Wie unterstütze ich den Ausstieg meines Kindes?
Wenn Ihr Kind mit dem Cannabiskonsum aufhören oder ihn verringern möchte, sind Sie als Elternteil wichtig, aber nicht allein verantwortlich. Nach DigiSucht muss der Wille zur Veränderung von der betroffenen Person selbst kommen. Sie können Ihr Kind verlässlich begleiten und Hilfe vermitteln. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie unterstützen können, welche Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene bestehen und wie Sie Ihre eigenen Kräfte schützen.
Die Entscheidung muss beim Kind liegen
Die Entscheidung zum Ausstieg trifft Ihr Kind. Das klingt schwer, wenn Sie den Konsum als Problem sehen. Eltern können den Wunsch begleiten, aber nicht ersetzen. Die Online-Beratung DigiSucht schreibt im Bereich der Angehörigenarbeit, dass der Wille zur Veränderung von der betroffenen Person selbst kommen muss. Wenn Ihr Kind sagt, es möchte weniger konsumieren, ist das ein Anfang. Nehmen Sie diesen Satz ernst, auch wenn ein Rückschlag folgt.
Fragen Sie deshalb eher nach Motiven als nach Ergebnissen. Was wäre für dich anders, wenn du weniger kiffst? Was fällt dir schwer? Solche Fragen laden zum Erzählen ein.
Verlässlich sein
Hilfreich sind feste Gesprächstermine, klare Absprachen zu Geld, Alltag und Freizeit und die Zusage, dass das Kind sich nach einem Rückschlag melden darf. Zum Umgang mit dem Thema bietet cannabispraevention.de Eltern Tipps zum Gespräch, zur eigenen Haltung, zu Argumenten und zum Verhalten im Streit.
- Vereinbaren Sie einen festen Gesprächstermin pro Woche, bei dem es um alles gehen kann, nicht nur um den Konsum.
- Sagen Sie klar, was Sie tragen können und was nicht, etwa finanzielle Unterstützung für Konsum.
- Würdigen Sie kleine Schritte, zum Beispiel einen konsumfreien Tag oder ein Gespräch, das ehrlich war.
- Melden Sie sich bei Rückschlägen ruhig zurück und fragen Sie, was dem Kind hilft.
Angebote, die den Ausstieg unterstützen
Für junge Menschen gibt es Programme, die beim Aufhören oder Verringern helfen. Die Seite cannabispraevention.de nennt Quit the Shit als Angebot, das Konsumierenden hilft, weniger oder gar nicht mehr zu konsumieren. Der Bundesdrogenbeauftragte beschreibt es als Programm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das darauf zielt, Cannabiskonsum zu reduzieren oder, wenn möglich, ganz einzustellen. Der Ratgeber Wie funktioniert das Online-Programm Quit the Shit? erklärt den Ablauf.
Zur Selbsteinschätzung bietet drugcom den Cannabis-Check an. Jugendliche können dort herausfinden, wie riskant ihr eigener Konsum ist. Ein solcher Test ersetzt kein Gespräch mit einer Fachkraft, er kann aber den Einstieg erleichtern. Der Ratgeber Was zeigt der Cannabis-Check von drugcom.de? beschreibt ihn genauer.
Weitere Angebote nennt cannabispraevention.de: das anonyme Infotelefon unter 0221 89 20 31 (Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Kosten nach der Preisliste des Telefonanbieters), den drugcom-Chat, in dem Jugendliche anonym Fragen stellen können (Beratung Montag bis Freitag 15 bis 17 Uhr), und ELSA, eine kostenfreie Online-Beratung für Eltern. Prüfen Sie die Zeiten vorab.
Für ein persönliches Gespräch eignen sich Suchtberatungsstellen vor Ort. Sie können zunächst auch selbst Rat holen.
Was die Phase des Ausstiegs braucht
Ein Ausstieg kann Rückschläge enthalten. Wichtig ist, dass ein Rückfall nicht zum Abbruch der Beziehung führt. Fragen Sie nach, was den Rückfall ausgelöst hat, und suchen Sie gemeinsam nach einer anderen Antwort für die nächste Situation.
Eine kleine Studie, über die drugcom berichtet (79 Teilnehmende, drei Wochen), fand bei Ausstiegswilligen, die Sport trieben, deutlich bessere Hirnleistungen als bei denen, die keinen Sport trieben. Wegen der geringen Größe ist diese Aussage vorsichtig zu lesen. Bewegung und eine feste Tagesroutine können ein Ansatz sein, den Sie gemeinsam besprechen.
