Was muss der Arzt im Antrag begründen?
Wenn Cannabis als Medizin in Betracht kommt, muss die Praxis begründen, warum sie diese Behandlung für dich vorschlägt. Diese Begründung ist eine ärztliche Aufgabe. Dein Beitrag besteht darin, Verlauf, Beschwerden und bisherige Behandlungen so vollständig wie möglich zu schildern. Dieser Ratgeber erklärt, was in der Begründung typischerweise eine Rolle spielt, was du dazu beitragen kannst und wo du die genauen Anforderungen findest.
Wer begründet, und warum?
Cannabis zu medizinischen Zwecken darf nur von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden (§ 3 Abs. 1 MedCanG). Damit liegt auch die Begründung bei der Praxis. Sie entscheidet, ob eine Verordnung medizinisch passt, und sie formuliert, warum das so ist.
Bei gesetzlich Versicherten braucht die erste Verordnung die Genehmigung der Krankenkasse, die nur in begründeten Ausnahmefällen abzulehnen ist (§ 31 Abs. 6 SGB V). Welche Angaben und Unterlagen sie dafür verlangt, steht in ihren Vorgaben; dieser Ratgeber legt das nicht fest.
Was in der Begründung typischerweise eine Rolle spielt
Welche Angaben genau gefordert sind, hängt vom Antrag und von den Vorgaben der Krankenkasse ab. Welche Punkte die Praxis bespricht, entscheidet sie selbst. Typische Gesprächsthemen sind:
- Die Grunderkrankung und die Beschwerden, die behandelt werden sollen
- Bisherige Behandlungen und deren Wirkung oder Grenzen
- Der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und der vorgeschlagenen Behandlung
- Gesundheitliche Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
- Der geplante Verlauf der Behandlung und die Kontrolle durch die Praxis
Das ist eine Orientierung für das Gespräch und keine Vorgabe der Krankenkasse oder des Gesetzgebers. Frag die Praxis, was in deinem Fall wichtig ist.
Was du zur Begründung beitragen kannst
Du kennst deinen Verlauf am besten. Bereite deshalb eine kurze Übersicht vor. Notiere, seit wann die Beschwerden bestehen, welche Behandlungen du hattest, was geholfen hat und was nicht. Nenne auch Nebenwirkungen, die du bemerkt hast, und Medikamente, die du zusätzlich nimmst.
Bringe vorhandene Befunde, Entlassbriefe und Berichte von anderen Fachärztinnen und Fachärzten mit. Die Praxis kann nur begründen, was sie kennt. Wenn du Unterlagen aus einer Klinik hast, frag dort nach einer Kopie.
Wo du die Anforderungen findest
Die Anforderungen an den Antrag stehen in den Unterlagen deiner Krankenkasse und in den Angaben zum Verfahren. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, kurz BfArM, informiert auf seiner Seite zu Medizinischem Cannabis, auch mit Hinweisen für Ärztinnen und Ärzte. Die Seite ersetzt nicht die Auskunft der Praxis oder deiner Kasse.
Frag die Krankenkasse nach dem Antragsformular und nach einer Liste der benötigten Unterlagen. Lass dir das schriftlich geben, damit du später nachvollziehen kannst, was verlangt wurde.
Wenn der Antrag abgelehnt wird
Wenn die Kasse ablehnt, steht der Grund im Bescheid. Besprich ihn mit deiner Praxis und frag, ob etwas nachgereicht werden kann.
Wenn du dich gegen eine Entscheidung wehren willst, informiert der Ratgeber Kann man gegen die Ablehnung der Kasse Widerspruch einlegen? über das Vorgehen. Gerichte entscheiden im Einzelfall; eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Sozialrecht kann das einordnen.
Wie du mit der Praxis gut zusammenarbeitest
Sprich offen über Erwartungen, Sorgen und Erfahrungen mit früheren Behandlungen. Wenn du unsicher bist, ob eine Angabe wichtig ist, nenne sie. Die Praxis entscheidet, was relevant ist.
Hilf der Praxis, indem du Termine rechtzeitig vereinbarst und Unterlagen vor dem Termin bereitlegst, wenn das möglich ist. So bleibt Zeit für Rückfragen, und die Begründung wird nicht unter Zeitdruck geschrieben.
Wenn die Praxis keine Begründung schreibt
Das kann vorkommen, etwa wenn eine Behandlung medizinisch nicht passt oder die Praxis andere Wege sieht. Frag in diesem Fall nach den Gründen und bitte um eine schriftliche Auskunft. Eine zweite Meinung bei einer anderen Praxis kann helfen, die Situation einzuordnen.
Wenn du dich zurückgewiesen fühlst, lass dir die Entscheidung erklären. Lass dir die Gründe verständlich erklären.
Was du mitnehmen kannst
Du kannst die ärztliche Begründung unterstützen, indem du deinen Verlauf klar schilderst und Unterlagen vollständig bereithältst. Die genauen Anforderungen nennen die Praxis und die Krankenkasse. Frag beide, bevor du etwas einreichst.
Wer sich für die Unterlagen interessiert, findet im Ratgeber Welche Unterlagen braucht die Krankenkasse für den Antrag? eine Übersicht.
Häufige Fragen
Wer schreibt die ärztliche Begründung für den Antrag?
Die Begründung ist eine ärztliche Aufgabe. Nach § 3 Abs. 1 MedCanG darf Cannabis zu medizinischen Zwecken nur von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. Du kannst die Praxis unterstützen, indem du Verlauf, Vorbehandlungen und Befunde zusammenstellst. Welche Angaben die Krankenkasse verlangt, erfährst du bei ihr.
Kann ich den Antrag selbst vorbereiten?
Du kannst Unterlagen und eine Übersicht über deinen Verlauf vorbereiten. Die medizinische Begründung formuliert die Praxis. Frag die Praxis und deine Krankenkasse, welche Unterlagen sie brauchen, bevor du etwas einreichst. Eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Sozialrecht kann bei Ablehnungen weiterhelfen.