Welche Regeln sind für Familien mit Cannabis sinnvoll?
Sinnvoll sind wenige, klare Familienregeln, die sich am Gesetz orientieren und für Kinder nachvollziehbar sind. Dazu gehören kein Konsum in Gegenwart von Kindern, keine Weitergabe an Dritte und eine Aufbewahrung, die Kinder nicht erreichen. Hinzu kommen Regeln für Freunde, für Fahrten und für den Fall, dass etwas schiefgeht.
Warum Regeln Orientierung geben
Kinder brauchen verlässliche Grenzen, auch wenn sie sich oft dagegen wehren. Eine Regel, die erklärt ist und immer gilt, nimmt Verhandlungsspielraum und Streit heraus. Wer hingegen jede Frage neu entscheidet, überfordert das Kind und sich selbst. Deshalb ist es sinnvoll, die Regeln vorab festzulegen und nicht erst im Konfliktfall.
Der gesetzliche Rahmen
Ein Teil der Familienregeln ist durch das Konsumcannabisgesetz vorgegeben. Die wichtigsten Punkte:
- Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum ist Personen ab 18 Jahren erlaubt (§ 3 Abs. 1 KCanG).
- Privater Eigenanbau ist Personen ab 18 Jahren für insgesamt nicht mehr als drei Cannabispflanzen gleichzeitig erlaubt (§ 9 Abs. 1 KCanG).
- Cannabis aus dem privaten Eigenanbau darf nicht an Dritte weitergegeben werden (§ 9 Abs. 2 KCanG).
- Der Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Personen unter 18 Jahren ist verboten (§ 5 Abs. 1 KCanG).
Diese Punkte bilden die Grundlage. Familienregeln können sie konkretisieren, aber nicht aufheben. Cannabis und Vermehrungsmaterial sind am Wohnsitz durch geeignete Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen vor dem Zugriff durch Dritte, insbesondere Kinder und Jugendliche, zu schützen (§ 10 KCanG). Bei Anbauvereinigungen verlangt das Gesetz ausdrücklich einen Schutz gegen unbefugten Zugriff, vor allem durch Kinder und Jugendliche (§ 22 Abs. 1 KCanG).
Regel 1: Kein Konsum in Gegenwart von Kindern
Die wichtigste Regel betrifft das unmittelbare Umfeld. Der Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Personen unter 18 Jahren ist nach § 5 Abs. 1 KCanG verboten. Für die Familie heißt das: Kinder sollten den Konsum nicht miterleben. Wie weit „unmittelbare Gegenwart“ im Einzelfall reicht, entscheiden Behörden und Gerichte. Formuliert die Regel deshalb vorsichtig und konkret. Das BIÖG rät außerdem, das Zuhause zur cannabisfreien Zone zu erklären.
Regel 2: Aufbewahrung außer Reichweite
Cannabis und Eigenanbau gehören in einen Bereich, der für Kinder nicht zugänglich ist. Die Regel betrifft auch Zubehör und Pflanzen. Wer Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon hat, sollte gemeinsam festlegen, wie der Zugang gesichert wird und wer den Schlüssel hat. Eine Regel dieser Art ist unabhängig davon sinnvoll, ob ein Kind bisher Interesse gezeigt hat.
Regel 3: Keine Weitergabe an Freunde
Das Gesetz verbietet die Weitergabe von Cannabis aus dem privaten Eigenanbau an Dritte (§ 9 Abs. 2 KCanG). Wer Cannabis an Minderjährige abgibt oder weitergibt, macht sich strafbar (§ 34 Abs. 1 Nr. 7 KCanG). Bei einer Person über 21 Jahre liegt in der Regel ein besonders schwerer Fall vor (§ 34 Abs. 3 KCanG). Für Familien heißt das: Auch Freunde des Kindes dürfen nichts aus dem Haushalt mitnehmen. Diese Regel sollte jeder im Haushalt kennen, auch Großeltern oder Babysitter.
Regel 4: Konsum und Verkehr
Eine Regel zum Straßenverkehr ist spätestens dann nötig, wenn ein Kind den Führerschein macht. Für Autofahrten gelten folgende Grenzen: 0,5 Promille Alkohol im Blut (§ 24a Abs. 1 StVG) und 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum (§ 24a Abs. 1a StVG). Wer mit 3,5 Nanogramm THC oder mehr fährt und dazu Alkohol trinkt, begeht eine eigene Ordnungswidrigkeit (§ 24a Abs. 2a StVG). Laut BIÖG gilt für unter 21-Jährige und in der Probezeit im Straßenverkehr ein vollständiges Cannabisverbot. Die Familienregel lautet deshalb: Wer konsumiert hat, fährt nicht, und wer fahren soll, bekommt von niemandem einen Konsum angeboten.
