Wo kann man anonym über den eigenen Konsum sprechen?
Anonym über den eigenen Cannabiskonsum sprechen kannst du zum Beispiel in der Chat-Beratung des Portals drugcom.de. Laut Angebot ist sie anonym und kostenlos, und andere Nutzende können das Gespräch nicht mitverfolgen. Am Telefon erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (täglich 8 bis 24 Uhr, kostenpflichtig, Gebühr pro Anruf). Wer zuerst wissen will, welches Angebot zu seiner Frage passt, findet hier die wichtigsten Wege.
Warum viele Menschen zögern
Viele Menschen sprechen nicht über ihren Konsum, weil sie Nachteile fürchten. Im Beruf, in der Schule oder in der Familie kann das Thema heikel sein. Bei einem anonym nutzbaren Angebot musst du nicht sagen, wer du bist, und du entscheidest selbst, wie viel du erzählst.
Wie ein Angebot Anonymität umsetzt, steht auf der Website des Anbieters, ebenso die Hinweise zum Datenschutz. Lies sie, bevor du etwas Persönliches schreibst.
Die Chat-Beratung von drugcom
Die Chat-Beratung ist ein Angebot des Portals drugcom.de. Laut Seite ist die Beratung anonym und kostenlos. Andere Nutzende können das Gespräch nicht beobachten. Die Seite beschreibt außerdem einen geschützten Beratungsraum, in den du wechseln kannst, um Themen zu besprechen, die andere nicht mitverfolgen. Die Sprechzeiten sind montags, dienstags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr sowie mittwochs und freitags von 13 bis 15 Uhr, außer an bundesweiten und Berliner Feiertagen.
Der Chat eignet sich besonders dann, wenn du lieber schreibst als sprichst. Du kannst in deinem Tempo antworten und dir Zeit lassen. Die Chat-Beratung ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung. Bei körperlichen Beschwerden gehst du zu einer Ärztin oder einem Arzt.
Die Sucht & Drogen Hotline
Die Sucht & Drogen Hotline ist unter 01806 313031 täglich von 8 bis 24 Uhr erreichbar. Der Anruf ist kostenpflichtig, aus dem Festnetz und aus dem Mobilfunknetz fällt eine Gebühr pro Anruf an. Es ist ein gemeinsames Angebot der Drogennotrufe aus Frankfurt am Main und München. Die Angaben stehen auf der Infotelefon-Seite des BIÖG; schau dort vor dem Anruf nach dem aktuellen Stand.
Die Seite sagt nicht ausdrücklich, ob das Gespräch anonym ist. Du kannst deshalb am Anfang fragen, wie mit deinen Angaben umgegangen wird. Wenn dir eine Antwort unklar bleibt, entscheidest du selbst, was du weitersagst.
Anlaufstellen vor Ort
Neben Chat und Telefon bietet DigiSucht (suchtberatung.digital) nach eigenen Angaben kostenlose und anonyme digitale Suchtberatung an. Außerdem gibt es Suchtberatungsstellen vor Ort. Dort kannst du persönlich sprechen und dir Hilfe für die nächsten Schritte holen, etwa einen Plan zum Aufhören oder Unterstützung bei Problemen in der Familie. Welche Stelle in deiner Nähe zuständig ist, findest du über die Suche nach Beratungsangeboten in deiner Region.
Ob ein erstes Gespräch ohne Namensnennung möglich ist, erfragst du bei der jeweiligen Stelle. Viele Beratungsstellen erklären das am Telefon oder auf ihrer Website. Frag direkt nach, bevor du einen Termin ausmachst.
Was du vorher für dich klären kannst
Ein Gespräch fällt leichter, wenn du weißt, worüber du sprechen willst. Ein Anhaltspunkt sind die Merkmale, die drugcom für eine Abhängigkeit nennt. Laut Seite liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens zwei von elf Merkmalen innerhalb von 12 Monaten zutreffen. Dazu gehören, mehr oder länger zu konsumieren als geplant, erfolglose Versuche aufzuhören, starkes Verlangen und Entzugssymptome.
