Warum verstecken Konsumierende ihren Konsum?
Wer Cannabis konsumiert und es verheimlicht, kann dafür unterschiedliche Gründe haben, etwa Angst, Scham oder Konflikte. Das Verstecken ist für sich genommen noch kein Beweis für ein Problem. Es kann aber ein Hinweis sein, dass der Konsum mehr Raum einnimmt, als der Person lieb ist. Wer das einordnen will, schaut auf die Folgen und nicht allein auf Mengen.
Typische Gründe für das Verstecken
Mögliche Gründe für das Verheimlichen sind Angst vor Reaktionen aus der Familie, aus dem Arbeitsumfeld oder aus dem Freundeskreis. Manche spüren Schuldgefühle, weil sie ein Versprechen gegeben haben, das sie nicht halten konnten. Andere wollen schlicht keine Diskussion führen. Das Verstecken schützt dann vor Konflikten, verhindert aber zugleich, dass Hilfe überhaupt ankommt.
Warnzeichen, die man ernst nehmen sollte
Laut drugcom liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens zwei Merkmale innerhalb von 12 Monaten zutreffen. Ein solches Merkmal ist der Kontrollverlust, also das Gefühl, den Konsum nicht mehr im Griff zu haben. Ebenso wichtig ist die Frage, ob der Konsum bereits negative Folgen nach sich gezogen hat. Nach drugcom spielen Menge und Häufigkeit bei der Abhängigkeitsfrage keine entscheidende Rolle. Die Präventionsseite cannabispraevention.de nennt unter den Warnzeichen unter anderem Rückzug, Verschlossenheit und Lügen oder Ausreden, um den Konsum zu vertuschen. Heimlichkeit kann also Teil eines Bildes sein, das mehrere Zeichen umfasst. Welche Warnzeichen beim eigenen Konsum auftreten können, erklärt der Artikel Welche Warnzeichen zeigen, dass der Konsum zu viel wird?.
Psychische Abhängigkeit verstehen
Bei dauerhaftem Konsum kann sich eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Sie zeigt sich vor allem im starken Verlangen nach Cannabis, so Suchtschweiz. Wer dieses Verlangen spürt, obwohl er es eigentlich nicht will, sollte das ernst nehmen. Laut BIÖG wird ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig. Diese Zahl sagt nichts über den Einzelfall, zeigt aber, dass Abhängigkeit kein Randthema ist.
Der Cannabis-Check als Orientierung
Der drugcom-Cannabis-Check fragt je nach Frage unterschiedliche Zeiträume ab (von sieben Tagen bis zwölf Monaten), auch den Kontrollverlust. Er ersetzt kein Gespräch, kann aber helfen, die eigenen Gedanken zu ordnen. Wer den Test macht, sollte die Antworten nicht schönreden. Das Ergebnis ist eine Einladung zum Nachdenken und kein Urteil. Eine Übersicht über Selbsteinschätzungen bietet auch der Artikel Wie erkennt man selbst, ob man abhängig ist?.
Das Gespräch sachlich beginnen
Wer jemanden anspricht, der etwas verheimlicht, sollte nicht mit Vorwürfen beginnen. Besser ist eine Beobachtung in der Ich-Form, etwa: Ich habe bemerkt, dass du in letzter Zeit unruhiger wirkst. Danach folgt eine offene Frage, zum Beispiel wie es der Person damit geht. Vermeide Drohungen und Verallgemeinerungen. Für Eltern bietet der Artikel Wie sprechen Eltern das Thema Cannabis richtig an? zusätzliche Hinweise.
Anonym informieren und Hilfe finden
Wer noch nicht bereit ist, den Konsum offenzulegen, kann sich zunächst informieren. Die Sucht und Drogen Hotline ist unter 01806 313031 erreichbar (täglich von 8 bis 24 Uhr, kostenpflichtig). Wer den Schritt über die Hotline wagt, entscheidet selbst, wie viel er am Telefon erzählt. Wo man über den eigenen Konsum sprechen kann, ohne sofort alles offenzulegen, erklärt der Artikel Wo kann man anonym über den eigenen Konsum sprechen?.
Schritte für Betroffene
- Ehrlich prüfen, welche Folgen der Konsum im Alltag hat.
- Mit einer Vertrauensperson über die eigenen Gedanken sprechen.
- Eine Selbsteinschätzung oder den Cannabis-Check nutzen.
- Eine Suchtberatungsstelle kontaktieren und den Weg besprechen.
- Gemeinsam mit Fachleuten realistische Ziele für den Konsum festlegen.
Was Angehörige selbst tun können
Wer im Umfeld einen Menschen hat, der etwas verheimlicht, muss nicht alles wissen. Es hilft, sich selbst zu fragen, was man beobachtet hat und was man dazu sagen möchte. Vorwürfe können den Druck erhöhen, und dann wird oft noch mehr verheimlicht. Ein ruhiges Angebot zuzuhören bleibt dagegen offen. Auch für Angehörige gibt es Beratung, die beim eigenen Umgang mit der Situation hilft.
Verantwortung im Umfeld
Auch das Umfeld trägt Verantwortung. Eltern, Freunde und Kollegen können Hinweise geben, ohne zu verurteilen. Frühe Gespräche erleichtern den Zugang zu Hilfe. Dazu kommt ein weiterer Punkt: Ein früher Einstieg in den Konsum kann nach dem drugcom-Drogenlexikon nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge haben. Diese Information gehört in ein Gespräch, das ohne Panik auskommt.
Häufige Fragen
Ist Verheimlichen ein sicheres Zeichen für Abhängigkeit?
Nein, Verheimlichen allein beweist keine Abhängigkeit. Es kann Angst, Scham oder Konflikte ausdrücken. Ob eine Abhängigkeit vorliegt, richtet sich nach Merkmalen: Nach drugcom müssen mindestens zwei innerhalb von 12 Monaten zutreffen, und es zählt, ob der Konsum negative Folgen hat. Eine Einordnung gelingt am besten im Gespräch mit einer Beratungsstelle.
Wo finde ich schnell Hilfe, wenn ich selbst betroffen bin?
Die Sucht und Drogen Hotline ist unter 01806 313031 erreichbar (kostenpflichtig). Auf drugcom.de findest du Informationen und einen Cannabis-Check. Eine Suchtberatung in deiner Nähe kann den nächsten Schritt mit dir klären, und das Gespräch dort lässt sich in deinem Tempo führen.