Wie viele Konsumierende werden abhängig?
Ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, wird abhängig. Diesen Wert nennt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Abhängigkeit bedeutet, dass der Konsum trotz negativer Folgen weiterläuft und sich nicht mehr steuern lässt. Die Zahl sagt nichts darüber aus, ob du selbst betroffen bist. Sie zeigt aber, dass Cannabiskonsum Folgen haben kann, die über den Rausch hinausgehen.
Was psychische Abhängigkeit bedeutet
Die Fachseite drugcom beschreibt, dass sich bei dauerhaftem Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln kann. Die psychische Abhängigkeit zeigt sich nach Suchtschweiz vor allem in einem starken Verlangen, Cannabis zu konsumieren. Typische Anzeichen sind unter anderem:
- Menge oder Häufigkeit lassen sich nicht mehr steuern
- Der Konsum läuft weiter, obwohl Schule, Arbeit oder Beziehungen darunter leiden
- Der Gedanke an Cannabis bestimmt den Tag, und andere Interessen treten in den Hintergrund
- Der Versuch, weniger zu konsumieren, misslingt wiederholt
Entzug und Anzeichen beim Absetzen
Nach drugcom treten Entzugssymptome meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum auf. Zu den genannten Symptomen zählen Schlafprobleme und wirre Träume. Sie sind je nach Person sehr unterschiedlich ausgeprägt. Laut drugcom dauern sie in der Regel bis zu einer Woche, im Höchstfall bis zu 14 Tage. Eine andere drugcom-Seite nennt drei bis vier Wochen, bis der Entzug weitgehend überstanden ist. Die Angaben weichen also voneinander ab, und wie lange es bei dir dauert, lässt sich nicht vorhersagen. Wer aufhören will und merkt, dass es allein nicht geht, sollte sich beraten lassen. Bei starken Beschwerden ist die Hausarztpraxis eine Anlaufstelle.
Warum früher Einstieg das Risiko erhöht
Drugcom beschreibt, dass ein früher Einstieg in den Konsum nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge hat. Das Gehirn entwickelt sich bis ins junge Erwachsenenalter weiter. In dieser Phase kann Cannabis die Lernfähigkeit stärker beeinträchtigen. Mehr zu den Mechanismen erklärt der Beitrag Schadet früher Cannabiskonsum dem Gedächtnis?.
Wann spricht man von Abhängigkeit?
Nach drugcom liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens zwei von mehreren Merkmalen innerhalb von zwölf Monaten zutreffen. Zu den Merkmalen zählen Kontrollverlust und ein starkes Verlangen. Entscheidend ist, ob der Konsum bereits negative Folgen nach sich gezogen hat. Problematischer Konsum fängt laut drugcom meist schon früher an, bevor es zur Abhängigkeit kommt.
Die Zahl von einer von acht Personen ist deshalb ein Durchschnittswert für eine große Gruppe. Wie genau gezählt wird, hängt davon ab, welche Merkmale eine Untersuchung zugrunde legt. Auf eine einzelne Person lässt sich der Wert nicht übertragen.
Menge und Häufigkeit sagen wenig über Abhängigkeit
Viele Menschen denken, es komme vor allem darauf an, wie viel und wie oft jemand konsumiert. Drugcom sieht das anders: Weder die Menge noch die Häufigkeit des Konsums spielen bei der Frage der Abhängigkeit eine entscheidende Rolle. Maßgeblich sind die Folgen. Wer also trotz Problemen weiterkonsumiert oder den Konsum nicht mehr steuern kann, sollte das ernst nehmen, auch wenn er nur selten konsumiert. Eine sichere Vorhersage für den Einzelfall gibt es nicht.
