Was antwortet man auf: Cannabis ist weniger schädlich als Alkohol?
Der Satz „Cannabis ist doch weniger schädlich als Alkohol“ lässt sich nicht mit einem einzigen Vergleich beantworten. Beide Substanzen haben Risiken, und die Frage, welche davon größer ist, führt in der Familie oft zu keinem Ergebnis. Wichtiger ist, was passiert, wenn beide zusammenkommen, denn dann können sich die Wirkungen gegenseitig verstärken.
Warum der Vergleich so oft kommt
Dein Kind hört den Satz wahrscheinlich nicht zum ersten Mal. Er kommt aus Gesprächen mit Freunden, aus Videos und aus der Debatte über die Legalisierung. Oft steckt dahinter der Gedanke, dass ein legales Genussmittel, das Erwachsene trinken, nicht gefährlicher sein kann als eine Droge. Diesen Gedanken solltest du ernst nehmen und nicht mit einem Schlagwort abtun.
Warum ein reiner Vergleich wenig bringt
Ein Vergleich, welche Substanz schädlicher ist, hilft im Alltag wenig. Menschen konsumieren unterschiedlich viel, in unterschiedlichen Situationen und mit unterschiedlichen Vorerkrankungen. Für Jugendliche gilt außerdem: Das BIÖG nennt die Risiken von Cannabis für sie besonders hoch, weil sich das junge Gehirn in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet. Die Frage, die für dein Kind zählt, lautet deshalb eher: Was passiert, wenn es beides zusammen nimmt, und wie wirkt sich das auf den eigenen Körper, die Konzentration und die Entscheidungen aus?
Was zum Mischkonsum belegt ist
Die Präventionsangebote beschreiben die Kombination von Cannabis und Alkohol deutlich:
- Kreislauf und Magen: Cannabis und Alkohol zusammen belasten den Kreislauf stark und führen oft zu Übelkeit und Erbrechen (BIÖG, Präventionsseite für Eltern).
- Selbstüberschätzung: Alkohol führt dazu, dass man sich selbst überschätzt (feel-ok.ch).
- Verstärkung: Die Wirkungen einzelner Drogen können sich gegenseitig verstärken. Am Beispiel Ecstasy zeigt die Präventionsseite: THC hebt die Wirkung nicht auf und belastet den Körper zusätzlich.
- Konzentration und Reaktion: Beide Substanzen haben negative Effekte auf das Konzentrations- und das Reaktionsvermögen.
Ein Argument für die Kombination gibt es daraus nicht. Das ist der Kern der Antwort, die du deinem Kind geben kannst.
Was im Straßenverkehr gilt
Für Autofahren gelten klare Grenzen, die dein Kind kennen sollte, bevor es den Führerschein macht:
- Alkohol: Die Grenze liegt bei 0,5 Promille Alkohol im Blut (§ 24a Abs. 1 StVG).
- Cannabis: Wer mit 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum oder mehr fährt, handelt ordnungswidrig (§ 24a Abs. 1a StVG). Für unter 21-Jährige und in der Probezeit gilt laut BIÖG ein vollständiges Cannabisverbot im Straßenverkehr.
- Mischkonsum: Wer mit 3,5 Nanogramm THC oder mehr fährt und dazu ein alkoholisches Getränk zu sich nimmt oder unter der Wirkung eines alkoholischen Getränks steht, begeht eine eigene Ordnungswidrigkeit (§ 24a Abs. 2a StVG). Laut BIÖG ist die Teilnahme am Straßenverkehr bei Mischkonsum von Alkohol und Cannabis komplett verboten.
- Bei einer Geldbuße nach diesen Vorschriften ist in der Regel auch ein Fahrverbot anzuordnen (§ 25 Abs. 1 StVG).
Die Höhe der Bußgelder steht im Gesetz. Wer die Einzelheiten braucht, findet sie im Wortlaut von § 24a StVG oder bei einer Beratungsstelle. Mehr zu den Grenzen im Verkehr findest du im Themenbereich Straßenverkehr.
Wie eine sachliche Antwort klingt
Eine Antwort, die dein Kind ernst nimmt, anerkennt den Punkt und nennt dann die Risiken:
„Du hast recht, dass Alkohol gesellschaftlich akzeptiert ist. Trotzdem sind beide Substanzen riskant. Zusammen können sie sich stärker auswirken, und das ist der Teil, vor dem ich dich schützen will. Lass uns genau darüber reden, was du von Freunden hörst.“
Wichtig ist, dass du nicht so tust, als wüsstest du alles. Wenn du eine Frage nicht beantworten kannst, sag das und schau gemeinsam nach.
