Was kann ich tun, wenn mein volljähriges Kind kifft?
Wenn dein volljähriges Kind Cannabis konsumiert, kannst du es nicht zum Aufhören zwingen. Du kannst aber das Gespräch suchen, eigene Grenzen für dein Zuhause festlegen und dir selbst Beratung holen. Die Entscheidung über den Konsum liegt bei deinem Kind, denn es ist erwachsen. Für Eltern und andere Angehörige gibt es Beratungsstellen, die genau diese Situation kennen.
Dein Kind ist erwachsen, die Entscheidung liegt bei ihm
Ab 18 Jahren ist der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum erlaubt (§ 3 Abs. 1 KCanG). Der Konsum eines Erwachsenen ist damit eine persönliche Entscheidung, die du nicht an seiner Stelle treffen kannst. Das kann frustrierend sein, vor allem wenn du dir Sorgen um Gesundheit oder Zukunft deines Kindes machst.
Hilfreich ist, genau zu benennen, was dich stört. Geht es um die Menge, die Stimmung, die Schule oder den Job, um Geld oder um die Gesundheit? Je klarer du das weißt, desto leichter findest du die passenden Schritte.
Was du in deinem Zuhause festlegen kannst
Deine Wohnung ist dein Bereich. Dort kannst du Regeln aufstellen, die für alle gelten, die bei dir wohnen oder zu Besuch sind. Regeln wirken am besten, wenn sie ruhig, konkret und vorher besprochen sind. Zum Beispiel:
- Kein Konsum in gemeinsamen Räumen wie Küche, Wohnzimmer oder Bad.
- Kein Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Minderjährigen. Das verbietet § 5 KCanG.
- Kein Weiterreichen von Cannabis an Minderjährige im Haushalt.
- Wichtige Gespräche planst du so, dass beide nüchtern sind und Zeit haben.
Regeln beschreiben, wie ihr zusammenlebt. Sie helfen dir auch, bei dir selbst zu bleiben, wenn die Situation angespannt ist.
Das Gespräch beginnen, ohne sofort zu streiten
Viele Gespräche scheitern, weil sie mit einem Urteil beginnen. Hilfreich ist ein Satz, der beschreibt, was du beobachtest, und sagt, was dich daran beschäftigt. Zum Beispiel: „Ich mache mir Sorgen, weil du in letzter Zeit weniger schläfst und dich häufiger zurückziehst.“ Diese Form lädt zur Antwort ein, ohne dein Kind in die Verteidigung zu drängen.
Wähle einen Moment, in dem beide nüchtern sind und Zeit haben. Sprich kurz und lass Pausen zu. Wenn dein Kind abblockt, musst du nicht weitermachen. Ein zweiter Anlauf am nächsten Tag ist oft ergiebiger als ein langes Streitgespräch am Abend.
Warnzeichen, die du ernst nehmen solltest
Nach Angaben von DigiSucht belassen es die meisten beim Probieren oder hören nach einer Weile von allein auf. Gelegentlicher Konsum ist also nicht automatisch ein Problem. DigiSucht nennt Fragen, an denen sich ein problematischer Konsum zeigen kann. Achte besonders auf diese Zeichen:
- Dein Kind spricht von einem starken Wunsch zu konsumieren oder schafft es nicht, den Konsum zu begrenzen
- Der Konsum steigt in letzter Zeit
- Andere Dinge werden zugunsten des Konsums vernachlässigt, etwa Schule, Studium oder Arbeit
- Es gibt Probleme mit nahestehenden Personen oder verpasste Termine
- Dein Kind konsumiert weiter wie gewohnt, obwohl der Konsum bereits negative Folgen hat
Ob ein Zeichen auf Cannabis zurückgeht, kannst du von außen oft nicht sicher sagen. Auch Rückzug, Stimmungsschwankungen oder Geldprobleme haben viele Ursachen. Frag lieber nach, bevor du etwas vermutest.
Wenn dein Kind von Suizidgedanken spricht oder sich selbst gefährdet, handle sofort. In einer akuten Krise wählst du den Notruf 112 oder wendest dich an die Telefonseelsorge. Warte in solchen Momenten nicht auf den nächsten Termin.
Gesundheitliche Risiken ansprechen, ohne Panik zu machen
Angst ist ein schlechter Gesprächseinstieg, sachliche Informationen wirken meist besser. Nach Angaben der BIÖG wird ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig. Das Risiko steigt, wenn man ein oder mehrmals pro Woche konsumiert. Die BIÖG beschreibt außerdem einen Zusammenhang zwischen Cannabis und der Zunahme von Psychosen. Ein statistischer Zusammenhang sagt nichts darüber, ob Cannabis bei einer einzelnen Person die Ursache war.
Sprich mit deinem Kind darüber, was es selbst weiß und was es daran interessiert. Wer sich ernst genommen fühlt, hört eher zu, als wenn ihm nur Schreckensbilder vorgelegt werden.
Was du lieber unterlässt
Manche Reaktionen machen es schwerer, ins Gespräch zu kommen. Dazu gehören Drohungen, die du nicht umsetzen möchtest, heimliches Durchsuchen von Sachen und Vorwürfe vor anderen Menschen.
