Welche Selbsthilfe gibt es für Cannabiskonsumierende?
Selbsthilfe bei Cannabiskonsum beginnt oft mit dem ersten Schritt, sich Informationen zu holen und das eigene Verhalten ehrlich anzusehen. Dafür gibt es verschiedene Angebote: digitale Beratung, Telefonhotlines, Informationsseiten und Gruppen vor Ort. Welches passt, hängt davon ab, wie stark der Konsum das Leben bestimmt und welche Art von Unterstützung man sich wünscht.
Was unter Selbsthilfe zu verstehen ist
Selbsthilfe bedeutet, dass Betroffene sich mit ihrer Situation auseinandersetzen und dabei Unterstützung erhalten, ohne ausschließlich auf eine Behandlung angewiesen zu sein. Sie kann in der Gruppe stattfinden, im Gespräch mit einer Beratungsstelle oder über Informationsangebote, die man allein nutzt. Selbsthilfe ersetzt im Zweifel keine professionelle Beratung, sie ergänzt sie.
Digitale Suchtberatung bei Cannabis
Die DigiSucht ist ein digitales Beratungsangebot zum Cannabiskonsum. Nach den Angaben der Seite können Ratsuchende anonym und kostenlos Kontakt zu professionellen Beraterinnen und Beratern aufnehmen. Die Anmeldung erfolgt über die Schaltfläche „Suchtberatung starten“. Dieser Weg eignet sich für Menschen, die zuerst online Kontakt aufnehmen möchten.
Der Cannabis-Selbsttest als Einstieg
Auf der Seite der DigiSucht gibt es außerdem einen Cannabis-Selbsttest. Er soll erste Anzeichen eines problematischen Konsums erkennen und gibt laut Seite eine individuelle Rückmeldung zum Konsumverhalten. Ein Test ersetzt keine persönliche Einschätzung, kann aber helfen, die eigene Lage in Worte zu fassen. Wie man solche Tests richtig einordnet, zeigt der Beitrag Welche Online-Tests zur Selbsteinschätzung gibt es?.
Informationsangebote zum Nachlesen
Neben der Beratung gibt es Informationsangebote, die man in Ruhe lesen kann. Die Seite drugcom ist ein Angebot des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) und bietet Hintergründe zu Wirkung, Risiken und Tests. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bietet kostenfreie Publikationen zu Wirkungen und Risiken an. Das Angebot infos-cannabis.de des BIÖG informiert über die Gesetzeslage, Wirkungen und Risiken von Cannabis.
Wer Hintergründe sucht, findet im Beitrag Warum konsumiere ich Cannabis, und wie prüfe ich das? einen Einstieg in die Selbstreflexion.
Telefonische Hilfe
Für eine schnelle Auskunft am Telefon ist die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 erreichbar. Die Hotline berät zu Fragen des eigenen Konsums. Sie ist täglich von 8 bis 24 Uhr erreichbar, der Anruf ist kostenpflichtig. Wer die Nummer wählt, muss vorher nichts vorbereiten, es reicht eine kurze Beschreibung der eigenen Situation.
Viele Angebote setzen auf Freiwilligkeit. Niemand muss sich festlegen, bevor er Eindruck gewonnen hat. Wer einen Termin wahrnimmt und merkt, dass es nicht passt, kann es mit einer anderen Stelle versuchen.
Gruppen und Angebote vor Ort
Ob es in deiner Nähe eine Selbsthilfegruppe gibt, erfährst du am besten bei der Suchtberatung vor Ort. Die Beratungsstellen kennen die Angebote in der Region und können sagen, welche Gruppe zu deiner Situation passt. Das Suchthilfeverzeichnis der DHS führt Beratungsstellen und andere Einrichtungen mit Hilfe- und Behandlungsangeboten zu Cannabis. Auch die Hausärztin oder der Hausarzt kann einen Hinweis geben. Eine verbindliche Liste aller Gruppen bietet dieser Beitrag nicht.
Angehörige im Blick behalten
Auch Angehörige brauchen Unterstützung. Die DigiSucht verweist in ihrem Menü auf eine Suchtberatung für Angehörige. Ob dieses Angebot anonym und kostenlos ist, zeigt die Website des Angebots. Eltern, die sich um ihr Kind sorgen, erreichen das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550.
Was Selbsthilfe im Alltag leisten kann
Selbsthilfe wirkt vor allem dort, wo Betroffene sich mit ihren Erfahrungen nicht allein fühlen. Ein Austausch mit Menschen in ähnlicher Lage kann helfen, Scham abzubauen und Rückfälle offener zu besprechen. Selbsthilfe ersetzt aber keine medizinische Behandlung, wenn eine solche nötig ist.
Im Netz gibt es außerdem Foren und Informationsseiten. Sie sind niedrigschwellig, können aber auch unzutreffende Angaben enthalten. Deshalb sollte man Angaben zu Gesetz und Gesundheit mit einer seriösen Quelle abgleichen. Die Informationsseiten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit und die DHS gehören zu den verlässlichen Angeboten.
Wie du den Einstieg findest
- Einen Selbsttest machen, um die eigene Lage einzuschätzen.
- Ein anonymes Beratungsangebot wie die DigiSucht ausprobieren.
- Bei Bedarf die Hotline anrufen, wenn es akut wird.
- Eine Gruppe oder Beratungsstelle vor Ort suchen, wenn der Kontakt regelmäßig sein soll.
Wer sich für den Weg aus dem Konsum interessiert, findet im Beitrag Was passiert, wenn man nach langem Konsum aufhört? erste Informationen.
Häufige Fragen
Gibt es anonyme Beratung bei Cannabiskonsum?
Ja. Die digitale Suchtberatung DigiSucht bietet nach eigenen Angaben anonym und kostenlos Kontakt zu professionellen Beratenden an. Die Anmeldung erfolgt über die Website. Für eine Beratung am Telefon steht die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 zur Verfügung.
Wo finde ich eine Selbsthilfegruppe bei Cannabiskonsum?
Die Suchtberatung vor Ort kennt die Gruppen in der Region und kann sagen, welche Gruppe passt. Auch die Hausärztin oder der Hausarzt kann einen Hinweis geben. Online-Angebote und Telefonhotlines ergänzen den Weg, ersetzen aber keine Gruppe vor Ort.