Welche Langzeitfolgen sind belegt?
Zu den Langzeitfolgen von Cannabis gehören vor allem Veränderungen bei Psyche, Gehirn, Atemwegen und Herz-Kreislauf. Die BIÖG und das Drogenlexikon von drugcom nennen dazu konkrete Aussagen. Dazu zählen ein häufigeres Auftreten von Psychosen, eine Abhängigkeit bei etwa einer von acht Personen, die Cannabis konsumieren, und Gedächtnisprobleme bei dauerhaftem Konsum. Diese Übersicht ordnet die wichtigsten Punkte und zeigt, was du daraus für dich ableiten kannst.
Psychische Folgen
Die BIÖG-Seite beschreibt, dass Menschen, die kiffen, häufiger eine Psychose bekommen als Menschen, die nicht kiffen. Drugcom ergänzt, dass das Psychoserisiko mit der Intensität des Konsums steigt, und das BIÖG nennt hochpotentes Cannabis (THC-Anteil über 10 Prozent) als zusätzlichen Faktor. Eine Verursachung ist damit nicht bewiesen: Drugcom schreibt, es gebe keine eigenständige Cannabis-Psychose, Cannabis gelte aber als möglicher Stressfaktor bei vorhandener Anfälligkeit.
Außerdem kann sich bei dauerhaftem Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Das BIÖG nennt ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, als abhängig. Drugcom schreibt, dass sich auch eine körperliche Komponente entwickeln kann, die allerdings nicht so stark ausgeprägt ist wie bei Alkohol oder Heroin, aber sehr unangenehm sein kann.
Gehirn und Gedächtnis
Die BIÖG beschreibt Gedächtnisprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten als mögliche Folge. Drugcom spricht von schlechteren Lern- und Gedächtnisleistungen bei Dauerkonsumierenden. Das BIÖG verbindet das mit der Gefahr für das junge Gehirn, dessen Entwicklung Cannabis stören kann. Drugcom hält fest, dass nach dem derzeitigen Forschungsstand vermutlich keine substanziellen Hirnschäden anzunehmen sind und wer aufhört, mit rasch besseren Hirnleistungen rechnen kann. Es gebe aber überzeugende Belege dafür, dass ein früher Einstieg nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge hat.
Der Artikel Wie wirkt Cannabis auf Gedächtnis und Schulabschluss? vertieft diesen Punkt im Hinblick auf Schule und Ausbildung.
Lunge und Atemwege
Cannabis wird häufig mit Tabak zusammen geraucht. Drugcom schreibt, dass bei Cannabis mit Tabak die gleichen Risiken wie beim Tabakrauchen gelten. Das BIÖG ergänzt, der in Joints mitgerauchte Tabak erhöhe das Risiko, später an Lungenkrebs zu erkranken. Es gebe außerdem Hinweise auf ein höheres Risiko für Lungenschäden wie chronische Atemwegsbeschwerden, Husten und Atemnot. Drugcom betont, dass ein zweifelsfreier Nachweis für Krebserkrankungen durch Cannabisrauch allein noch aussteht.
Drugcom schreibt, alle inhalierten Fremdstoffe belasteten die Atemwege, und Cannabisrauch enthalte etwa die gleiche Menge Teer wie Tabakrauch. Der Artikel Schadet das Rauchen von Cannabis der Lunge? erklärt die Zusammenhänge genauer.
Herz und Kreislauf
Die BIÖG-Seite beschreibt, dass Cannabis das Herz-Kreislauf-System schädigen kann, etwa durch Herzrhythmusstörungen und Gefäßschäden. Drugcom nennt Studienergebnisse, die ein erhöhtes Herzinfarktrisiko im Verlauf der ersten Stunde nach dem Konsum nahelegen, und eine mögliche lebensbedrohliche Überbeanspruchung des Herzens bei vorbelasteten Personen. Weitere Studien seien nötig. Wer Herzprobleme kennt, sollte deshalb besonders vorsichtig sein und mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen. Mehr dazu steht im Artikel Hat Cannabis Auswirkungen auf Herz und Kreislauf?.
Alter und Konsumhäufigkeit
Die BIÖG-Seite fasst zusammen: Je länger und öfter man kifft und je jünger man ist, desto gefährlicher wird es für die Gesundheit. Das Risiko, abhängig zu werden, steigt laut BIÖG, wenn man ein- oder mehrmals pro Woche kifft. Der Artikel Hängt der Schaden vom Einstiegsalter ab? vertieft diesen Punkt.
Bleiben Schäden nach dem Aufhören?
Ob nach dem Aufhören kleine Beeinträchtigungen bleiben, ist laut drugcom wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt, und bei Jugendlichen ist offen, ob sich das Gehirn wieder vollständig erholt. Der Artikel Bleiben Schäden nach dem Aufhören bestehen? greift die Frage auf.
Was du daraus ableiten kannst
Die beschriebenen Folgen sind ein Anlass, den eigenen Konsum ehrlich zu prüfen. Achte auf Häufigkeit und Menge, auf Alter und auf Warnzeichen wie schlechtere Leistungen oder anhaltende Stimmungsschwankungen. Wenn du unsicher bist, hilft eine Beratung.
Was „eine von acht“ bedeutet
Die Angabe des BIÖG, dass ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig wird, ist ein Durchschnittswert. Für dich persönlich lässt sich daraus kein Einzelrisiko ablesen.
Abhängigkeit zeigt sich nicht nur an der Menge. Drugcom beschreibt, dass Betroffene das Gefühl haben, nicht mehr ohne Cannabis zurechtzukommen. Nach drugcom spielen weder Menge noch Häufigkeit die entscheidende Rolle, entscheidend sei, ob der Konsum negative Folgen hatte. Der Artikel Macht Cannabis psychisch abhängig? vertieft diesen Punkt.
Gesundheitliche Veränderungen ernst nehmen
Anhaltende Beschwerden besprichst du mit einer Ärztin oder einem Arzt, besonders wenn sie länger andauern.
Wer regelmäßig Atemwegsbeschwerden hat, lässt das ärztlich abklären. Husten und Atemnot nennt das BIÖG als mögliche Folgen, und du kannst dabei deinen Konsum offen ansprechen.
Was du jetzt tun kannst
- Prüfe, wie oft und in welcher Situation du konsumierst.
- Sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, wenn du Herz- oder Atemprobleme hast.
- Nutze eine Beratungsstelle für eine ehrliche Einschätzung deines Konsums.
- Melde dich bei Warnzeichen früh und warte nicht ab.
Für ein erstes Gespräch am Telefon erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (kostenpflichtig, täglich 8 bis 24 Uhr). Bei akuter Gefahr wählst du den Notruf 112.
Häufige Fragen
Welche Langzeitfolgen hat Cannabis?
Das BIÖG nennt ein häufigeres Auftreten von Psychosen bei Menschen, die kiffen, ohne dass eine Verursachung bewiesen ist. Laut BIÖG wird etwa eine von acht Personen abhängig. Bei Dauerkonsum leiden laut drugcom Lern- und Gedächtnisleistungen, wer aufhört, verbessert sich aber rasch. Mitgerauchter Tabak erhöht das Lungenkrebsrisiko. Herzrhythmusstörungen und Gefäßschäden werden ebenfalls genannt. Je länger und öfter man kifft und je jünger man ist, desto größer ist das gesundheitliche Risiko.