Die Seite betont außerdem, dass problematischer Konsum meist früher beginnt als eine Abhängigkeit. Deshalb lohnt sich ein Gespräch schon dann, wenn du nur unsicher bist. Schreib dir drei Stichpunkte auf: wie oft du konsumierst, was sich in den letzten Monaten verändert hat und was dich beunruhigt.
Auch das Alter spielt eine Rolle. Nach cannabispraevention.de sind die Risiken von Cannabis für Jugendliche besonders hoch. Wer jung ist, muss deshalb nicht warten, bis der Druck groß wird.
Typische Hürden und wie du sie überwindest
- Die Angst, verurteilt zu werden. Du bestimmst, wie viel du erzählst. Du darfst mit einer kurzen Beschreibung anfangen.
- Die Sorge vor rechtlichen Folgen. Für den Besitz gilt nach § 3 KCanG eine Grenze von bis zu 25 Gramm für Personen ab 18 Jahren. Bei Einzelfragen hilft eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt. Gerichte entscheiden im Einzelfall.
- Das Gefühl, alles allein regeln zu müssen. Ein erstes Gespräch ist ein erster Schritt, mehr nicht. Danach kannst du überlegen, ob du weitermachst.
Wer sich um jemand anderen sorgt
Manchmal sorgt man sich um ein Kind oder einen Freund. Für Eltern gibt es das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550. Nach Angaben des Angebots ist der Anruf anonym und kostenlos; beraten wird montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 9 bis 19 Uhr. Dort kannst du auch dann anrufen, wenn du noch nicht sicher bist, ob ein Problem vorliegt. Beschreibe, was du beobachtest, und lass dich beraten, welche Schritte passen.
Was du jetzt konkret tun kannst
Wenn du heute mit jemandem sprechen willst, geh in dieser Reihenfolge vor:
- Schreib auf, was dich beschäftigt, in zwei oder drei Sätzen.
- Starte mit der Chat-Beratung, wenn du lieber schreibst. Laut Angebot ist sie anonym und kostenlos.
- Ruf die Sucht & Drogen Hotline an, wenn du lieber sprichst. Schau vorher auf der Infotelefon-Seite nach den aktuellen Angaben.
- Such eine Suchtberatungsstelle vor Ort, wenn du dauerhafte Begleitung möchtest. Frag dort, wie ein erstes Gespräch abläuft.
Mehr zu den Warnzeichen findest du im Artikel zu problematischem Konsum. Eine erste Einschätzung zu deinen eigenen Grenzen liefert der Beitrag Welche Anzeichen zeigen, dass man die eigenen Grenzen überschreitet?. Wer ganz konkret Hilfe sucht, liest, wie man eine Suchtberatung in der Nähe findet.
Häufige Fragen
Wo kann ich anonym über meinen Cannabiskonsum sprechen?
Eine Möglichkeit ist die Chat-Beratung auf drugcom.de. Laut Angebot ist sie anonym und kostenlos, und andere Nutzende können das Gespräch nicht mitverfolgen. Telefonisch erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (kostenpflichtig, Gebühr pro Anruf). Ob das Gespräch dort anonym ist, erfragst du am Anfang.
Muss ich bei der Sucht & Drogen Hotline meinen Namen nennen?
Die Seite des Angebots sagt nicht ausdrücklich, ob ein Gespräch anonym ist. Frag am Anfang nach, wie mit deinen Angaben umgegangen wird. Du entscheidest selbst, wie viel du erzählst, und kannst das Gespräch jederzeit beenden.
Kann ich auch ohne Termin mit einer Suchtberatung sprechen?
Ob ein erstes Gespräch ohne Namensnennung oder ohne Termin möglich ist, erfragst du bei der jeweiligen Beratungsstelle. Die Stellen erklären das meist auf ihrer Website oder am Telefon.
Quellen
- drugcom.de: Chat-Beratung
- BIÖG: Sucht & Drogen Hotline (Infotelefon)
- drugcom.de: Bin ich abhängig von Cannabis?
- drugcom.de: Cannabis (Drogenlexikon)
- Nummer gegen Kummer: Elterntelefon
- Konsumcannabisgesetz § 3 auf gesetze-im-internet.de
- DigiSucht: digitale Suchtberatung
- cannabispraevention.de: Gefahren für Jugendliche