Was tun, wenn mein Partner Cannabis konsumiert?
Wenn dein Partner Cannabis konsumiert, kann das dein Zusammenleben stark verändern. Hilfreich sind drei Schritte: ein ruhiges Gespräch ohne Vorwürfe, klare eigene Grenzen und Unterstützung für dich selbst, zum Beispiel durch eine Beratung für Angehörige. Dieser Ratgeber zeigt, wie du das Thema angehst, wo deine Grenzen liegen und wann eine Beratung sinnvoll ist.
Was ist dein Anteil an der Situation?
Du bist nicht dafür verantwortlich, ob dein Partner konsumiert. Du kannst aber entscheiden, wie du darauf reagierst. Diese Unterscheidung hilft, Schuldgefühle abzubauen und den Blick auf das Eigene zu richten. Was willst du, was brauchst du, und was kannst du tragen?
Viele Partnerinnen und Partner geraten in eine Rolle als Kontrolleur, Aufpasser oder Vermittler. Das kann sehr belasten und ändert den Konsum nicht automatisch. Eine klare eigene Haltung schützt dich davor, dich dauerhaft zu verausgaben.
Wie führst du ein Gespräch über den Konsum?
Sprich das Thema in einer ruhigen Situation an, nicht im Streit. Beschreibe, was du beobachtest und wie es dir damit geht. Vermeide Vorwürfe und Verallgemeinerungen wie „du kiffst immer“.
- Wähle einen Zeitpunkt, an dem beide nüchtern und ausgeruht sind.
- Sag, was dich belastet, in Ich-Form.
- Frag, wie dein Partner die Situation sieht.
- Höre zu, auch wenn dir die Antwort nicht gefällt.
- Vereinbart, worüber ihr weiter sprechen wollt.
Ein Gespräch muss nicht sofort zu einer Lösung führen. Es reicht, wenn beide die Sorgen gehört haben und ein nächster Termin vereinbart ist.
Welche Grenzen kannst du setzen?
Grenzen beschreiben, was du tust, wenn etwas für dich nicht mehr geht. Sie sind keine Strafe für deinen Partner. Überlege, was für dich akzeptabel ist, etwa Konsum außerhalb der Wohnung, oder dass du nicht Zeuge von Konsum sein willst.
- Konsum nicht in gemeinsamen Räumen oder vor Kindern
- Kein Fahren unter Einfluss, auch nicht im Umfeld
- Keine Geldausgaben, die dein gemeinsames Budget belasten
- Deine eigene Zeit, die du ohne Konsum verbringen willst
Sprich Grenzen klar aus und setze sie auch um. Wer Grenzen nur ausspricht, aber nicht einhält, verliert an Glaubwürdigkeit.
Gibt es Regeln bei Kindern im Haushalt?
Wenn Kinder im Haushalt leben, gelten besondere Regeln. Nach § 5 KCanG ist Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Personen unter 18 Jahren verboten. Das betrifft also auch den Konsum zu Hause, wenn Kinder anwesend sind. Achte darauf, dass dein Partner diese Regel kennt und einhält.
Wenn du dir hier unsicher bist, hilft eine Beratungsstelle, die Situation einzuschätzen. Eine Übersicht zu den Konsumverboten bietet der Beitrag zum Konsumverbot in Gegenwart von Minderjährigen.
Wann ist Beratung für dich sinnvoll?
Beratung ist sinnvoll, wenn der Konsum den Alltag dominiert, wenn du dich ängstigst oder wenn du zunehmend kontrollierst. Nach Angaben des Drogenbeauftragten der Bundesregierung gibt es in fast jeder Stadt Beratungsstellen für Menschen mit Suchtproblemen und für Angehörige. Dort geht es um deine Situation und nicht darum, den Konsum deines Partners zu bewerten.
Mehrere Wege stehen dir offen: DigiSucht ist laut Anbieter kostenfrei und auf Wunsch anonym und steht auch Menschen offen, aus deren Umfeld jemand betroffen ist. Die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 richtet sich laut Drogenbeauftragtem auch an Angehörige, Freunde und Kollegen und kostet 20 Cent pro Anruf. Beratungsstellen vor Ort findest du im Suchthilfeverzeichnis der DHS. Außerdem gibt es nach Angaben des Drogenbeauftragten rund 8.700 Selbsthilfegruppen für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen. Dort kannst du Erfahrungen mit anderen teilen.
Wann solltest du sofort handeln?
Wenn dein Partner Suizidgedanken äußert, sich verletzt, gewalttätig wird oder in einen akuten Notfall gerät, ist sofortiges Handeln nötig. Rufe dann den Notruf oder wende dich an eine Notfallstelle. Dein eigener Schutz geht in solchen Momenten vor.
Auch wenn du Angst hast, dass dein Partner sich oder anderen schadet, solltest du nicht abwarten. Eine Beratungsstelle oder die Polizei kann in akuten Fällen helfen.
Wie gehst du mit Geldfragen um?
Cannabis kostet Geld, und in manchen Partnerschaften wird das zum Streitpunkt. Wer mehr ausgibt, als gemeinsam vereinbart ist, belastet das Vertrauen. Sprecht darüber, welche Beträge für den Konsum vertretbar sind und wie das gemeinsame Budget aussieht. Schreibt eine kurze Übersicht, wenn das hilft.
Wenn du finanziell eingebunden bist, etwa bei gemeinsamen Konten oder Krediten, sprich das früh an. Eine Beratung kann helfen, die Lage realistisch einzuschätzen.
Welche Rolle spielt Schweigen in der Beziehung?
Viele Partnerinnen schweigen aus Angst vor Streit. Das Schweigen hilft aber selten. Es führt eher dazu, dass Probleme sich aufstauen und sich beide einsam fühlen. Ein kurzes, ehrliches Wort wie „Mich belastet das gerade“ öffnet die Tür, ohne einen Konflikt auszulösen.
Achte darauf, dass du nicht ständig Rücksicht nimmst, um Ruhe zu haben. Das ist auf Dauer erschöpfend und hilft weder dir noch deinem Partner.
Was du jetzt tun kannst
Überleg dir, was du in dieser Beziehung brauchst, und schreib deine Grenzen auf. Sprich dann in einem ruhigen Moment mit deinem Partner. Wenn du Unterstützung suchst, findest du im Beitrag zu Online-Beratung oder Beratungsstelle vor Ort einen Überblick. Auch der Beitrag zu Umgang mit Menschen, die weiter konsumieren hilft, wenn das Umfeld Druck macht. Die Themenseite Hilfe und Beratung bündelt alle Angebote.
Häufige Fragen
Was kann ich tun, wenn mein Partner Cannabis konsumiert und ich mir Sorgen mache?
Sprich das Thema in einer ruhigen Situation an und beschreibe deine Beobachtungen in Ich-Form. Kläre, welche Grenzen für dich gelten. Eine Beratungsstelle unterstützt dich als Angehörige, auch wenn dein Partner nicht mitkommt. Bei akuter Gefahr hilft der Notruf.
Darf in der Wohnung mit Kindern gekifft werden?
In Gegenwart von Minderjährigen nicht. Nach § 5 KCanG ist der Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Personen unter 18 Jahren verboten. Das gilt auch zu Hause, wenn Kinder anwesend sind. Sprich mit deinem Partner klare Regeln ab und hol dir bei Unsicherheit Beratung.