Wie bereiten Lehrkräfte Klassenfahrten zu Cannabis vor?
Vorfälle lassen sich auf einer Klassenfahrt nicht ausschließen, aber vorbereiten: mit schriftlichen Regeln, informierten Begleitpersonen und Eltern und einem festen Ablauf für den Ernstfall. Die Fachseite cannabispraevention.de verlangt dafür ein suchtpräventives Konzept für Klassenfahrten und Ausflüge und nennt Klassenfahrt-Konsum als Situation, in der Eltern umgehend zu informieren sind. Das Konsumcannabisgesetz setzt den rechtlichen Rahmen, den alle Begleitpersonen kennen sollten.
Der rechtliche Rahmen für Begleitpersonen
Cannabis darf in unmittelbarer Gegenwart von Personen unter 18 Jahren nicht konsumiert werden (§ 5 Abs. 1 KCanG). Diese Regel betrifft auch Begleitpersonen, also Lehrkräfte und externe Betreuungspersonen. Der Besitz von Cannabis ist erst ab 18 Jahren erlaubt, und dann bis zu 25 Gramm (§ 3 Abs. 1 KCanG); für Schülerinnen und Schüler unter 18 gilt diese Erlaubnis nicht. Das Abgeben und Weitergeben von Cannabis ist strafbar (§ 34 KCanG). Diese Regeln gehören in jede Vorbesprechung, bevor die Fahrt beginnt.
Regeln schriftlich festlegen
Schreibe die Regeln für die Fahrt in einem kurzen Dokument fest. Es sollte klar sagen, was erlaubt ist und was nicht, und welche Folgen ein Verstoß nach der Schulordnung hat. Die Schulordnung ist die Grundlage für alle Regeln an der Schule. Nach cannabispraevention.de können Schulen darin auch erwachsenen Schülerinnen und Schülern die Mitnahme von Substanzen untersagen, und die Regeln müssen für die gesamte Schule gelten. Wie man Regeln zu Cannabis dort verankert, erklärt der Artikel Wie formuliert man Schulregeln zu Cannabis?.
Begleitpersonen einbinden
Alle Begleitpersonen sollten die Regeln kennen, bevor die Fahrt beginnt. Das gilt auch für externe Betreuerinnen und Betreuer, denn sie brauchen dieselben Informationen wie die Lehrkräfte. Ein kurzes Briefing vor der Abfahrt reicht oft aus, um Unklarheiten zu klären. Wird auf der Fahrt gekifft, mitgebrachte Drogen entdeckt oder damit gehandelt (Abgabe gegen Entgelt oder Dienstleistung), sind die Eltern nach der Fachseite umgehend zu informieren; diese Regel sollte vorher allen bekannt sein. Wer Jugendfreizeiten begleitet, findet im Artikel Dürfen Betreuer bei Jugendfreizeiten Cannabis konsumieren? weitere Antworten.
Eltern rechtzeitig informieren
Eltern sollten die Regeln der Fahrt kennen, bevor die Kinder abfahren. Ein Elternbrief mit den wichtigsten Punkten schafft Transparenz. Er sollte sachlich formuliert sein und keine Panik auslösen. Zu den Inhalten gehören der Hinweis auf das Konsumverbot in Gegenwart Minderjähriger, die Regel zur Weitergabe und die Ansprechpersonen während der Fahrt. Die Regel zur Gegenwart Minderjähriger erklärt auch der Artikel Darf man in Gegenwart von Minderjährigen kiffen?.
Vorfälle vorbereiten
Trotz guter Planung kann ein Vorfall passieren. Dafür braucht es einen Ablauf. Notiere, wer informiert wird, wer die Schulleitung vertritt und welche Stelle vor Ort erreichbar ist. Der Artikel Wie geht eine Schule nach einem Vorfall vor? beschreibt die Schritte. Wichtig ist, dass die betroffene Schülerin oder der betroffene Schüler nicht allein gelassen wird. Eine Telefonliste mit den Nummern aller Begleitpersonen gehört dazu, und die Schulleitung sollte sie kennen.
Prävention während der Fahrt
Gespräche über Gesundheit gehören auch auf die Fahrt. Nach Angaben von cannabispraevention.de sind die Risiken für Jugendliche besonders hoch. Ein kurzer Austausch über Gruppendruck und über die eigenen Grenzen ist deshalb ein sinnvoller Teil der Vorbereitung. Eine Begleitperson kann das Gespräch anstoßen, ohne zu belehren. Wer sich bei einem Thema unsicher fühlt, nimmt die Frage mit in die Nachbesprechung. Fragen sollten offen gestellt werden, damit Jugendliche antworten können, ohne Angst vor Strafe zu haben.
Zeitplan der Vorbereitung
Die Planung braucht Zeit. Ein realistischer Ablauf beginnt mehrere Monate vor der Fahrt. Zuerst werden Ziele und Rahmen festgelegt, dann Regeln und Begleitpersonen, danach die Information der Eltern. In der letzten Woche vor der Abfahrt findet eine kurze Abstimmung mit allen Begleitpersonen statt, bei der die Telefonnummern der Schule und die Ansprechpersonen vor Ort noch einmal geprüft werden.
- Ziele, Ort und Programm festlegen.
- Regeln für die Fahrt schriftlich formulieren.
- Begleitpersonen briefen und Verantwortlichkeiten verteilen.
- Eltern informieren und Rückfragen klären.
- Kurz vor der Abfahrt die Notfallkontakte prüfen.
Gruppenregeln im Alltag der Fahrt
Im Alltag der Fahrt zeigt sich, ob die Regeln tragen. Abendliche Treffen und freie Zeit können Momente sein, in denen Gruppendruck entsteht. Eine feste Zeit für den Abendcheck, klare Schlafzeiten und ein fester Ansprechpartner pro Zimmer oder Gruppe schaffen Struktur. Wer merkt, dass sich ein Kind verändert, spricht das früh an und wartet nicht bis zur Heimfahrt.
Nach der Fahrt auswerten
Werte die Fahrt mit den Begleitpersonen aus. Was hat funktioniert, wo gab es Lücken? Notiere die Erkenntnisse für die nächste Planung. Auch die Begleitpersonen sollten ihre Eindrücke schriftlich festhalten, bevor der Alltag sie überlagert. So wird aus einem einzelnen Vorfall oder einer ruhigen Fahrt ein Lernprozess für die ganze Schule.
Häufige Fragen
Gilt das Cannabisverbot auch für Lehrkräfte auf Klassenfahrt?
Das Konsumverbot in unmittelbarer Gegenwart von Personen unter 18 Jahren gilt nach § 5 Abs. 1 KCanG für jede Person, die konsumiert. Auf Klassenfahrten kommt es deshalb auf die Anwesenheit Minderjähriger an. Wer unsicher ist, klärt die Regel vorab mit der Schulleitung und sagt sie allen Begleitpersonen klar an.
Was ist bei Klassenfahrten mit Minderjährigen besonders wichtig?
Besonders wichtig ist eine klare Regel, die vor der Fahrt allen bekannt ist. Dazu gehören Begleitpersonen, Eltern und Schülerinnen und Schüler. Das Abgeben und Weitergeben ist nach § 34 KCanG strafbar, und das Konsumverbot in Gegenwart Minderjähriger gilt nach § 5 KCanG. Ein Ablauf für Vorfälle ergänzt die Regel sinnvoll.