Was tun, wenn Cannabis Job oder Ausbildung gefährdet?
Wenn Cannabis deinen Job oder deine Ausbildung gefährdet, solltest du früh handeln. Sprich zuerst mit einer Beratungsstelle oder einer betrieblichen Ansprechperson, bevor sich Probleme verfestigen. Manche Betriebe haben Ansprechpersonen oder Angebote für Mitarbeitende und Auszubildende mit Suchtproblemen. Wie du diese Wege findest und was du im Gespräch sagen kannst, zeigt dieser Beitrag.
Wann dein Job oder deine Ausbildung in Gefahr ist
Nicht jeder Konsum zeigt sich sofort im Arbeitsalltag. Oft beginnt es mit kleinen Veränderungen: Du kommst verspätet, bist unkonzentriert oder erledigst Aufgaben schlechter als früher. Auch Fehlzeiten, Müdigkeit und Gereiztheit können Hinweise sein. Laut BIÖG stört häufiges Kiffen die Konzentration, was zu Problemen in Schule und Ausbildung führen kann. In der Ausbildung fallen zusätzlich Berufsschule, Prüfungen und die Rückmeldung des Ausbildungsbetriebs ins Gewicht.
- Termine werden verpasst oder Aufgaben liegen länger liegen
- Konzentration und Leistung lassen spürbar nach
- Konflikte im Team oder mit Ausbildenden häufen sich
- Du fehlst öfter, ohne dass klar ist, woran es liegt
- Du bist am Arbeitsplatz oder in der Berufsschule unter Cannabiseinfluss
Der letzte Punkt ist besonders heikel, weil er Sicherheit und Pflichten betrifft. Wenn du in einer Tätigkeit arbeitest, bei der Konzentration sicherheitsrelevant ist, solltest du dringend Beratung suchen.
Betriebliche Suchtberatung nutzen
Manche Betriebe haben eine interne Ansprechperson oder ein Angebot zur betrieblichen Suchtberatung. Frag bei der Personalabteilung, der Ausbildungsleitung oder der Arbeitnehmervertretung nach. Dort geht es um Beratung, Vermittlung und manchmal um die Begleitung in Gesprächen mit Vorgesetzten. Den Beitrag Hilft die betriebliche Suchtberatung bei Cannabis am Arbeitsplatz? erklärt die Möglichkeiten genauer.
Ist dein Betrieb klein, hilft die externe Suchtberatung in deiner Nähe. Das Suchthilfeverzeichnis der DHS zeigt Stellen in deiner Region und kennt auch die Angebotsart Suchtberatung/-Prävention im Betrieb. Frag bei der Stelle nach, wie sie mit Vertraulichkeit umgeht.
Das Gespräch mit Vorgesetzten vorbereiten
Ein Gespräch mit Vorgesetzten fällt leichter, wenn du weißt, was du sagen möchtest. Du musst nicht jede Einzelheit offenlegen. Wichtig ist, dass du dein Anliegen klar formulierst und Lösungen anbietest, etwa eine Beratung, einen Termin beim Hausarzt oder eine Änderung der Arbeitsbedingungen.
- Bereite einen kurzen Satz vor, der dein Anliegen benennt
- Überlege, welche Unterstützung du brauchst
- Notiere Fragen zu Fristen, Pflichten und Konsequenzen
- Nimm eine Vertrauensperson oder eine Beratungsperson mit, wenn du dich unsicher fühlst
Wie du dich auf das erste Gespräch mit einer Beratung vorbereitest, zeigt der Beitrag Wie bereite ich mich auf das erste Beratungsgespräch vor?.
Arbeitsrechtliche Fragen einordnen
Was dein Arbeitsvertrag oder deine Ausbildungsordnung zu Suchtproblemen regelt, ist im Einzelfall wichtig. Wir geben dazu keine verbindliche Auskunft. Eine Gewerkschaft, eine Arbeitnehmerberatung oder eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann deine Situation einordnen. Nimm deinen Vertrag und die Ausbildungsunterlagen zum Termin mit.
Straßenverkehr: Führerschein und Job
Viele Berufe setzen einen Führerschein voraus, und ein Verlust kann den Job direkt gefährden. Für den Straßenverkehr gilt ein Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum (§ 24a Abs. 1a StVG). Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Bei einer Geldbuße nach § 24a Abs. 1 bis 2a StVG ist in der Regel auch ein Fahrverbot anzuordnen (§ 25 Abs. 1 StVG).