Regel 5: Anrufen ohne Angst vor Strafe
Die vielleicht wichtigste Regel ist eine, die Kinder schützt: Sie können dich anrufen, wenn sie in einer Situation stecken, die sie nicht allein lösen. Dazu gehören Fahrten mit einem betrunkenen oder bekifften Fahrer, Probleme mit Freunden oder eine Lage, in der sie nicht mehr ansprechbar sind. Wichtig ist, dass du in diesem Moment zuerst hilfst und das Gespräch später führst.
Wie Regeln verlässlich werden
- Wenige Regeln: Fünf klare Punkte sind besser als zwanzig, die niemand behält.
- Erklären: Sag dem Kind, warum die Regel gilt. Die Präventionsseite betont, dass das junge Gehirn in der Entwicklung ist und Cannabis dort riskant ist.
- Gemeinsam erarbeiten: Wer bei einer Regel mitreden konnte, versteht sie meist besser und kann sie leichter erklären.
- Konsequenzen vorher nennen: Was passiert, wenn eine Regel übergangen wird, sollte im Voraus stehen und nicht im Ärger entschieden werden. Körperliche Gewalt und Drohungen sind laut BIÖG keine geeigneten Konsequenzen.
- Überprüfen: Setzt euch nach einigen Wochen zusammen und prüft, ob die Regeln im Alltag passen.
Typische Fehler
Häufig scheitern Familienregeln an drei Dingen. Erstens an zu vielen Regeln, die niemand einhält. Zweitens an wechselnden Regeln, bei denen das Kind nicht weiß, woran es ist. Drittens an Regeln ohne Erklärung, die das Kind als reine Machtfrage erlebt. Jeder dieser Fehler lässt sich mit einem gemeinsamen Gespräch vermeiden.
Besuch, Feiern und Übernachtungen
Regeln für Besuch sind im Familienalltag oft die schwierigsten. Legt fest, wer bei Feiern im Haus sein darf, ab welchem Alter Übernachtungen erlaubt sind und welche Kontaktdaten die Eltern der Freunde kennen. Wenn Erwachsene als Gäste Cannabis mitbringen, gilt für sie dieselbe Regel zum Konsum in Gegenwart von Kindern. Das sollte vorab besprochen werden, damit niemand überrascht wird.
Bei Feiern mit Alkohol bleibt die Absprache zum Fahren ein zentraler Punkt. Ein Kind, das abends abgeholt werden muss, sollte eine Nummer haben, unter der es anrufen kann, ohne Vorwürfe befürchten zu müssen.
Was du jetzt tun kannst
- Schreibt die Regeln gemeinsam auf, mit den gesetzlichen Punkten als Rahmen.
- Erklärt jede Regel in einem Satz, der zum Alter des Kindes passt.
- Legt die Konsequenzen fest, bevor der erste Verstoß passiert.
- Sprecht vereinbarte Regeln auch mit anderen Erwachsenen im Umfeld ab, etwa Großeltern.
- Überprüft die Regeln nach einigen Wochen und passt sie an.
Wie du die Haltung der Eltern abstimmst, zeigt der Artikel Sollten sich Eltern bei Cannabis einig sein? Die gesetzlichen Grundlagen im Bereich Jugendschutz erklärt die Übersicht unter Jugendschutz. Bei Fragen zur Erziehung hilft das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550.
Häufige Fragen
Welche Regel ist bei Cannabis in der Familie am wichtigsten?
Die wichtigste Regel betrifft den Konsum in Gegenwart von Kindern. Dieser ist nach § 5 Abs. 1 KCanG verboten. Ergänzend sollten Aufbewahrung, Weitergabeverbot und die Regel zum Autofahren festgelegt werden. Die Regeln wirken am besten, wenn sie erklärt und gemeinsam vereinbart sind.
Darf ich als Erwachsener Cannabis im Haus haben, wenn Kinder da sind?
Besitz ist Personen ab 18 Jahren bis zu 25 Gramm zum Eigenkonsum erlaubt, am Wohnsitz bis zu 50 Gramm (§ 3 KCanG). Der Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Kindern ist verboten, und Cannabis muss am Wohnsitz vor dem Zugriff von Kindern geschützt werden (§ 10 KCanG).
Wie lege ich Regeln fest, die mein Kind einhält?
Wenige Regeln, eine kurze Erklärung zu jeder Regel und eine Vereinbarung über Konsequenzen helfen. Wer bei einer Regel mitreden konnte, versteht sie meist besser. Nach einigen Wochen prüft ihr gemeinsam, ob die Regeln im Alltag funktionieren.
Quellen
- KCanG § 3 Erlaubter Besitz
- KCanG § 5 Konsumverbot
- KCanG § 9 Eigenanbau
- KCanG § 22 Sicherung und Transport
- KCanG § 34 Strafvorschriften
- StVG § 24a Alkohol und berauschende Mittel im Straßenverkehr
- BIÖG Cannabisprävention: Gefahren für Jugendliche
- Nummer gegen Kummer: Elterntelefon
- KCanG § 10 Schutzmaßnahmen im privaten Raum
- Cannabisprävention des Bundes: Gesetzeslage für Eltern
- Cannabisprävention des Bundes: Handlungstipps für Eltern