Wann reicht Online-Beratung nicht aus und Hilfe vor Ort ist nötig?
Online-Beratung reicht für viele Anliegen, aber nicht für jede Lage. Wenn du dich in akuter Gefahr befindest oder jemand in deinem Umfeld akut bedroht ist, ist eine Antwort über Nachrichten zu langsam. Dann brauchst du eine Stelle, die sofort handeln kann, also den Notruf 112 oder eine Beratungsstelle vor Ort.
Wann eine Nachricht zu langsam ist
DigiSucht gibt an, dass Antworten in der Regel innerhalb weniger Werktage kommen. Bei mindzone sollen Anfragen möglichst innerhalb von zwei Werktagen beantwortet werden. Das ist für Alltagsfragen passend, für eine Krise aber zu spät, weil du jetzt Hilfe brauchst.
Auch bei Terminen per Video oder Chat hängt alles von der Verfügbarkeit der Beratungsperson ab. Wenn heute ein Termin nötig ist, reicht es nicht, auf einen freien Platz zu hoffen.
Warnzeichen, bei denen du nicht wartest
Es gibt Situationen, in denen du sofort handeln solltest. Dazu gehören Gedanken, dir selbst zu schaden, oder der Verdacht, dass jemand in deinem Umfeld sich selbst gefährdet. Auch wenn jemand kaum ansprechbar wirkt, ist sofort der Notruf zu wählen.
Laut BIÖG bekommen Menschen, die kiffen, häufiger eine Psychose als Menschen, die nicht kiffen. Der Zusammenhang ist statistisch und belegt nicht, dass Cannabis die Psychose verursacht. Wer nach Konsum Wahnvorstellungen, starke Verfolgungsangst oder den Verlust des Bezugs zur Realität zeigt, braucht schnell medizinische Hilfe. Dazu gehört der Notruf 112 oder der Weg in eine Notaufnahme.
Was eine Beratungsstelle vor Ort leisten kann
Eine Beratungsstelle vor Ort kann dich persönlich begleiten und Termine vereinbaren, die über den Bildschirm hinausgehen. Die Plattform DigiSucht empfiehlt bei dringenden Anliegen ausdrücklich, die Beratungsstelle direkt zu kontaktieren.
Passende Stellen findest du über das DHS-Suchthilfeverzeichnis. Dort kannst du nach Postleitzahl oder Ort suchen und auf Einrichtungen mit Angeboten zu Cannabis filtern. Eine Übersicht zur Suche bietet der Artikel Wo finde ich eine Suchtberatungsstelle für Cannabis?
Die Suchthotline als Brücke
Wenn du keine passende Stelle findest, nennt DigiSucht die Suchthotline 01806 313031. Sie ist eine Möglichkeit, schnell an eine Stelle zu kommen, wenn die Suche online nicht weiterhilft. Bei akuter Gefahr hat der Notruf 112 aber Vorrang.
Prävention: Warnzeichen früh ernst nehmen
Bei dauerhaftem Konsum kann sich eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Laut BIÖG wird ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig. Wer Veränderungen bei sich oder einer nahestehenden Person bemerkt, sollte nicht bis zur Krise warten und frühzeitig eine Beratung suchen. Ein Gespräch vor Ort kann dabei der richtige nächste Schritt sein.
Eine Übersicht zu Anzeichen einer Abhängigkeit findest du im Artikel Woran erkennt man eine Cannabisabhängigkeit?
Begriffe: Krise, Notfall und Psychose
- Krise ist eine Lage, in der du den Alltag und Entscheidungen nicht mehr gut bewältigst. Sie braucht zeitnah Unterstützung, aber nicht jede Krise ist ein Notfall.
- Notfall ist eine akute Gefahr für Leib und Leben. Dann wählst du sofort den Notruf 112.
- Psychose ist ein Zustand, in dem die Wahrnehmung der Wirklichkeit deutlich verzerrt ist, etwa durch Wahnvorstellungen oder Stimmen, die niemand hört.
Was du der Beratung in den ersten Sätzen schreibst
Sag zuerst, dass es dringend ist. Beschreibe in zwei oder drei Sätzen, was gerade passiert, und ob du dich im Moment sicher fühlst. Wenn du dich nicht einloggen kannst oder keine Antwort kommt, ruf die Beratungsstelle direkt an. Warte bei einer Gefahr für Leib und Leben nicht auf eine Nachricht.