- Drohungen, die du nicht umsetzen möchtest
- Heimliches Durchsuchen von Zimmer oder Sachen
- Vorwürfe vor Freunden oder Verwandten
- Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern
Wo du dir selbst Hilfe holst
Du musst deinem Kind nichts beweisen, bevor du dich beraten lässt. Angehörige haben eigene Fragen und eigene Belastungen, und dafür gibt es Angebote. Diese Übersicht zeigt, womit du anfangen kannst:
| Angebot | Wofür | Wo |
|---|---|---|
| Online-Beratung für Angehörige | Erste Fragen, Entlastung, Orientierung | DigiSucht, suchtberatung.digital |
| Suchtberatungsstelle vor Ort | Persönliches Gespräch, Familiengespräche | Suchthilfeverzeichnis der DHS |
| Informationen für Eltern | Fakten zu Cannabis und Gesundheit | BIÖG, cannabispraevention.de |
Den ersten Kontakt kannst du allein aufnehmen, ohne dass dein Kind dabei ist. Die Suchtberatungsstelle in deiner Nähe findest du über das Suchthilfeverzeichnis der DHS. Was dich im ersten Gespräch erwartet, beschreibt der Beitrag Wie du dich auf das erste Beratungsgespräch vorbereitest.
Wenn sich nichts ändert
Manchmal bleibt ein Gespräch ohne Wirkung. Dann hilft es, eigene Grenzen klar zu formulieren, etwa wann du dich zurückziehst oder ob du das Thema zu Hause überhaupt noch besprichst. Eine Beratung kann dir helfen, diese Grenzen zu finden und durchzuhalten. Über seinen Konsum entscheidet dein Kind, über deine Grenzen entscheidest du.
Typische Missverständnisse
Rund um volljährige Kinder und Cannabis kursieren Annahmen, die in Gesprächen mit Angehörigen immer wieder auftauchen. Drei davon lohnen einen genaueren Blick.
„Ich bin schuld, wenn mein Kind kifft“
Viele Eltern fühlen sich verantwortlich, sobald ihr erwachsenes Kind Cannabis nimmt. Du hast Einfluss auf das Verhältnis zu deinem Kind, aber nicht auf jede Entscheidung, die es trifft. Den Konsum entscheidet das erwachsene Kind selbst. Eine Beratung hilft dir, deine Rolle realistisch einzuordnen.
„Wenn ich nur streng genug bin, hört es auf“
Kontrolle ersetzt kein Gespräch. Die BIÖG empfiehlt Eltern, vor einem Gespräch in Ruhe die eigene Haltung zu Cannabis zu überdenken und im Streit ruhig zu bleiben. Dazu passen klare eigene Regeln, verlässliche Gespräche und Hilfsangebote, die dein Kind selbst annehmen kann.
„Cannabis ist harmlos, weil es legal ist“
Legal bedeutet nicht, dass Cannabis ungefährlich ist. Das Gesetz regelt Besitz und Eigenkonsum, es sagt aber nichts darüber, wie gut der Konsum für Körper und Psyche ist. Die Hinweise zu Abhängigkeit und Psychose gelten unabhängig davon, ob Cannabis erlaubt ist.
Was du jetzt konkret tun kannst
- Schreib auf, was dich konkret stört: Verhalten, Termine, Stimmung oder Geld.
- Such dir einen ruhigen Moment und sprich das Thema offen an.
- Leg für dein Zuhause Regeln fest und teile sie ruhig mit.
- Nimm selbst Beratung in Anspruch, auch wenn dein Kind nicht mitkommen möchte.
- Bei akuter Gefahr oder Suizidgedanken wählst du sofort den Notruf 112.
Wenn du unsicher bist, welche Form zu dir passt, hilft der Beitrag Online-Beratung oder Beratungsstelle vor Ort: was passt?. Einen Überblick über alle Angebote findest du unter Hilfe und Beratung. Wie der rechtliche Rahmen für junge Menschen aussieht, zeigt die Jugendschutz-Seite.
Häufige Fragen
Darf ich meinem erwachsenen Kind das Kiffen verbieten?
Über dein eigenes Zuhause entscheidest du, und dort kannst du Regeln festlegen, etwa keinen Konsum in gemeinsamen Räumen. Außerhalb deiner Wohnung kannst du den Konsum deines erwachsenen Kindes nur durch Gespräche und Absprachen beeinflussen. Ab 18 Jahren ist der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum erlaubt (§ 3 Abs. 1 KCanG).
Wo finde ich als Angehörige oder Angehöriger Beratung?
Angebote für Angehörige gibt es online, zum Beispiel bei DigiSucht, und vor Ort in Suchtberatungsstellen. Das Suchthilfeverzeichnis der DHS zeigt Stellen in deiner Nähe. Frag jede Stelle vor dem ersten Kontakt, wie sie mit Vertraulichkeit umgeht und welche Form sie für Angehörige anbietet.
Wann sollte ich sofort Hilfe holen?
Bei Suizidgedanken, Selbstgefährdung, Verwirrtheit oder einer akuten psychischen Krise wählst du den Notruf 112. Ein Termin bei der Suchtberatung oder beim Hausarzt reicht dann nicht aus. Wenn dein Kind nicht mehr ansprechbar oder akut gefährdet ist, zählt jede Minute.