Was tun, wenn das eigene Kind kifft?
Wenn du herausfindest, dass dein Kind Cannabis konsumiert, fällt es schwer, ruhig zu bleiben. Viele Eltern reagieren zuerst mit Angst, Wut oder Enttäuschung. Das ist verständlich. Hilfreich ist trotzdem, zuerst Abstand zu gewinnen, die Lage zu klären und dann das Gespräch zu suchen. Dieser Ratgeber zeigt die ersten Schritte, typische Fehler und die Stellen, die dich unterstützen.
Warum zuerst Ruhe und Klarheit?
Eine spontane Reaktion im Affekt kann das Gespräch belasten. Nimm dir deshalb etwas Zeit, bevor du das Thema ansprichst.
In dieser Zeit lohnt es sich, die Fakten zu sammeln. Was hast du gesehen oder gehört? Wie oft kommt es vor? Gibt es weitere Veränderungen, etwa in der Schule, beim Schlaf oder im Freundeskreis? Notiere das sachlich, ohne zu bewerten.
Was sagt das Gesetz zu Minderjährigen?
Das Konsumcannabisgesetz erlaubt den Besitz erst ab 18 Jahren. Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, dürfen bis zu 25 Gramm besitzen (§ 3 Abs. 1 KCanG). Für Minderjährige gilt der Besitz daher nicht als erlaubt. Auch Konsumverbote in der Nähe von Minderjährigen sind geregelt (§ 5 KCanG).
Besonders wichtig ist die Weitergabe. Wer Cannabis an Kinder oder Jugendliche abgibt oder weitergibt, macht sich strafbar. Ist die weitergebende Person über 21 Jahre alt, sieht das Gesetz einen besonders schweren Fall vor, mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren (§ 34 KCanG). Als Elternteil geht es darum, dein Kind zu schützen.
Welche Risiken solltest du kennen?
Laut BIÖG sind die Risiken von Cannabis für Jugendliche besonders hoch, weil THC die Reifeprozesse im Gehirn stört. Häufiges Kiffen stört die Konzentration, was zu Problemen in Schule und Ausbildung führen kann. Menschen, die kiffen, bekommen laut BIÖG außerdem häufiger eine Psychose als Menschen, die nicht kiffen. Dieser statistische Zusammenhang belegt allerdings nicht, dass Cannabis eine Psychose verursacht.
Diese Fakten sind eine Orientierung für das Gespräch. Wenn du sie kennst, kannst du deinem Kind konkret erklären, worum du dir Sorgen machst.
Wie beginnst du das Gespräch?
Ein gutes Gespräch braucht einen ruhigen Moment und genug Zeit. Vermeide den Augenblick, in dem du gerade wütend bist. Beginne mit deiner Beobachtung und deiner Sorge, nicht mit einer Anklage.
- Wähle einen ruhigen Moment ohne Zeitdruck.
- Beschreibe, was du beobachtet hast, ohne Schlüsse zu ziehen.
- Sag, was dich sorgt, und frag, wie es deinem Kind geht.
- Höre zu und lass Pausen zu.
- Vereinbare einen nächsten Schritt, etwa einen zweiten Gesprächstermin.
Der Beitrag zum Gespräch mit dem Kind über Cannabis zeigt Formulierungen, die gut funktionieren.
Was solltest du vermeiden?
Einige Reaktionen können das Gespräch erschweren. Dazu gehören Kontrollen ohne Absprache, Drohungen, die du nicht umsetzen willst, und Vergleiche mit Geschwistern oder Freunden. Auch Schuldzuweisungen an das Kind oder an dich selbst helfen wenig.
- Drohungen aussprechen, die du nicht umsetzen kannst
- Dein Kind vor anderen bloßstellen
- Vergleiche mit anderen Kindern ziehen
- Dich allein auf Kontrolle verlassen
Wann solltest du sofort Hilfe holen?
