Welche Befragungen erfassen den Konsum von Jugendlichen?
Den Cannabiskonsum Jugendlicher erfassen vor allem Befragungen, die junge Menschen direkt nach ihrem Konsum fragen, meist mit anonymem Fragebogen in der Schule oder online. Bekannte Beispiele sind die HBSC-Studie, die in der Schweiz 11- bis 15-Jährige befragt, und der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA) in Deutschland, der allerdings nur Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren erfasst. Der Forschungsverbund EKOCAN wertet für die Evaluation des KCanG zwölf Befragungen und 20 Routinedatenquellen aus. Wer die Zahlen lesen will, muss zuerst wissen, welche Befragung dahintersteckt.
Welche Arten von Befragungen gibt es?
Schulbefragungen werden in Klassen durchgeführt und erreichen Jugendliche, die zur Schule gehen. Haushaltsbefragungen erfassen Menschen zu Hause, auch solche, die die Schule schon verlassen haben. Gesundheitsbefragungen verbinden Fragen zum Konsum mit Fragen zu Verhalten und Lebenslage. Alle drei unterscheiden sich in Auswahl, Zeitraum und Fragen.
Sie unterscheiden sich auch im Zeitbezug. Manche fragen nach dem Konsum im letzten Monat, andere nach dem letzten Jahr oder danach, ob jemand Cannabis überhaupt schon einmal probiert hat. Diese Begriffe sind nicht austauschbar. Eine Zahl zum Probieren sagt etwas anderes als eine Zahl zum regelmäßigen Konsum.
Drei Beispiele
- HBSC: «Health Behaviour in School-aged Children» befragt laut Sucht Schweiz die 11- bis 15-Jährigen in der Schweiz zu Gesundheit und Konsum psychoaktiver Substanzen. Das ist ein Schweizer Angebot, für Deutschland gelten andere Erhebungen.
- ESA: Der Epidemiologische Suchtsurvey ist laut DIW-Wochenbericht 13/2026 eine bevölkerungsrepräsentative Befragung zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen im Dreijahresrhythmus. Die Auswertung beschränkt sich dort auf 18- bis 64-Jährige, 2024 nahmen 7.534 Personen teil. Für Minderjährige liefert er keine Zahlen.
- EKOCAN: Der erste Zwischenbericht berücksichtigt zwölf Befragungen und 20 Routinedatenquellen. Welche das im Einzelnen sind, steht im Methodenteil des Berichts.
Wie arbeiten diese Erhebungen?
Die meisten Befragungen arbeiten mit Selbstauskünften. Wer ungern über Konsum spricht, lässt Fragen aus, und manche geben weniger an, als sie tatsächlich konsumieren. Die Ergebnisse sind deshalb Hinweise auf das Verhalten einer Gruppe und keine exakten Messwerte.
Entscheidend ist auch die Auswahl der Befragten. Eine Stichprobe soll die Gesamtgruppe abbilden, etwa nach Schulform, Region und Geschlecht. Werden nur Gymnasien befragt, sagt das Ergebnis wenig über Berufsschulen aus. Auch die Rücklaufquote gehört zur Bewertung, denn wer nicht antwortet, fehlt in der Auswertung.
Welche Fragen in den Bögen stehen
| Frageart | Was sie misst | Typische Schwäche |
|---|---|---|
| Probiert jemals (Lebenszeit) | Ob Cannabis überhaupt schon einmal konsumiert wurde | Sagt nichts über den aktuellen Konsum |
| Letzte 30 Tage oder letzte 12 Monate | Aktueller Konsum in einem festen Zeitraum | Momentaufnahme, Schwankungen zwischen Erhebungen |
| Häufigkeit | Wie oft konsumiert wird | Schätzung aus dem Gedächtnis |
Wer „jemals probiert“ mit „aktuell konsumiert“ verwechselt, zieht falsche Schlüsse.
