Woran erkennt man Cannabiskonsum bei Jugendlichen?
Woran man Cannabiskonsum bei Jugendlichen erkennt, ist nicht immer eindeutig. Die BIÖG nennt einige kurzfristige Anzeichen, die auf Konsum hindeuten können. Sie beweisen ihn nicht, und viele Veränderungen, die Eltern auffallen, haben andere Ursachen. Dieser Ratgeber beschreibt die genannten Anzeichen, zeigt ihre Grenzen und erklärt, wie du mit einem Verdacht umgehst.
Welche Anzeichen nennt die BIÖG?
Die BIÖG führt auf ihrer Elternseite Anzeichen auf, an denen Eltern einen Konsum bemerken können:
- ein spezieller, mitunter süßlich beschriebener Rauchgeruch
- Schläfrigkeit und langsame Reaktionen
- auffallende Gesprächigkeit oder Schweigsamkeit
- übertriebene Albernheit
- gerötete oder geschwollene Augen und Mundtrockenheit
- verringerte Konzentration, verminderte Leistungsfähigkeit und Gedächtnisstörungen
- Appetitzunahme
Einzelne dieser Anzeichen können auch andere Gründe haben, etwa Müdigkeit, Allergien oder Krankheit. Sie sagen außerdem nicht, wie häufig jemand konsumiert.
Welche Veränderungen im Alltag fallen auf?
Eltern bemerken oft zusätzlich Veränderungen im Alltag: weniger Interesse an Sport oder Hobbys, nachlassende Leistungen in der Schule, neue Kontakte, ein verändertes Schlafverhalten, Gereiztheit oder unklare Ausgaben. Diese Veränderungen sind unspezifisch. Sie kommen auch bei Stress, Liebeskummer oder in der Pubertät vor und sind für sich genommen kein Hinweis auf Cannabis.
Warum beweisen einzelne Zeichen wenig?
Ein schlechter Tag, eine schlechte Note oder ein Streit mit Freunden kommen bei Jugendlichen oft vor, ohne dass Cannabis im Spiel ist. Deshalb solltest du nicht vorschnell einen Schluss ziehen, nur weil ein Zeichen auffällt.
Aussagekräftiger ist ein Muster. Wenn sich mehrere Anzeichen über einige Wochen zeigen und dein Kind sich spürbar verändert, lohnt sich ein genauer Blick. Notiere dir Beobachtungen mit Datum, dann fällt die Einordnung leichter. Hilfreich ist die Frage, ob ein Verhalten zu deinem Kind passt oder deutlich davon abweicht. Wenn sich ein sportliches Kind plötzlich vollständig zurückzieht, ist das auffälliger als allgemeine Launenhaftigkeit.
Welche Risiken nennt die BIÖG für Jugendliche?
Die BIÖG beschreibt, dass das junge Gehirn sich in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet und dass das Gedächtnis bei Konsum schlechter funktionieren kann. Im schlimmsten Fall ist der Schul- oder Berufsabschluss gefährdet. Außerdem beschreibt sie einen Zusammenhang zwischen Cannabis und der Zunahme von Psychosen. Ein statistischer Zusammenhang sagt nichts darüber, ob Cannabis bei einer einzelnen Person die Ursache war.
Wer früh einsteigt, hat laut dem Drogenlexikon von drugcom mit nachhaltigen Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zu rechnen. Das ist ein Grund, Warnsignale ernst zu nehmen, ohne in Panik zu verfallen.
Wie gehst du mit einem Verdacht um?
Ein Verdacht ist ein Anlass zum Gespräch, kein Urteil. Die BIÖG empfiehlt Eltern, vor einem Gespräch in Ruhe die eigene Haltung zu Cannabis zu überdenken und im Streit ruhig zu bleiben. Sprich deine Beobachtungen sachlich an und frag nach, wie es deinem Kind geht. Vermeide Verhöre. Wenn dein Kind abwehrt, bleib freundlich und bleib dran.
Der Beitrag zu Anzeichen bei Eltern erklärt, wie du Beobachtungen in Worte fasst. Für das Gespräch selbst gibt der Beitrag zu Gesprächen über Cannabis weitere Hilfen.
Wann solltest du Hilfe holen?
Wenn sich die Veränderungen verstärken, wenn dein Kind die Schule oder Ausbildung abbricht oder wenn du dir Sorgen um seine psychische Gesundheit machst, ist eine Beratung sinnvoll. Du kannst dich auch dann beraten lassen, wenn dein Kind nicht mitkommen möchte. Die erste Anfrage kannst du allein stellen, zum Beispiel bei einer Beratungsstelle in deiner Nähe oder online. Bei Suizidgedanken, Selbstverletzung oder akuten Krisen wählst du sofort den Notruf 112.
Welche Beratungswege gibt es für Eltern?
Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer erreichst du unter 0800 111 0 550. Auf DigiSucht können sich Eltern nach Angaben der Plattform anonym und kostenlos beraten lassen, und das Suchthilfeverzeichnis der DHS zeigt Beratungsstellen in deiner Nähe. Die BIÖG bietet auf cannabispraevention.de außerdem Informationen und Handlungstipps für Eltern an. Diese Seiten helfen, die eigenen Beobachtungen einzuordnen. Eine persönliche Beratung im Einzelfall ersetzen sie nicht.
Was du jetzt tun kannst
Halte deine Beobachtungen schriftlich fest und sprich mit deinem Kind in einem ruhigen Moment. Hol dir Unterstützung bei einer Beratungsstelle, wenn du unsicher bist. Der Beitrag zu ersten Schritten bei einem kiffenden Kind zeigt, wie du weiter vorgehst. Die Gesundheitsfolgen erklärt außerdem der Beitrag zu Gedächtnis und Schulabschluss. Eine Übersicht bietet die Themenseite Hilfe und Beratung.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass mein Kind kifft?
Es gibt keine eindeutigen Zeichen. Die BIÖG nennt unter anderem süßlichen Rauchgeruch, Schläfrigkeit, gerötete Augen und nachlassende Konzentration. Einzelne Anzeichen können andere Ursachen haben. Notiere deine Beobachtungen mit Datum, dann fällt die Einordnung leichter.
Ist Konsum immer ein Zeichen für ein Problem?
Nicht zwingend. Die BIÖG beschreibt für Jugendliche aber besonders hohe Risiken, weil sich das Gehirn noch in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet. Ob ein Problem vorliegt, zeigt sich am Muster über die Zeit. Eine Beratungsstelle hilft bei der Einschätzung.