmt nicht zwingend, denn eine Gruppe kann höhere Werte bei Probieren haben und niedrigere bei häufigem Konsum. Auch der Schluss von einer Altersgruppe auf alle Menschen dieses Alters ist riskant, weil Befragte nicht zufällig aus der ganzen Bevölkerung kommen.
Ein erfundenes Beispiel macht das deutlich: Gruppe A hat in einer Schulbefragung höhere Werte beim Probieren als Gruppe B aus einer Haushaltsbefragung. Daraus folgt nicht, dass Gruppe A häufiger konsumiert. Es folgt nur, dass zwei verschiedene Fragen an zwei verschiedene Gruppen gestellt wurden.
Warum Prävention auf Altersgruppen achtet
Altersgruppen sind für die Prävention wichtig, weil sich die Risiken unterscheiden. Nach Angaben der Cannabisprävention der BIÖG befindet sich das junge Gehirn in einer wichtigen Entwicklungsphase. Deshalb richten sich viele Angebote gezielt an Jugendliche, während Angebote für Erwachsene andere Schwerpunkte setzen, etwa Konsum mit Bedacht und Umgang mit Mischkonsum.
Auch für Eltern und Fachkräfte helfen Altersgruppen beim Einordnen. Wer weiß, dass Befragungen unter Jugendlichen anders aufgebaut sind als Erhebungen unter Erwachsenen, stellt die eigenen Fragen präziser. Das gilt besonders dann, wenn ein Gespräch über Konsum ansteht.
Wie Altersgruppen gebildet werden
Die Einteilung in Altersgruppen ist eine Entscheidung der Autorinnen und Autoren. Sie orientiert sich oft an Schulstufen, Lebensphasen oder rechtlichen Grenzen. Manche Berichte nutzen gleichmäßige Schritte, andere fassen junge Erwachsene großzügig zusammen. Jede Einteilung hat Vor- und Nachteile, und keine ist die einzig richtige.
Für den Vergleich ist wichtig, dass die Einteilung über die Jahre gleich bleibt. Ändert ein Bericht die Altersgruppen, kann eine scheinbare Veränderung nur ein Effekt der neuen Grenzen sein. Prüfe deshalb, ob die Definition im Zeitvergleich stabil ist.
Junge Erwachsene im Blick
Junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren sind in vielen Berichten schwer zu greifen. Sie leben teils noch bei den Eltern, teils schon allein, teils in Ausbildung oder Studium. Befragungen erreichen sie oft über andere Wege als Schulklassen. Die Zahlen für diese Gruppe sind deshalb manchmal weniger verlässlich, und das sollte im Text stehen.
Wer über Heranwachsende schreibt, sollte außerdem die rechtliche Definition nennen. Heranwachsende sind 18 bis unter 21 Jahre alt. Diese Gruppe liegt quer zu den üblichen Altersklassen, und Zahlen aus Befragungen passen selten genau dorthin.
Gesundheitliche Bedeutung der Altersgruppe
Die Altersfrage ist nicht nur statistisch wichtig. Die Risiken unterscheiden sich, weil Körper und Gehirn sich in den verschiedenen Lebensphasen anders entwickeln. Die BIÖG weist darauf hin, dass das junge Gehirn sich in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet. Frühe Konsumzahlen sollten deshalb besonders aufmerksam gelesen werden.
Gleichzeitig gilt: Ein höheres Risiko für eine Gruppe heißt nicht, dass jede Person aus dieser Gruppe betroffen ist. Der Gruppenwert beschreibt eine Tendenz, keine Aussage über den Einzelfall.
Was Fachkräfte mit Altersgruppen anfangen
In Schulen, Beratungsstellen und der Jugendarbeit helfen Altersgruppen dabei, Angebote passend zu planen. Eine Gruppe, bei der das Probieren im Vordergrund steht, braucht andere Gespräche als eine Gruppe, die regelmäßig konsumiert. Die Zahlen aus den Berichten bieten dafür eine Orientierung, ersetzen aber nicht die Kenntnis der eigenen Zielgruppe.
Wer mit Zahlen arbeitet, verbindet die Altersgruppe deshalb mit dem Angebot, das daraus folgt, und nicht nur mit der Zahl allein.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du Altersgruppen vergleichen willst, beginne mit dem Bericht, der beide Gruppen erfasst, und nicht mit zwei verschiedenen Studien. Lies die Altersdefinitionen, notiere die Zeiträume und prüfe, ob die Frageform gleich ist. Erst danach formulierst du eine Aussage, und du schreibst sie so, wie es die Daten erlauben.
Wer Zahlen zu Jugendlichen sucht, findet im Artikel zu den Zahlen zum Jugendkonsum einen Einstieg. Für Zahlen aus dem Portal der Drogenbeauftragten lohnt sich der Blick in das Datenportal. Hilfe bei Sorgen um einen Menschen bietet die Beratung vor Ort, Hinweise dazu stehen im Jugendschutz-Bereich.
Häufige Fragen
Warum unterscheiden sich Konsumzahlen nach Altersgruppen so stark?
Jugendliche und Erwachsene leben in unterschiedlichen Situationen, haben andere Verpflichtungen und werden über andere Wege befragt. Außerdem verändern sich Konsummuster mit dem Alter. Deshalb ist ein Unterschied in den Zahlen allein kein Beleg für ein Problem. Entscheidend ist, ob Frage, Zeitraum und Befragungsart gleich waren.
Welche Altersgrenzen gelten rechtlich?
Personen ab 18 Jahren dürfen Cannabis in den gesetzlichen Mengen besitzen (§ 3 KCanG). Heranwachsende sind 18 bis unter 21 Jahre alt (§ 1 Nr. 20 KCanG). Bei der Weitergabe in einer Anbauvereinigung gelten für Mitglieder ab 21 Jahren andere Mengen als für Heranwachsende (§ 19 Abs. 3 KCanG).
Kann ich aus einer Altersgruppe auf alle Menschen dieses Alters schließen?
Nein, nicht ohne Weiteres. Befragte werden nicht zufällig aus der gesamten Bevölkerung ausgewählt, und die Erhebung erreicht nicht jede Person. Ein Ergebnis gilt für die befragte Gruppe. Wer darüber hinaus schließen will, sollte die Auswahl der Befragten und die Rücklaufquote im Bericht prüfen.