Wie bereite ich mich auf das erste Beratungsgespräch vor?
Wer das erste Beratungsgespräch vorbereiten will, braucht vor allem drei Dinge: ein klares Anliegen, ehrliche Notizen zum eigenen Konsum und eine kurze Liste mit Fragen. Die Vorbereitung dauert meist nicht lang, sie macht das Gespräch aber deutlich ergiebiger. Wer weiß, was er oder sie erreichen möchte, kommt schneller zu einem nächsten Schritt.
Was das erste Gespräch leisten soll
Beim Erstkontakt geht es nicht um eine Prüfung. Die Fachperson will verstehen, wie du Cannabis nutzt, was dich zur Beratung bringt und welche Hilfe dir weiterhilft. Am Ende sollte klar sein, wie es weitergeht, zum Beispiel mit einem weiteren Termin oder dem Hinweis auf eine andere Stelle.
Viele Menschen kommen mit dem Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Du musst dich nicht rechtfertigen. Du darfst sagen, was dich stört und was du willst, auch wenn du dir noch nicht sicher bist.
Schritt 1: Anliegen in einem Satz festhalten
Schreib auf, was dich zur Beratung bringt. Ein Satz reicht. Zum Beispiel: „Ich möchte weniger kiffen und weiß nicht, wie ich das schaffe.“ Oder: „Mein Partner kifft, und ich komme damit nicht zurecht.“ Der Satz hilft dir, im Gespräch beim Thema zu bleiben, wenn die Aufregung steigt.
Wenn du dir unsicher bist, ob du überhaupt aufhören willst, ist das kein Hindernis. Im Artikel Muss man zur Beratung schon aufhören wollen? wird genau diese Frage beantwortet.
Schritt 2: Konsum ehrlich notieren
Ein Überblick über die letzten zwei bis vier Wochen hilft am meisten. Notiere, an welchen Tagen du konsumiert hast, in welchen Situationen und was danach passiert ist. Auch Gefühle gehören dazu. Warst du gereizt, müde oder entspannt? Wie oft du etwas konsumierst, ist für die Beratung wichtiger als eine genaue Zahl.
Wer das Führen einer solchen Liste ausprobieren möchte, findet im Artikel Hilft ein Konsumtagebuch beim Aufhören mit Cannabis? einen Einstieg.
Schritt 3: Fragen vorbereiten
Schreib dir drei bis fünf Fragen auf. Im Gespräch fällt einem sonst oft nichts mehr ein. Diese Fragen eignen sich gut als Ausgangspunkt:
- Wie läuft die Beratung ab, und wie viele Termine sind üblich?
- Wer ist für meine Situation zuständig, und an wen kann ich weiterverwiesen werden?
- Was passiert mit meinen Angaben, und wer erfährt davon?
- Welche Angebote gibt es, wenn ich selbst aufhören möchte?
- Gibt es Hilfe, wenn ich mir um einen anderen Menschen Sorgen mache?
Unterlagen und Angaben
Für das erste Gespräch sind meist keine Papiere nötig, sofern die Stelle nichts anderes verlangt. Ärztliche Befunde nimmst du mit, wenn gesundheitliche Beschwerden dazu gehören. Lege nichts vor, was du nicht teilen möchtest. Du entscheidest selbst, wie viel du erzählst.
Anonym oder mit Namen?
Das hängt von der Stelle ab. Die Online-Beratung von mindzone beschreibt sich als vertraulich, anonym und kostenfrei; eine E-Mail-Adresse ist dort nicht erforderlich. Bei DigiSucht ist die Beratung laut Plattform auf Wunsch anonym. Vor Ort fragst du am besten am Telefon nach, wie die Stelle mit Daten umgeht. Mehr zu diesem Thema steht im Artikel Bleibt das Gespräch in der Suchtberatung vertraulich?.
Typische Fehler vor dem ersten Gespräch
- Man wartet, bis die Lage eskaliert, und kommt erst im Krisenmodus.
- Man will in einem einzigen Gespräch alles klären.
- Man bereitet eine Verteidigungsrede vor und vergisst die eigenen Fragen.
Ein Termin ist ein Anfang. Die Beratung baut auf mehreren Gesprächen auf, und es ist in Ordnung, wenn nicht schon beim ersten Mal alles geklärt ist.
Stelle finden und Termin klären
Die Suche nach einer passenden Stelle ist oft der erste praktische Schritt. Das Suchthilfeverzeichnis der DHS lässt sich nach Postleitzahl oder Ort, Umkreis, Bundesland, Thema, Angebotsart, Sprache und Zielgruppe filtern. Eine Postleitzahl reicht zum Start. Die Einträge beruhen auf Angaben der Einrichtungen selbst. Deshalb lohnt sich ein kurzer Anruf, bevor du hinfährst. Wie du eine Stelle in deiner Nähe findest, erklärt der Artikel Wo finde ich eine Suchtberatungsstelle für Cannabis?.
Wenn du für einen anderen Menschen fragst
Manche Menschen rufen an, weil sie sich um jemanden sorgen. Auch das ist ein guter Grund für ein erstes Gespräch. Notiere dann, was du beobachtest, und trenne Beobachtungen von Vermutungen. Die Fachperson hilft dir, deine eigene Rolle zu sortieren. Weitere Hinweise gibt der Artikel Wo finden Angehörige Beratung bei Cannabiskonsum?.
Prävention beginnt beim eigenen Blick
Vorbeugung heißt nicht erst dann handeln, wenn es eskaliert. Wer merkt, dass Cannabis Schule, Arbeit oder Freundschaften belastet, sollte früh das Gespräch suchen. Auch das Vorbereiten des Gesprächs ist schon ein Schritt in diese Richtung.
Nach dem Gespräch
Notiere direkt danach, was besprochen wurde und welche Schritte vereinbart sind. Wenn du eine E-Mail oder einen Rückruf brauchst, frag ausdrücklich danach. Bei mindzone kannst du allgemeine Fragen auch per E-Mail stellen. Prüfe nach ein bis zwei Wochen, ob der vereinbarte Schritt geklappt hat, und sprich das beim nächsten Termin an.
Was du jetzt tun kannst
- Schreib in einem Satz auf, was dich zur Beratung bringt.
- Notiere deinen Konsum der letzten zwei bis vier Wochen.
- Suche eine Stelle über das Suchthilfeverzeichnis der DHS oder eine Online-Beratung.
- Lege drei bis fünf Fragen fest und nimm den Zettel mit.
Wenn du vorab jemanden zum Reden brauchst, gibt es die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031; Zeiten und Kosten stehen auf sucht-und-drogen-hotline.de. Bei akuter Gefahr für dich oder andere wählst du den Notruf 112.
Häufige Fragen
Wie bereite ich mich auf das erste Gespräch in der Suchtberatung vor?
Schreib in einem Satz auf, was dich zur Beratung bringt, und notiere deinen Konsum der letzten zwei bis vier Wochen. Lege drei bis fünf Fragen fest, etwa zum Ablauf, zur Zuständigkeit und zum Umgang mit deinen Angaben. Prüfe vorab, ob die Stelle anonym arbeitet. Nimm Zettel und Stift mit, damit du die Ergebnisse direkt festhalten kannst.