Welche Fakten sollten Eltern kennen?
Eltern sollten vor allem drei Dinge über Cannabis wissen: welche Regeln für Minderjährige gelten, welche Gesundheitsrisiken für junge Menschen belegt sind und dass Konsum die Entwicklung beeinflussen kann. Diese Fakten helfen dir, sachlich zu sprechen, ohne zu verharmlosen oder zu dramatisieren. Die folgende Übersicht fasst die belegten Punkte zusammen.
Die Rechtslage für Minderjährige
Der Besitz von Cannabis ist nach dem Konsumcannabisgesetz erst ab 18 Jahren erlaubt. Dann sind bis zu 25 Gramm für den Eigenkonsum erlaubt, am Wohnsitz bis zu 50 Gramm (§ 3 KCanG). Für Minderjährige gilt diese Regel nicht.
Der Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Minderjährigen ist nach § 5 KCanG verboten. Wer Cannabis an Kinder oder Jugendliche weitergibt, macht sich nach § 34 KCanG strafbar. Bei einer Person über 21 Jahre liegt in der Regel ein besonders schwerer Fall vor, mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren (§ 34 Abs. 3 KCanG).
Das junge Gehirn in der Entwicklung
Das junge Gehirn befindet sich in einer wichtigen Entwicklungsphase. Konsum in dieser Zeit kann diese Entwicklung beeinflussen. Das gilt nach Angaben des BIÖG besonders für das Gedächtnis, das in der Jugend stark gefordert ist.
Frühzeitiger Einstieg in den Konsum hat nach Angaben von drugcom nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge. Das ist ein Grund, Jugendliche über diesen Zusammenhang zu informieren.
Gedächtnis und Schulabschluss
Das BIÖG weist darauf hin, dass der Schul- oder Berufsabschluss im schlimmsten Fall gefährdet sein kann, weil das Gedächtnis schlechter funktioniert. Das ist für Eltern ein konkreter Punkt, den sie mit ihrem Kind besprechen können. Der Zusammenhang ist für viele Jugendliche greifbarer als allgemeine Warnungen.
Schulische Probleme können andere Ursachen haben, deshalb sollte der Konsum nicht die einzige Erklärung sein. Wichtig ist, Veränderungen ernst zu nehmen und gemeinsam nach Ursachen zu suchen.
Abhängigkeit und psychische Folgen
Nach Angaben des BIÖG wird etwa eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig. Die Zahl zeigt, dass Abhängigkeit kein Randthema ist, aber auch nicht bei jedem Konsum entsteht. Bei dauerhaftem Konsum kann sich nach Angaben von drugcom eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Das BIÖG nennt ein- oder mehrmaliges Kiffen pro Woche als Faktor, der das Risiko erhöht, und beschreibt, dass es dann schwer wird, den Konsum zu reduzieren oder ganz einzustellen.
Außerdem weist das BIÖG darauf hin, dass Menschen, die kiffen, häufiger eine Psychose bekommen als Menschen, die nicht kiffen. Der Zusammenhang ist ernst zu nehmen. Er ist statistisch, eine Verursachung folgt daraus laut Cannabisprävention des Bundes nicht automatisch.
Welche Fakten du nicht überbewerten solltest
- Einzelne Erfahrungsberichte sind keine Aussage über alle Jugendlichen.
- Pauschale Aussagen wie „Cannabis macht immer abhängig“ entsprechen nicht den Fakten.
- Auch die Aussage „Cannabis ist harmlos“ entspricht nicht den Fakten, denn die Risiken sind für Jugendliche besonders hoch.
Wenn du eine Zahl weitergibst, nenne die Quelle und das Datum. So kann dein Kind nachlesen, woher sie stammt.
Prävention: Fakten in Gespräche übersetzen
Fakten wirken am besten, wenn sie in den Alltag des Kindes passen. Nenne nicht nur Zahlen. Frag lieber, was dein Kind an Cannabis interessiert und welche Folgen für seinen Alltag wichtig sind. So wird aus einer Information ein Gespräch. Eine Übersicht zu den Gesundheitsfolgen insgesamt bietet der Beitrag Welche Gesundheitsfolgen hat Cannabis insgesamt?.
Konsumformen und Wirkstoffgehalt
Das BIÖG weist darauf hin, dass Cannabis je nach Dosis und Konsumform ganz unterschiedlich wirken kann. Für Heranwachsende unter 21 Jahren darf Cannabis, das Anbauvereinigungen weitergeben, höchstens 10 Prozent THC enthalten (§ 19 Abs. 3 KCanG). Das BIÖG warnt: Je höher der THC-Gehalt, desto gefährlicher, besonders für Jugendliche.
Laut BIÖG steigt bei Cannabis mit sehr hohem THC-Gehalt die Gefahr einer Überdosierung, und ein „Horrortrip“ wird wahrscheinlicher.
Was Studien zu Folgen sagen
Studien zu Cannabis sind unterschiedlich aussagekräftig. Manche Ergebnisse sind gut belegt, andere beruhen auf wenigen Untersuchungen oder auf Befragungen, die auf Erinnerungen angewiesen sind. Wichtig für Eltern ist die Unterscheidung zwischen belegten Zusammenhängen und vorläufigen Hinweisen. Das BIÖG weist auf belegte Risiken hin, etwa für Gedächtnis und Schulleistung.
Ebenso wichtig ist, dass nicht jede Folge bei jedem Menschen auftritt. Risiken sind keine Garantie, und Entwarnung ist keine Option, wenn ein Kind betroffen ist.
Mythen erkennen und entkräften
Im Umlauf sind viele Aussagen über Cannabis, die nur halb stimmen. Dazu gehört die Behauptung, Cannabis sei harmlos, weil es pflanzlich ist, oder die Vorstellung, man könne es jederzeit beenden. Wer solche Aussagen erkennt, kann sachlich widersprechen. Ein gutes Gegenargument ist eine konkrete Angabe aus einer geprüften Quelle, zum Beispiel aus den Informationen des BIÖG.
Auch Angst ist kein guter Ratgeber. Übertreibungen führen dazu, dass Kinder Informationen aus dem Netz vorziehen, die weniger verlässlich sind.
Nächste Schritte
- Lies die Informationen des BIÖG zu Cannabis für Eltern.
- Notiere die Fakten, die du mit deinem Kind besprechen möchtest.
- Prüfe Quellen und Datum, bevor du Zahlen weitergibst.
Wo du Materialien findest, zeigt Welche Broschüren für Eltern zu Cannabis gibt es?. Die Rechtslage für Minderjährige fasst Was regelt das KCanG zum Jugendschutz? zusammen.
Häufige Fragen
Welche Fakten über Cannabis sollten Eltern kennen?
Wichtig sind die Rechtslage: Besitz ist erst ab 18 Jahren erlaubt, und die Weitergabe an Minderjährige ist strafbar. Außerdem entwickelt sich das junge Gehirn in einer wichtigen Phase, und Konsum kann das Gedächtnis beeinträchtigen. Laut BIÖG wird etwa eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig.
Ist Cannabis für Jugendliche gefährlich?
Cannabis kann für junge Menschen Risiken haben, besonders für Gedächtnis, Schulabschluss und die psychische Gesundheit. Diese Risiken sind belegt, auch wenn sie nicht bei jedem gleich auftreten. Sachliche Information und offene Gespräche helfen mehr als Angst oder Verharmlosung. Bei Sorgen hilft eine Beratungsstelle oder eine Ärztin oder ein Arzt.