Wie bleibe ich nach dem Entzug stabil?
Stabil bleiben nach dem Cannabis-Entzug heißt vor allem, nicht allein zu bleiben und die ersten Wochen gut zu planen. Der körperliche Entzug ist für viele nach einigen Tagen bis Wochen vorbei, die Veränderung im Alltag dauert länger. Wer mit einer festen Struktur, einer Ansprechperson und Ehrlichkeit mit sich selbst arbeitet, hat die besseren Chancen, dranzubleiben.
Warum die Zeit nach dem Entzug schwierig sein kann
Der Entzug ist nicht das ganze Problem. Nach den Beschwerden fehlt oft der Ersatz für Gewohnheiten, die mit dem Konsum verbunden waren, etwa Abende mit Freunden oder der Griff nach dem Joint in Stresssituationen. Auch das Schlafen und die Konzentration brauchen Zeit, um sich zu erholen.
Wer aufhört, merkt zudem manchmal erst nach Wochen, wie stark der Konsum den Alltag geprägt hat. Das ist normal und ein Grund, sich Unterstützung zu holen.
Konsumtagebuch als Anker
Ein Konsumtagebuch hilft dir, dein Verhalten bewusst zu sehen. Dort notierst du Häufigkeit, Menge und Dauer des Konsums und auch die Gedanken und Gefühle, die damit zusammenhängen. Auch die Online-Beratung DigiSucht bietet nach eigener Beschreibung ein Konsumtagebuch an, dazu eine Motivationswaage, ein Tool zu Risikosituationen und Kontrollstrategien und einen persönlichen Notfallkoffer für kritische Situationen.
Das Angebot Quit the Shit arbeitet mit einem Konsum-Tagebuch, das über vier Wochen geführt wird, und ist laut Programmseite kostenlos. Du entscheidest selbst, ob du reduzieren oder aufhören willst. Der Artikel Hilft ein Konsumtagebuch beim Aufhören mit Cannabis? erklärt die Methode genauer.
Begleitung und Ansprechperson
Stabilität entsteht oft aus Austausch. Quit the Shit beschreibt sich als Informations- und Beratungsservice für Menschen, die professionelle Hilfe suchen. Die Teilnahme ist anonym. Wenn du dich für eine Begleitung entscheidest, notiere dir, welche Themen dich nach dem Entzug am stärksten beschäftigen, und bring sie in den Austausch ein. Für ein Telefonat steht die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 bereit, laut Drogenbeauftragtem kostet sie 20 Cent pro Anruf.
Lass das Gras bietet laut Startseite ein individuelles Beratungsangebot über 90 Tage mit einer persönlichen Beraterin oder einem persönlichen Berater. Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Zahl der freien Plätze kann sich laut Anbieter täglich ändern. Der Artikel Was ist das Online-Programm Lass das Gras? beschreibt, wie das Programm aufgebaut ist.
Gesundheit und Erholung
Der Körper braucht Zeit. Eine Studie, über die drugcom berichtet, fand bei 88 Teilnehmenden zwischen 16 und 25 Jahren, dass sich die Merkfähigkeit bereits in der Woche nach dem letzten Konsum verbesserte. Unklar bleibt laut drugcom, wie dauerhaft diese Veränderungen sind. Nach Angaben von Sucht Schweiz bilden sich Beeinträchtigungen von Gedächtnis und Konzentration bei starken Dauerkonsumierenden größtenteils zurück, wenn der Konsum eingestellt wird. Eine weitere Studie, über die drugcom berichtet, spricht dafür, dass Sport die Erholung der Hirnleistung bei Menschen fördert, die aufhören wollen. Sie umfasste 79 Teilnehmende über drei Wochen und ist eher klein. Die Ergebnisse sind deshalb eher ein Hinweis als ein Beweis.
Achte auf Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten und Bewegung. Diese Grundlagen helfen dir, Stress besser auszuhalten, der sonst zum Konsum führen kann.