Hilfe für Angehörige in einer Krise
Wenn jemand in deinem Umfeld Warnzeichen zeigt, bleibe ruhig und sprich die Person direkt an. Frag, was los ist, und höre zu, ohne zu urteilen. Lass die Person nicht allein, wenn sie sich selbst gefährdet. Bei akuter Gefahr rufst du den Notruf 112 an.
Auch Angehörige können sich beraten lassen. Das Angebot anonyme Beratung für Angehörige richtet sich genau an diese Situation.
Typische Irrtümer über Cannabis und Psychose
- „Wer nur gelegentlich kifft, ist davor sicher.“ Laut BIÖG hängt die Schädlichkeit von Cannabis vom Alter und von der Konsumhäufigkeit ab. Bei einer angeborenen Neigung für eine Psychose könnten schon geringe Mengen ausreichen.
- „Ich merke schon, wenn es kippt.“ Bei einer Psychose kann die eigene Einschätzung eingeschränkt sein. Deshalb zählt die Meinung anderer Menschen.
- „Ein Notruf ist übertrieben.“ Im Zweifel ist ein Anruf richtig. Die Stelle am anderen Ende entscheidet, was als Nächstes passiert.
Was nach einer Krise hilft
Nach einem Notfall lohnt es sich, Konsum, Schlaf und Stimmung in den Tagen davor aufzuschreiben. Das hilft der Beratung, Muster zu erkennen. Frag dort, welche Angebote für die Zeit danach passen, etwa Einzelgespräche, Gruppenangebote oder ärztliche Begleitung. Wer nach einer Krise wieder online berät, sollte die Ergebnisse aus der akuten Phase mitnehmen.
Kontakte vorab griffbereit haben
Wenn du auf eine Antwort wartest, lohnt es sich, schon jetzt die wichtigsten Kontakte zu notieren. Dazu gehören die Nummer des Notrufs 112, die Telefonnummer der Beratungsstelle vor Ort und der Name einer Person, die dir in der Nähe helfen kann. So musst du in einer Krise nicht suchen.
Schritte für den Anfang
Auch wenn du Hilfe suchst, musst du nicht sofort die ganze Lösung kennen. Eine Beratung begleitet dich Schritt für Schritt. Notiere deshalb das Problem und zusätzlich die nächsten kleinen Schritte, die du gehen kannst, etwa einen Anruf, einen Termin oder ein Gespräch mit einer vertrauten Person.
Was du jetzt tun kannst
- Bei akuter Gefahr für dich oder andere: Notruf 112 wählen.
- Bei dringenden, nicht akuten Anliegen: die Beratungsstelle direkt anrufen oder aufsuchen.
- Wenn keine Stelle passt: die Suchthotline 01806 313031 nutzen.
- Nach der ersten Krise: Online-Beratung wieder nutzen, um die nächsten Schritte zu planen. Der Artikel Gibt es Videoberatung bei Suchtproblemen? zeigt, wie der Videocall funktioniert.
Häufige Fragen
Ist Online-Beratung bei akuter Gefahr sinnvoll?
Online-Beratung ist für akute Gefahr zu langsam, weil Antworten in der Regel innerhalb weniger Werktage kommen. Bei Gefahr für dich oder andere wählst du den Notruf 112. Bei dringenden Anliegen nimmst du direkt Kontakt zu einer Beratungsstelle auf. Die Plattform DigiSucht empfiehlt dieses Vorgehen selbst.
Wann ist eine Beratung vor Ort besser als Online?
Eine Beratung vor Ort kann sinnvoll sein, wenn du persönliche Gespräche brauchst, wenn Online-Kontakt für dich nicht funktioniert oder wenn du Unterstützung im Alltag suchst. Passende Stellen findest du über das DHS-Suchthilfeverzeichnis. Der Artikel Online-Beratung oder Beratungsstelle vor Ort ordnet beide Wege ein.
Was schreibe ich der Beratung, wenn es akut ist?
Sag in den ersten Sätzen, dass es dringend ist, und beschreibe, was gerade passiert. Wenn du dich nicht einloggen kannst oder keine Antwort kommt, ruf die Beratungsstelle direkt an, wie die Plattform empfiehlt. Bei Gefahr für Leib und Leben wähle sofort den Notruf 112 und warte nicht auf eine Nachricht.
Wie schnell kommt eine Antwort bei Online-Beratung?
Bei DigiSucht kommt eine Antwort in der Regel innerhalb weniger Werktage. Bei mindzone sollen Anfragen möglichst innerhalb von zwei Werktagen beantwortet werden. Termine richten sich nach der Verfügbarkeit. Für Alltagsfragen ist das passend, für eine akute Lage aber zu langsam.