Wenn dein Kind Suizidgedanken äußert, sich selbst verletzt, stark verwirrt wirkt oder Wahnvorstellungen beschreibt, handle sofort. Rufe in akuten Fällen den Notruf. Auch bei plötzlichem Leistungseinbruch, starkem Rückzug oder Gewalt zu Hause solltest du nicht abwarten. Schalte eine Fachstelle ein.
Bei weniger akuten Sorgen hilft eine Beratungsstelle, die Lage einzuordnen. Die Jugendberatung kennt die typischen Fragen und kann dich auch als Elternteil begleiten.
Welche Hilfen gibt es für dich?
Du musst den Weg nicht allein finden. Suchtberatungsstellen beraten Eltern, Jugendberatungen unterstützen Familien, und Online-Angebote helfen beim ersten Schritt. Die BIÖG bietet außerdem Informationen speziell für Eltern. Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer erreichst du unter 0800 111 0 550; Zeiten und Kosten stehen auf nummergegenkummer.de.
Eine ausführliche Übersicht zu den Anlaufstellen findest du im Beitrag zu Beratung für Eltern.
Welche Rolle spielt die Schule?
Die Schule ist oft der erste Ort, an dem Veränderungen auffallen. Lehrkräfte bemerken Leistungseinbrüche, Fehlzeiten oder Müdigkeit im Unterricht. Wenn du mit der Schule in Kontakt stehst, kann das ein Vorteil sein, denn gemeinsam lässt sich das Vorgehen besser abstimmen.
Beachte aber, dass Informationen aus der Schule sensibel sind. Sprich zuerst mit deinem Kind, bevor du die Schule einbeziehst, außer es besteht eine akute Gefahr. Auch Schulsozialarbeit kann eine Anlaufstelle sein, wenn dein Kind sich dort öffnen mag.
Wie bleibst du als Elternteil handlungsfähig?
Eltern geraten in dieser Situation leicht in einen Dauerzustand aus Sorge und Kontrolle. Das ist anstrengend. Plane deshalb feste Zeiten für dich, in denen du an etwas anderes denkst. Auch der Austausch mit anderen Eltern kann entlasten.
Achte darauf, dass dein Kind nicht der einzige Lebensinhalt wird. Eine stabile Eltern-Beziehung und gemeinsame Routinen geben deinem Kind Halt, auch wenn es gerade schwierig ist.
Was tust du, wenn sich wenig verändert?
Manchmal dauert es, bis ein Gespräch etwas bewirkt. Bleib in Kontakt und vereinbare kleine, überprüfbare Schritte, etwa einen Termin bei der Beratungsstelle oder eine gemeinsame Aktivität. Wenn sich über mehrere Wochen gar nichts tut, ist eine Fachberatung für die Familie der nächste Schritt.
Notiere dir die Schritte, die du unternommen hast. Das hilft dir, den Überblick zu behalten und dich nicht selbst zu überfordern.
Was du jetzt tun kannst
Nimm dir Zeit, die Fakten zu sammeln, und plane dann ein ruhiges Gespräch. Bereite deine Fragen vor und sprich bei Bedarf mit einer Beratungsstelle. Wenn du weißt, wie du Warnsignale erkennst, wirst du sicherer. Der Beitrag zu Warnsignalen bei Jugendlichen hilft dir dabei. Eine Übersicht bündelt die Themenseite Hilfe und Beratung.
Häufige Fragen
Was tun, wenn ich Cannabis bei meinem Kind finde?
Bleib zunächst ruhig und nimm das Fundstück nicht zum Anlass für einen Streit im Affekt. Sammle die Fakten, plane ein Gespräch ohne Zeitdruck und sprich deine Sorge offen an. Bei Unsicherheit hilft eine Suchtberatungsstelle oder Jugendberatung, den nächsten Schritt zu planen.
Ab wann sollte ich mir professionelle Hilfe holen?
Wenn du Veränderungen über längere Zeit beobachtest, etwa Rückzug, Leistungseinbruch oder neue Probleme in der Schule, ist eine Beratung sinnvoll. Bei Suizidgedanken, Selbstverletzung oder akuten Krisen gilt sofortiges Handeln, und der Notruf ist der richtige Weg.