Umgang mit Rückfällen
Ein Rückfall heißt nicht, dass alles verloren ist. Wichtig ist, dass du danach nicht in Scham versinkst. Notiere, was vorher passiert ist, wer dabei war und welche Gefühle dich begleitet haben. Dieses Wissen hilft dir beim nächsten Mal. Der Artikel Was tun nach einem Rückfall beim Cannabis? zeigt die ersten Schritte.
Prävention: Auslöser erkennen
Stress, Langeweile, Schlafprobleme und bestimmte Menschen oder Orte können den Griff nach dem Cannabis auslösen. Kenne deine Auslöser und lege für jeden einen Plan fest. Ein Plan kann ein Anruf bei einer Vertrauensperson, ein Spaziergang oder eine andere feste Gewohnheit sein. Bei starker Belastung hilft eine Beratungsstelle.
Wann du sofort Hilfe holst
Bei starker Niedergeschlagenheit, Suizidgedanken oder Verwirrtheit holst du sofort Hilfe, über den Notruf, die Praxis oder eine Krisenstelle in deiner Nähe. Warte nicht, bis es sich von allein bessert.
Alltag strukturieren
Nach dem Entzug entsteht oft eine Lücke im Tagesablauf. Plane feste Zeiten für Arbeit oder Schule, für Bewegung, für Mahlzeiten und für Freunde. Feste Zeiten geben Halt, besonders an den Abenden, an denen früher der Konsum dazugehörte. Schreib dir zwei oder drei Alternativen für diese Abende auf, etwa einen Spaziergang, ein Telefonat oder ein Hobby.
Achte außerdem auf Dinge, die dich in der ersten Zeit belasten, etwa Schulden, Streit oder Termine, die du verschiebst. Eine Beratungsstelle kann helfen, diese Themen zu ordnen. Zu Arbeit und Ausbildung gibt es einen eigenen Artikel: Was tun, wenn Cannabis Job oder Ausbildung gefährdet?.
Deine nächsten Schritte
- Starte ein Konsumtagebuch und führe es mindestens vier Wochen.
- Such dir eine Ansprechperson oder eine Begleitung für die ersten Monate.
- Plane für deine persönlichen Auslöser feste Alternativen.
Eine Übersicht über alle Angebote bietet die Seite Hilfe und Beratung.
Häufige Fragen
Wie bleibe ich nach dem Cannabis-Entzug stabil?
Hilfreich sind feste Strukturen, ein Konsumtagebuch und eine Ansprechperson. Plane für deine Auslöser konkrete Alternativen. Eine Begleitung über mehrere Wochen, wie Quit the Shit oder Lass das Gras sie anbieten, kann dir Halt geben. Bei starker Belastung hilft eine Suchtberatungsstelle.
Was ist ein Konsumtagebuch beim Cannabis-Ausstieg?
Ein Konsumtagebuch hält fest, wie oft, wie viel und wie lange du konsumierst, und welche Gedanken und Gefühle dabei auftreten. Auch DigiSucht bietet in der Online-Beratung ein Konsumtagebuch an. Quit the Shit arbeitet mit einem vierwöchigen Tagebuch.
Was tun nach einem Rückfall beim Cannabis?
Ein Rückfall kann vorkommen und ist kein Scheitern. Notiere die Situation, die Auslöser und deine Gefühle. Sprich das Erlebnis in einer Beratung oder mit einer Vertrauensperson an. Plane für das nächste Mal eine Alternative. Bei starker Niedergeschlagenheit holst du sofort Hilfe.
Quellen
- Quit the Shit: Das Programm
- DigiSucht: Digitale Tools
- drugcom.de: Gedächtnis erholt sich bei Abstinenz
- drugcom.de: Sport verbessert kognitive Leistungen nach dem Ausstieg
- Sucht Schweiz: Cannabis, Wirkung und Risiken
- Lass das Gras: Online-Ausstiegsprogramm
- drugcom.de: Entzugserscheinungen bei Cannabiskonsum
- Sucht & Drogen Hotline
- Drogenbeauftragter der Bundesregierung: Beratungsangebote