Was der Anteil für dich bedeutet
Der Anteil beschreibt eine Gesamtheit, nicht den einzelnen Menschen. Ob jemand in diese Gruppe fällt, zeigt sich am Verhalten und an den Folgen im Alltag, nicht an einer Statistik. Wer sich fragt, ob der eigene Konsum noch im Griff ist, kann sich an drei Fragen orientieren: Konsumiere ich mehr als geplant? Gibt es Streit oder Probleme wegen Cannabis? Habe ich Hobbys oder Kontakte aufgegeben? Bei mindestens einer Frage mit Ja lohnt ein Gespräch mit einer Beratungsstelle.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Es gibt keinen festen Schwellenwert, ab dem Hilfe nötig ist. Wenn du merkst, dass du den Konsum nicht mehr planen kannst, dass er Beziehungen, Ausbildung oder Gesundheit belastet oder dass du Entzugsbeschwerden fürchtest, ist ein Gespräch mit einer Fachstelle sinnvoll. Viele Menschen kommen zuerst, um ihren Konsum einzuordnen, und entscheiden erst danach, ob sie etwas verändern wollen. Die Sucht & Drogen Hotline erreichst du unter 01806 313031. Zu Zeiten und Kosten informiert die Website der Hotline.
Auch Angehörige können Unterstützung suchen, etwa bei einer Suchtberatungsstelle. Für Eltern gibt es das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550.
Unterschied zwischen Gewohnheit und Abhängigkeit
Nicht jeder regelmäßige Konsum ist eine Abhängigkeit. Eine Gewohnheit bedeutet, dass ein Verhalten häufig auftritt, ohne dass Kontrollverlust oder Leidensdruck im Vordergrund stehen. Abhängigkeit kommt hinzu, wenn Verlangen, Kontrollverlust und Folgeprobleme zusammenkommen. Dieser Unterschied ist wichtig, weil er bestimmt, ob ein Gespräch genügt oder eine längere Begleitung nötig ist.
Wie sich Abhängigkeit entwickelt
Eine Abhängigkeit zeigt sich oft nicht von einem Tag auf den anderen. Am Anfang steht meist ein Konsum, der als unproblematisch erlebt wird. Mit der Zeit kann das Verlangen zu einem festen Bestandteil des Alltags werden. Der Verlauf ist individuell. Entscheidend ist, dass Veränderungen früh bemerkt und angesprochen werden.
Was du tun kannst
Wer den eigenen Konsum prüfen will, kann mit einer Suchtberatungsstelle sprechen oder den Cannabis-Check von drugcom nutzen. Er fragt den Konsum der letzten zwölf Monate ab, auch nach Kontrollverlust. Online bietet die Seite DigiSucht einen Einstieg. Mehr Hintergrund liefert die Übersicht Hilfe und Beratung, außerdem der Beitrag Wann entsteht eine psychische Cannabisabhängigkeit?.
Häufige Fragen
Wie viele Konsumierende werden abhängig?
Laut BIÖG wird ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig. Der Wert beschreibt einen Anteil und keine Diagnose für einzelne Menschen. Wer den eigenen Konsum prüfen möchte, kann sich in einer Suchtberatungsstelle beraten lassen.
Woran erkenne ich eine psychische Abhängigkeit?
Typisch ist, dass du Menge oder Häufigkeit nicht mehr steuern kannst, obwohl Probleme entstehen. Der Gedanke an Cannabis wird immer präsenter, und andere Interessen treten in den Hintergrund. Eine Beratungsstelle kann helfen, dieses Muster einzuordnen.
Wo bekomme ich Hilfe bei Cannabisabhängigkeit?
Suchtberatungsstellen vor Ort beraten zu Konsum, Ausstieg und Angehörigen. Online bietet DigiSucht Informationen und Beratung zu Cannabis. Bei Schlafproblemen, Unruhe oder starkem Verlangen hilft zusätzlich die Hausarztpraxis.
Quellen
- cannabispraevention.de (BIÖG): Langfristige Risiken und Sucht
- drugcom.de: Drogenlexikon Cannabis
- DigiSucht: Cannabis (suchtberatung.digital)
- drugcom.de: Bin ich abhängig von Cannabis?
- drugcom.de: Entzugserscheinungen bei Cannabiskonsum
- Sucht Schweiz: Cannabis, Wirkung und Risiken
- Sucht & Drogen Hotline
- Nummer gegen Kummer: Elterntelefon