Welche Gesundheitsfolgen hat Cannabis insgesamt?
Cannabis kann die Gesundheit auf mehreren Ebenen beeinträchtigen. Die Folgen betreffen das junge Gehirn, das Gedächtnis, die Psyche und die Gefahr einer Abhängigkeit. Welche Folgen bei dir auftreten, hängt von Menge, Häufigkeit, Alter und persönlicher Vorgeschichte ab.
Dieser Überblick fasst zusammen, was die Präventionsstelle BIÖG und die Fachseite drugcom beschreiben.
Die wichtigsten Folgen auf einen Blick
Vier Bereiche stehen im Vordergrund. Sie hängen zusammen, lassen sich aber getrennt betrachten:
- Entwicklung des jungen Gehirns, die durch Konsum beeinflusst werden kann
- Gedächtnis und Lernen, mit möglichen Folgen für Schul- und Berufsabschluss
- Psyche, mit einem häufigeren Auftreten von Psychosen bei Konsumierenden
- Abhängigkeit, die sich bei dauerhaftem Konsum psychisch entwickeln kann
Gehirn und Entwicklung
Das BIÖG beschreibt, dass sich das junge Gehirn in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet. Cannabis kann diese Entwicklung beeinflussen. Das BIÖG schreibt, Jugendliche seien durchs Kiffen viel gefährdeter als Erwachsene.
Einen Blick auf die Altersfrage wirft der Artikel Bis wann ist das Gehirn in der Entwicklung?. Er erklärt, wie sich die Altersfrage einordnen lässt.
Gedächtnis und Schulabschluss
Das BIÖG nennt eine konkrete Gefahr: Das Gedächtnis kann sich verschlechtern, sodass Schul- oder Berufsabschlüsse gefährdet sein können. Drugcom ergänzt, dass ein früher Einstieg nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge haben kann. Das ist für Lernende eine der wichtigsten Warnungen überhaupt.
Wie sich das im Alltag zeigt und was du prüfen kannst, erklärt der Artikel Wie wirkt Cannabis auf Gedächtnis und Schulabschluss?.
Psyche und Psychose
Nach Aussage des BIÖG treten Psychosen bei Menschen, die Cannabis konsumieren, häufiger auf als bei Menschen, die nicht kiffen. Die Häufigkeit gibt dieser Überblick nicht genauer an. Als Beispiel für Wahnvorstellungen nennt das BIÖG, sich verfolgt zu fühlen, obwohl niemand hinter einem her ist.
Bei akuten Beschwerden dieser Art ist eine ärztliche Abklärung wichtig. Mehr zu den Warnzeichen liest du im Artikel Welche Warnzeichen sprechen für eine Psychose?.
Abhängigkeit
Laut BIÖG entwickelt etwa jede achte Person, die Cannabis konsumiert, eine Abhängigkeit. Drugcom beschreibt, dass sich bei dauerhaftem Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln kann. Das bedeutet, dass der Konsum trotz des Wunsches, aufzuhören, immer wieder stattfindet und wichtige Lebensbereiche verdrängt.
Wie du eine beginnende Abhängigkeit erkennst, steht im Artikel Woran erkennt man eine Cannabisabhängigkeit?. Die Fragen dort helfen bei der Selbsteinschätzung.
Atemwege, Herz, Schwangerschaft und weitere Folgen
Neben den vier Bereichen beschreiben die Fachstellen weitere Befunde.
- Atemwege: Nach drugcom gibt es noch keine eindeutigen Belege, dass das Rauchen von Cannabis vermehrt zu Atemwegserkrankungen führt. Cannabisrauch enthält etwa die gleiche Menge Teer wie Tabakrauch, und wird Cannabis mit Tabak gemischt, bestehen die Risiken des Tabakrauchens.
- Herz und Kreislauf: Bisherige Studien legen ein erhöhtes Herzinfarktrisiko in der ersten Stunde nach dem Konsum nahe, weil Cannabis die Herzfrequenz erhöhen kann. Drugcom betont, dass weitere Studien nötig sind.
- Schwangerschaft: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen rät bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit, auf den Konsum von Cannabis zu verzichten.
- Motivation: Ein dauerhaftes amotivationales Syndrom gilt laut Sucht Schweiz als nicht bestätigt, während eines Rausches kann Cannabis die Motivation aber dämpfen.
Die Studienlage ist in diesen Bereichen teils unklar.
Bei Beschwerden ist eine ärztliche Einschätzung der richtige Weg.
Früher Einstieg und Verlauf
Ein früher Einstieg ist nach drugcom besonders problematisch, weil er nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistung zur Folge haben kann. Auch der Verlauf zählt, denn ein langer Konsumverlauf erhöht das Risiko für Folgen. Mehr dazu erklärt der Artikel Welche Folgen hat ein früher Einstieg in den Konsum?.
