Wie wirken Konflikte in Familie oder Partnerschaft auf den Konsum?
Ob Streit in der Familie oder in der Partnerschaft den Cannabiskonsum auslöst oder ob der Konsum den Streit verschärft, lässt sich im Einzelfall nicht allgemein beantworten, und die gelesenen Fachquellen belegen keine feste Richtung. Als Warnzeichen nennt drugcom, wenn der Konsum trotz wiederholter sozialer oder zwischenmenschlicher Probleme weitergeht. Dann lohnt es sich, genauer hinzusehen und das Gespräch mit einer Beratungsstelle zu suchen.
Ein Warnzeichen aus den Kriterien
Nach drugcom gilt die Substanzgebrauchsstörung als erfüllt, wenn mindestens zwei von elf Merkmalen innerhalb von zwölf Monaten zutreffen. Eines dieser Merkmale betrifft das soziale Umfeld. Drugcom formuliert es als Frage: Kiffst du, obwohl dein Konsum ständig oder wiederholt zu sozialen oder zwischenmenschlichen Problemen führt? Wenn du mit Ja antworten musst, ist das ein Grund, das Thema ernst zu nehmen. Es heißt nicht automatisch, dass eine Abhängigkeit vorliegt. Ein weiteres Merkmal ist, dass wichtige soziale oder Freizeitaktivitäten zugunsten des Konsums aufgegeben oder eingeschränkt werden.
Konflikte und ihre Muster
Streit kann sich um Zeit, Geld, Verpflichtungen im Haushalt oder die Frage drehen, wie viel Konsum noch in Ordnung ist. Wiederkehrende Konflikte folgen oft einem Muster, das sich erkennen lässt:
- Gespräche über den Konsum enden regelmäßig in Vorwürfen.
- Verabredungen oder gemeinsame Pläne werden wegen des Konsums abgesagt.
- Das Thema Konsum ist ein Dauerthema in der Familie oder Partnerschaft.
Wer ein solches Muster kennt, kann es leichter unterbrechen, etwa indem das Thema in einen festen Gesprächsrahmen gelegt wird.
Kinder im Haushalt
Wenn Kinder im Haushalt leben, gelten besondere Regeln. Der Konsum von Cannabis in unmittelbarer Gegenwart von Personen unter 18 Jahren ist verboten (§ 5 Abs. 1 KCanG) und eine Ordnungswidrigkeit, für die eine Geldbuße vorgesehen ist (§ 36 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2 KCanG). Außerdem sind Cannabis und Vermehrungsmaterial am Wohnsitz durch geeignete Maßnahmen vor dem Zugriff durch Dritte, insbesondere Kinder und Jugendliche, zu schützen (§ 10 KCanG). Mehr dazu findest du im Überblick zum Jugendschutz.
Konflikte in der Familie entstehen auch, weil Eltern unsicher sind, wie sie reagieren sollen. Der Artikel zum Gespräch mit Kindern über Cannabis zeigt, wie das im Alltag gelingen kann.
Wie ein Gespräch gelingen kann
Ein Gespräch kann mit einer Beobachtung beginnen, ein Urteil folgt nicht gleich zu Beginn. Du sagst, was du wahrnimmst, zum Beispiel: Ich merke, dass wir in letzter Zeit oft streiten, wenn es um Cannabis geht. Danach fragst du, wie die andere Person das erlebt, und lässt ihr Zeit zu antworten. Kippt das Gespräch in Vorwürfe, kann eine Pause helfen, und ihr vereinbart einen neuen Termin. Sinnvoll ist ein ruhiger Moment, in dem niemand konsumiert hat.
- Konkrete Situationen nennen und allgemeine Vorwürfe weglassen.
- Zuhören, bevor du antwortest.
- Eine Pause vereinbaren, wenn das Gespräch sich im Kreis dreht.
Partnerschaft
In einer Partnerschaft trifft der Konsum häufig auf unterschiedliche Erwartungen. Die eine Seite wünscht sich Ruhe, die andere sieht den Konsum als Teil des Alltags. Wenn sich solche Konflikte wiederholen, können gemeinsame Regeln helfen, etwa keine Gespräche über den Konsum mitten im Streit oder feste Zeiten ohne Konsum. Ein Termin bei einer Beratungsstelle, zu dem beide kommen, kann ebenfalls sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass beide Seiten gehört werden.
Angehörige: Kontrolle und Vertrauen
Wer einen Menschen mit Konsum im Umfeld hat, neigt schnell zu Kontrolle: Taschen durchsuchen, Verstecke suchen, ständig nachfragen. Das kann das Vertrauen zusätzlich belasten. Offener ist es, Beobachtungen auszusprechen und die Verantwortung für den eigenen Konsum bei der Person zu lassen, die konsumiert. Lügen und Verheimlichen können Teil solcher Konflikte sein. Der Artikel zu Gründen des Verheimlichens zeigt, warum Konsumierende oft schweigen.
Wann Beratung sinnvoll ist
Wenn Konflikte sich wiederholen, wenn du dich zurückziehst oder wenn der Konsum trotz Problemen weitergeht, ist eine Beratung ein sinnvoller Schritt. Die Sucht & Drogen Hotline erreichst du unter 01806 313031 täglich von 8 bis 24 Uhr. Der Anruf ist gebührenpflichtig. Wenn du als Elternteil Unterstützung suchst, hilft das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550. Nach Angaben des Angebots ist der Anruf anonym und kostenlos. Mehr dazu findest du im Artikel zu Beratung für Eltern. Bei Fragen zu Verantwortung und Pflichten hilft der Artikel zur Verantwortung für das Umfeld.
Was du jetzt tun kannst
- Notiere, bei welchen Konflikten der Konsum eine Rolle spielt.
- Such dir eine ruhige Zeit für ein Gespräch, in der niemand konsumiert hat.
- Vereinbart gemeinsame Regeln, zum Beispiel für Zeiten ohne Konsum.
- Nimm Beratung in Anspruch, wenn sich die Konflikte wiederholen. Eine Suchtberatungsstelle in deiner Nähe findest du über das Suchthilfeverzeichnis der DHS.
Alle Themen zur Prävention findest du unter Prävention und Jugendschutz.
Häufige Fragen
Macht Streit in der Familie den Cannabiskonsum wahrscheinlicher?
Dazu liefern die gelesenen Fachquellen keine feste Aussage. Wichtig ist, ob Konflikte wiederkehren und ob der Konsum trotz dieser Probleme weitergeht. Das nennt drugcom als Merkmal einer Substanzgebrauchsstörung. Dann ist eine Beratung sinnvoll.
Darf man in der Wohnung kiffen, wenn Kinder im Haushalt leben?
Der Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Minderjährigen ist verboten (§ 5 Abs. 1 KCanG). Außerdem müssen Cannabis und Vermehrungsmaterial vor dem Zugriff von Kindern und Jugendlichen geschützt werden (§ 10 KCanG). Bei Unsicherheit hilft eine Beratungsstelle.
Wo finde ich Hilfe, wenn ich mir als Elternteil Sorgen mache?
Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist unter 0800 111 0 550 erreichbar, nach Angaben des Angebots anonym und kostenlos. Bei Cannabisfragen hilft außerdem die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (kostenpflichtig, Gebühr pro Anruf).