Typische Fehler
- Der Vergleich als Waffe: Wer sagt „Du trinkst ja auch“, verliert die Diskussion über Cannabis und beginnt eine über Scheinheiligkeit.
- Der Schlussstrich: „Das ist alles gefährlich, Punkt“ wirkt wie eine Verweigerung und hindert das Kind daran, weitere Fragen zu stellen.
- Die Gleichsetzung: Cannabis und Alkohol sind unterschiedlich. Wer sie gleichsetzt, verliert an Glaubwürdigkeit.
Vorbild im Alltag
Dein Kind beobachtet, wie du selbst mit Alkohol und Cannabis umgehst. Wer zu Hause regelmäßig zu Alkohol greift, um abzuschalten, und dem Kind gleichzeitig Cannabis verbietet, schafft einen Widerspruch, den das Kind schnell bemerkt. Das muss nicht heißen, dass du nie ein Glas trinkst. Es heißt, dass du offen sagen kannst, wie du selbst damit umgehst und warum für dein Kind eine andere Regel gilt.
Auch Feiern sind ein Punkt für klare Absprachen. Wenn bei Familienfesten Alkohol fließt, lohnt es sich, vorher zu besprechen, wer an diesem Abend fährt und wer das Kind nach Hause bringt. Solche Absprachen holen das Thema aus der Theorie in den konkreten Alltag.
Was Eltern konkret tun können
- Frag dein Kind, woher der Satz kommt und was es selbst denkt.
- Nenne die Risiken der Kombination, nicht nur die Einzelrisiken.
- Sag klar, dass du Mischkonsum nicht in Ordnung findest und warum.
- Vereinbare, dass dein Kind dich anrufen kann, wenn es in einer Situation unsicher ist, zum Beispiel wenn jemand nach Konsum fahren will.
Wo es Hilfe gibt
Wenn Konsum und Alkohol bei deinem Kind schon zusammenkommen, ist eine fachliche Beratung sinnvoll. Die Sucht & Drogen Hotline erreichst du unter 01806 313031. Für Eltern gibt es außerdem das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550. Wie du mit Fragen zur Gesundheit umgehst, zeigt auch der Beitrag Was passiert, wenn Cannabis und Alkohol zusammen konsumiert werden?
Häufige Fragen
Ist Cannabis wirklich weniger schädlich als Alkohol?
Ein direkter Vergleich hilft wenig, weil beide Substanzen Risiken haben und sich je nach Menge, Häufigkeit und Alter unterschiedlich auswirken. Klar ist: Kombiniert man beide, können sich die Wirkungen verstärken. Alkohol führt zu Selbstüberschätzung, und beide Substanzen beeinträchtigen Konzentration und Reaktion.
Wie viel Alkohol darf man im Straßenverkehr trinken, wenn man gekifft hat?
Eine sichere Menge gibt es nicht. § 24a Abs. 2a StVG erfasst, wer mit 3,5 ng/ml THC oder mehr fährt und dazu ein alkoholisches Getränk zu sich nimmt. Eine Mindestmenge Alkohol nennt die Vorschrift dafür nicht. Das BIÖG bezeichnet die Teilnahme am Straßenverkehr bei Mischkonsum als komplett verboten. Wer fährt, verzichtet auf beides.
Was sage ich meinem Kind, wenn es sagt, dass Alkohol doch auch erlaubt ist?
Erkenne den Punkt an, dass Alkohol gesellschaftlich akzeptiert ist. Nenne dann die Risiken beider Substanzen und vor allem die Risiken der Kombination. Sag klar, was du davon hältst, und biete an, gemeinsam nachzusehen, was verlässlich belegt ist.
Quellen
- feel-ok.ch: Mischkonsum
- BIÖG Cannabisprävention: Eltern, kurzfristige Risiken
- StVG § 24a Alkohol und berauschende Mittel im Straßenverkehr
- StVG § 25 Fahrverbot
- Sucht & Drogen Hotline
- Nummer gegen Kummer: Elterntelefon
- Cannabisprävention des Bundes: Gesetzeslage für Eltern
- Cannabisprävention des Bundes: Gefahren für Jugendliche