Ihre eigene Erschöpfung ernst nehmen
Die DHS beschreibt, dass Eltern suchtgefährdeter oder suchtkranker Kinder häufig in ständiger Sorge und Alarmbereitschaft leben, was auf Dauer die eigene Gesundheit belastet. Achten Sie darauf, dass Sie nicht die gesamte Last allein tragen. Die Angehörigenberatung von DigiSucht nennt ausdrücklich, auf das eigene Wohlbefinden zu achten und keine Schuld an der Sucht anderer zu tragen.
Der Ratgeber Warum brauchen auch Angehörige eigene Beratung? zeigt, wie Sie diese Entlastung organisieren.
Rückfall, Krise und Notfall
Wenn Ihr Kind sich selbst gefährdet oder akut Hilfe braucht, handeln Sie sofort. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder einer akuten Psychose rufen Sie den Notruf 112 an. Die Warnzeichen erklärt der Ratgeber Wann sollten Eltern sofort Hilfe holen?.
Prävention, die den Ausstieg vorbereitet
Die Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik nennt Prävention bei Kindern und Jugendlichen besonders wichtig: Je früher sie erreicht werden, desto wahrscheinlicher lässt sich ein problematischer Konsum verhindern. Die Strategie setzt außerdem auf Beratung und Hilfen zum Ausstieg und will bestehende Angebote erhalten und stärken, damit jede betroffene Person das Angebot erhält, das sie braucht. Für Eltern heißt das: Scheuen Sie sich nicht, Hilfe früh zu holen.
Wenn Ihr Kind nicht aufhören möchte
Es gibt Phasen, in denen ein Kind keinen Veränderungswunsch zeigt. Dann ist es wichtig, die Beziehung nicht abreißen zu lassen. Bleiben Sie ansprechbar, ohne jede Gelegenheit für Vorwürfe zu nutzen. Sagen Sie klar, dass Sie sich Sorgen machen und dass Hilfe jederzeit möglich ist. Ein Satz wie „Ich will, dass du gesund bleibst, und ich bin da, wenn du etwas willst“ kann ein Angebot sein, auf das Ihr Kind später zurückkommt.
Sprechen Sie in dieser Phase auch mit einer Beratungsstelle über Ihre eigene Haltung. Manchmal hilft es, Erwartungen anzupassen. Kleine Veränderungen, etwa weniger Konsum am Wochenende oder ein Gespräch über Ziele, können der Anfang eines längeren Prozesses sein. Ob daraus ein Ausstieg wird, bleibt eine Entscheidung des Kindes.
Rückschläge einordnen
Ein Rückschlag bedeutet nicht, dass alle Bemühungen umsonst waren. Stellen Sie nach einem Rückschlag nicht sofort neue Forderungen. Hören Sie zu, was schwierig war, und überlegen Sie gemeinsam, welche Unterstützung beim nächsten Mal helfen würde. So bleibt der Kontakt erhalten, und Ihr Kind erlebt Sie als verlässliche Person.
Was Sie jetzt tun können
- Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Motive und nicht nur über den Konsum.
- Vereinbaren Sie feste Gesprächstermine und sagen Sie klar, was Sie tragen können.
- Informieren Sie das Kind über Quit the Shit oder den Cannabis-Check, ohne Druck.
- Holen Sie sich selbst Angehörigenberatung, bevor Ihre Kräfte aufgebraucht sind.
- Bei akuter Gefahr sofort den Notruf 112 wählen.
Häufige Fragen
Kann ich meinem Kind den Ausstieg vorschreiben?
Eltern können Regeln im Haushalt festlegen und Grenzen setzen. Für die Entscheidung zum Ausstieg gilt nach DigiSucht: Der Wille zur Veränderung muss von der betroffenen Person selbst kommen. Sie können den Wunsch unterstützen, Gespräche anbieten und Hilfe vermitteln.
Welche Programme gibt es für Jugendliche beim Aufhören?
Quit the Shit ist ein Programm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das helfen soll, Cannabiskonsum zu reduzieren oder, wenn möglich, einzustellen. Der Cannabis-Check von drugcom hilft bei der Selbsteinschätzung. Für persönliche Gespräche gibt es Suchtberatungsstellen vor Ort.
Was tue ich bei einem Rückfall meines Kindes?
Bleiben Sie ruhig und fragen Sie, was den Rückfall ausgelöst hat. Vereinbaren Sie, wie Sie in der nächsten ähnlichen Situation reagieren. Bei akuten Gefahren rufen Sie den Notruf 112 an. Bei wiederkehrenden Rückfällen hilft eine Beratungsstelle.