Was du vor dem Vergleich prüfen solltest
Bevor du zwei Befragungen gegenüberstellst, brauchst du vier Angaben aus dem Methodenteil:
- Wer wurde befragt, und wie wurde die Auswahl getroffen?
- Wie viele Personen haben tatsächlich teilgenommen?
- In welchem Jahr wurde die Befragung durchgeführt?
- Welche Frage steckt hinter der genannten Prozentzahl?
Fehlt eine dieser Angaben, ist die Zahl nur eingeschränkt vergleichbar. Das gilt besonders für Zahlen aus Pressemitteilungen, die oft nur die Schlagzeile übernehmen.
Warum Trends mehr sagen als einzelne Zahlen
Eine einzelne Befragung zeigt, wie die Lage in einem Jahr war, aber nicht, ob sich etwas verändert hat. Erst der Vergleich über mehrere Wellen zeigt eine Entwicklung. Für die Zeit seit der Teillegalisierung schreibt EKOCAN, dass sich der sinkende Trend im Anteil konsumierender Jugendlicher fortsetzt. Das ist eine Aussage über den Trend und keine über einen einzelnen Prozentwert.
Das BIÖG begründet das Interesse an Jugendzahlen damit, dass sich das junge Gehirn in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet. Deshalb ist es für Prävention wichtig zu wissen, wie viele Jugendliche konsumieren und wann sie beginnen.
Worauf du bei Zahlen aus Medien achten solltest
Medienberichte verkürzen Ergebnisse. Aus „probiert“ wird schnell „konsumiert“, und aus einem Wert für eine Altersgruppe eine Aussage über alle Jugendlichen. Ein erfundenes Beispiel zeigt das Prinzip: Hat eine Befragung 100 Schülerinnen und Schüler einer einzigen Schule ausgewertet, gilt das Ergebnis für diese Schule und nicht für ein ganzes Bundesland. Eine feste Reihenfolge hilft:
- Originalbericht suchen und nicht nur die Meldung lesen.
- Befragte Gruppe, Zeitraum und Frageform notieren.
- Prüfen, ob mehrere Jahre verglichen werden können.
- Probieren, Gelegenheitskonsum und regelmäßigen Konsum auseinanderhalten.
Was du jetzt tun kannst
Beginne mit dem Originalbericht der Erhebung. Die Seite der Cannabisprävention erklärt viele Begriffe und stellt Material für Jugendliche, Eltern und Fachkräfte bereit. Einen Überblick über Befragungsergebnisse gibt der Artikel Zahlen zum Jugendkonsum, den Vergleich der Altersgruppen erklärt Konsumzahlen nach Altersgruppen. Wer sich um einen jungen Menschen sorgt, findet Hilfe bei einer Beratungsstelle vor Ort, mehr dazu im Jugendschutz-Bereich und in den Artikeln zu Politik und Forschung.
Häufige Fragen
Gibt es die eine Studie zum Cannabiskonsum von Jugendlichen?
Nein. Es gibt mehrere Befragungen, die sich in Aufbau, Altersgruppe und Zeitraum unterscheiden. Wer eine Zahl nutzt, sollte die Erhebung und das Jahr nennen. So bleibt nachvollziehbar, was die Zahl misst.
Sind die Angaben aus Jugendbefragungen anonym?
Üblich sind anonyme Fragebögen. Trotzdem sind die Zahlen Selbstauskünfte, und nicht alle Befragten geben alles an. Prüfe im Methodenteil des jeweiligen Berichts, wie die Erhebung ablief.
Wo finde ich die Originalberichte?
Die Herausgeber veröffentlichen die Berichte meist selbst. Die Pressemitteilungen und Berichte von EKOCAN liegen auf der Projektseite des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, die HBSC-Befragung stellt Sucht Schweiz vor. Lass dir den Bericht zeigen, bevor du eine Zahl aus einer Meldung übernimmst.