Was tun, wenn Bruder oder Schwester kiffen?
Wenn dein Bruder oder deine Schwester kifft, bist du oft mittendrin, ohne dass es jemand so nennt. Viele Geschwister spüren Sorgen, Streit oder Veränderungen im Familienalltag, und sie wissen nicht, ob sie sich einmischen dürfen. Die Suchtberatung DigiSucht nennt Geschwister ausdrücklich unter den Menschen, die von der Suchterkrankung einer nahestehenden Person stark belastet sein können. Du bist also nicht übertrieben, wenn du dir Sorgen machst.
Warum Geschwister mitbetroffen sind
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) beschreibt, dass Sucht nicht nur die betroffene Person betrifft. Mitbetroffen sind auch Angehörige, enge Freundinnen und Freunde sowie Kolleginnen und Kollegen. Geschwister nennt DigiSucht ausdrücklich. Ob das Kiffen deines Geschwisterkinds schon eine Sucht ist, kannst du nicht beurteilen; das klärt eine Fachstelle. Geschwister erleben die Familie aus einer eigenen Perspektive. Sie können sich zurückziehen, Verantwortung übernehmen oder den Konflikt meiden. Alles davon ist eine Reaktion auf eine belastende Lage.
Die DHS nennt außerdem wechselnde Stimmungen, Aggressivität und Unzuverlässigkeit als Belastungen, die nahe Angehörige häufig erleben. Wenn du dich davon erschöpft fühlst, ist das kein Zeichen von Schwäche.
Was du tun kannst, wenn du dir Sorgen machst
Du musst nicht den großen Plan haben. Oft hilft schon ein kurzes Gespräch, in dem du sagst, was du beobachtest und wie es dir damit geht. Vermeide Sätze, die nach Urteil klingen. Ein Satz wie „Ich mache mir Sorgen, weil du dich zurückziehst“ öffnet eher eine Tür als ein Vorwurf.
- Sprich ruhig und zu einem Zeitpunkt, an dem ihr beide nicht gestresst seid.
- Sag, was du beobachtest, und frag, wie die andere Person es sieht.
- Lege eigene Grenzen fest, etwa wenn du nicht als Ausrede oder Vermittler herhalten willst.
- Erkenne an, dass die Veränderung von der betroffenen Person selbst kommen muss.
Der Artikel Wie spreche ich mit meinem Kind über Cannabis? enthält Gedanken zum Gespräch, die sich auch zwischen Geschwistern übertragen lassen.
Eltern einbeziehen, ohne dich zu verlieren
Du musst nicht allein entscheiden, was in der Familie passiert. Wenn die Eltern informiert sind, können sie Entscheidungen mittragen. Gleichzeitig bist du nicht verpflichtet, die Rolle der Vermittlung zu übernehmen. Wenn dir das zu viel wird, sag das offen.
Wenn du bei den Eltern nicht durchdringst, kannst du trotzdem eigene Hilfe suchen. Der Artikel Warum brauchen auch Angehörige eigene Beratung? erklärt, warum sich das lohnt.
Wo du eigene Beratung findest
Suchtberatungsstellen beraten auch Angehörige und Mitbetroffene. Die DHS weist darauf hin, dass dort offene Fragen geklärt werden können, telefonisch, online oder vor Ort. Laut DHS ist das Angebot unverbindlich.
DigiSucht bietet außerdem eigene Seiten für Angehörige an. Dort findest du Informationen, wie du mit der Situation umgehen kannst. Eine Übersicht über passende Stellen bietet der Artikel Wo finden Angehörige Beratung bei Cannabiskonsum?.
Wenn du selbst in Schwierigkeiten gerätst
Manchmal reicht Beratung nicht, etwa wenn du selbst Schlafprobleme, Angst oder Niedergeschlagenheit spürst. Dann sprich mit deiner Hausarztpraxis. Bei Gedanken, dir selbst etwas anzutun, holst du sofort Hilfe, über den Notruf oder über eine Krisenstelle in deiner Nähe.
Prävention in der Familie
Offene Gespräche helfen, bevor Probleme groß werden. Wer weiß, wie Cannabis Gehirn, Konzentration und Schule beeinflussen kann, kann sachlicher reden. Der Artikel Schadet Cannabis dem jungen Gehirn? bietet dafür Fakten, besonders wenn jüngere Geschwister betroffen sind.
Was du den Eltern sagen kannst
Wenn du deine Eltern informieren willst, nenne konkrete Beobachtungen. Erzähle zum Beispiel, wann dir etwas aufgefallen ist und wie sich dein Geschwisterkind verändert hat. Sag auch, was du selbst brauchst, etwa Entlastung im Alltag oder einen ruhigen Abend ohne Streit. Das macht es den Eltern leichter zuzuhören, und es schützt dich davor, zwischen den Fronten aufgerieben zu werden.
Schreibe dir vor dem Gespräch zwei Sätze auf, die deine Sorge in eigenen Worten beschreiben. So fällt es leichter, ruhig zu bleiben, auch wenn das Gegenüber abwehrt.
Deine nächsten Schritte
- Notiere, was dich am meisten belastet, und mit wem du darüber sprechen willst.
- Führe ein ruhiges Gespräch mit deinem Geschwisterkind, ohne Urteil und mit klaren Grenzen.
- Suche für dich eine Beratungsstelle, wenn die Situation dich über längere Zeit belastet.
Eine Übersicht über alle Angebote gibt die Seite Hilfe und Beratung.
Häufige Fragen
Sind auch Geschwister von der Sucht eines Bruders oder einer Schwester betroffen?
Ja. Die DHS beschreibt auch nahestehende Personen wie Angehörige als Mitbetroffene. DigiSucht nennt Geschwister ausdrücklich unter den Menschen, die stark belastet sein können. Deine Sorgen sind deshalb begründet, und du darfst dir Unterstützung suchen.
Wie spreche ich mit meinem Geschwisterkind über den Cannabiskonsum?
Sprich ruhig und ohne Vorwürfe. Beschreibe, was du beobachtest und wie es dir damit geht. Frag nach, wie die andere Person die Lage sieht. Die Entscheidung, etwas zu ändern, liegt bei ihr selbst. Lege eigene Grenzen fest.
Wo bekomme ich als Geschwister Beratung?
Suchtberatungsstellen beraten auch Angehörige und Mitbetroffene. Die DHS nennt telefonische und Online-Beratung sowie Beratung vor Ort. Das Angebot ist unverbindlich. Auch DigiSucht bietet Informationen für Angehörige an.