Wie Menge und Dauer das Bild verändern
Laut BIÖG wird es für die Gesundheit gefährlicher, je länger und öfter man kifft und je jünger man ist. Wer einmal an einem Joint zieht, wird demnach nicht sofort abhängig.
Drugcom beschreibt die psychische Abhängigkeit als Folge dauerhaften Konsums. Wer den Konsum über Monate fortsetzt, obwohl er Probleme verursacht, sollte deshalb nicht bis zur nächsten Krise warten.
Wer stärker gefährdet ist
Nicht jede Person mit Cannabiskonsum entwickelt Probleme. Drugcom beschreibt, dass die Gefahr, abhängig zu werden, nicht für alle gleich ist: Psychosoziale Risikofaktoren und psychische Probleme wie Depressionen oder Angstsymptome erhöhen sie.
Mehr dazu erklärt der Artikel Welche Schutzfaktoren gibt es gegen Risikokonsum?.
Mischkonsum als zusätzlicher Faktor
Cannabis und Alkohol zusammen belasten laut cannabispraevention.de den Kreislauf stark und führen oft zu Übelkeit und Erbrechen. Feel-ok.ch schreibt, dass sich die einzelnen Drogenwirkungen gegenseitig verstärken können. Bei Mischkonsum von Alkohol und Cannabis ist die Teilnahme am Straßenverkehr laut drugcom komplett verboten. Die Einzelheiten stehen im Artikel Was passiert, wenn Cannabis und Alkohol zusammen konsumiert werden?.
Was du mit diesen Informationen anfangen kannst
Die Folgen sind keine Prognose für jede Person. Sie zeigen Risiken, die bei bestimmten Mustern wahrscheinlicher werden. Wer sie kennt, kann früher reagieren, und genau darin liegt der Nutzen der Aufklärung.
- Achte auf Veränderungen bei Gedächtnis, Konzentration und Schulleistung.
- Beobachte Stimmung, Schlaf und Rückzug aus Freundschaften.
- Zähle, wie oft du konsumierst, und vergleiche die Zahl über mehrere Wochen.
Wenn zwei oder mehr dieser Punkte auf dich zutreffen, lohnt sich ein Gespräch mit einer Beratungsstelle oder einer Ärztin.
Warum ein Überblick allein nicht reicht
Ein Überblick wie dieser ersetzt keine persönliche Beratung. Die Folgen wirken bei jedem Menschen anders, und Lebensumstände, Vorerkrankungen und Konsumform verändern das Bild. Wer unsicher ist, sollte deshalb mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Suchtberatungsstelle sprechen. Allein auf Zahlen zu bauen wäre ein Fehler.
Gesundheit ist mehr als ein einzelner Wert. Wer Schlaf, Bewegung, Ernährung und soziale Kontakte im Blick behält, schützt sich zusätzlich.
Gesundheit im Blick behalten
Regelmäßige Selbstchecks helfen, Veränderungen früh zu bemerken. Eine Notiz zu Stimmung, Schlaf und Leistungen kann helfen, Veränderungen zu bemerken. Bei auffälligen Veränderungen ist eine Ärztin oder ein Arzt der richtige Ansprechpartner.
Eine Frage an dich selbst
Frag dich, was dir der Konsum aktuell bringt und was er dich kostet. Die ehrliche Antwort zeigt, wo eine Veränderung sinnvoll sein könnte.
Wo du Hilfe bekommst
Wenn du dir Sorgen um deine Gesundheit oder die eines Menschen in deinem Umfeld machst, ist eine Suchtberatungsstelle eine gute erste Anlaufstelle. Das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zeigt Angebote in deiner Nähe. Bei körperlichen oder psychischen Beschwerden gehört die Ärztin oder der Arzt an den Anfang.
Häufige Fragen
Welche Gesundheitsfolgen hat Cannabis?
Die Folgen betreffen das junge Gehirn, das Gedächtnis, die Psyche und die Abhängigkeit. Laut BIÖG kann das Gedächtnis schlechter funktionieren, und Psychosen treten bei Konsumierenden häufiger auf. Laut BIÖG entwickelt etwa jede achte Person, die konsumiert, eine Abhängigkeit. Ein früher Einstieg kann nach drugcom die kognitive Leistung nachhaltig beeinträchtigen.
Was ist zu Herz, Atemwegen und anderen Langzeitfolgen bekannt?
Zu Gedächtnis, Psyche und Abhängigkeit nennen BIÖG und drugcom klare Aussagen. Zu Atemwegen und Herz-Kreislauf-System beschreibt drugcom die Studienlage als nicht eindeutig, weitere Studien seien nötig. Bei Beschwerden hilft eine Ärztin oder ein Arzt.