Wenn du bereits auffällig geworden bist oder unsicher bist, welche Folgen für deinen Führerschein drohen, kläre das früh mit einer Beratung oder einer Fachstelle. Die Fahrerlaubnisbehörde ist für formelle Fragen zuständig und gibt dir Auskunft über das weitere Verfahren.
Ausbildung retten: was möglich ist
In der Ausbildung ist der Austausch zwischen Betrieb, Berufsschule und Beratung besonders wichtig. Die zuständige Stelle, bei Handwerks- und Industrieberufen meist die Kammer, überwacht die Berufsausbildung und berät die Beteiligten. Nach § 76 Abs. 1 BBiG muss sie dafür Berater oder Beraterinnen bestellen. Sprich frühzeitig mit der Ausbildungsberatung, wenn du Schwierigkeiten hast, und frag, welche Möglichkeiten es im Einzelfall gibt.
Auch Familie und Freunde können helfen, wenn du den Alltag strukturieren willst. Der Beitrag Was tun, wenn ich Cannabis aus Stress konsumiere? beschreibt, wie du Auslöser erkennst, die im Berufsalltag auftreten.
Wenn psychische Belastungen dazukommen
Wenn Konsum mit Angst, Schlafproblemen oder Stimmungstiefs einhergeht, reicht ein Gespräch im Betrieb allein oft nicht. Dann solltest du eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Dort kannst du auch klären, ob eine Krankschreibung oder eine Behandlung sinnvoll ist. Bei akuter Gefahr oder Suizidgedanken wählst du den Notruf 112.
Typische Missverständnisse im Job
„Mein Chef merkt das nicht“
Veränderungen bei Terminen, Konzentration und Stimmung können im Team auffallen. Je früher du dir Rat holst, desto mehr Möglichkeiten hast du, selbst zu entscheiden, wie du vorgehst.
„Ich muss meinen Konsum immer offenlegen“
Ob und wie du etwas offenlegst, hängt von Vertrag und Tätigkeit ab. Eine Beratung hilft dir, die Grenzen deiner Offenheit abzuwägen, bevor du sie überschreitest.
„Der Führerschein ist nur privat wichtig“
Auch im Beruf kann der Führerschein Voraussetzung sein, etwa bei Fahrten im Auftrag des Betriebs. Ein Verlust kann dann direkte Folgen für deine Tätigkeit haben.
Wenn der Betrieb Maßnahmen ankündigt
Kündigt dein Betrieb ein Gespräch oder Maßnahmen an, bitte um eine schriftliche Darstellung und lass dich beraten, bevor du zustimmst. Eine Arbeitnehmerberatung oder eine Gewerkschaft kann dir einordnen, welche Schritte üblich und zulässig sind. Notiere Datum, Uhrzeit und Inhalt jedes Gesprächs.
Ausbildungsbetrieb und Berufsschule abstimmen
In der Ausbildung arbeiten Betrieb, Berufsschule und Prüfungsstellen zusammen. Wenn du Probleme hast, informiere die Ausbildenden früh und frag, welche Stelle für Unterstützung zuständig ist. Je früher die Beteiligten Bescheid wissen, desto leichter lassen sich Lösungen finden, etwa mit Lernzeiten oder einer angepassten Planung. Die Ausbildungsberatung der zuständigen Stelle kann dabei beraten.
Was du jetzt tun kannst
- Notiere, welche Folgen im Job oder in der Ausbildung schon sichtbar sind.
- Melde dich bei einer Suchtberatungsstelle oder bei der betrieblichen Ansprechperson.
- Bereite dein Gespräch mit Vorgesetzten vor und überlege, was du offenlegen möchtest.
- Kläre die Folgen für deinen Führerschein, wenn dein Beruf ihn voraussetzt.
Einen Überblick über Hilfe und Beratung findest du unter Hilfe und Beratung. Die Beratung im Betrieb beschreibt auch der Beitrag Hilft die betriebliche Suchtberatung bei Cannabis am Arbeitsplatz?.
Häufige Fragen
Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich Cannabis konsumiere?
Ob und wie du deinen Konsum gegenüber dem Betrieb offenlegst, hängt von deinem Arbeitsvertrag und von deiner Tätigkeit ab. Bei sicherheitsrelevanten Aufgaben kann die Lage anders aussehen. Eine Beratung oder eine Arbeitnehmerberatung kann dir helfen, deine Situation einzuordnen.
Was passiert mit meinem Führerschein nach einer Kontrolle?
Bei einer Geldbuße nach § 24a StVG ist in der Regel auch ein Fahrverbot anzuordnen (§ 25 Abs. 1 StVG). Welche Folgen in deinem Fall gelten, hängt vom Einzelfall ab. Eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Verkehrsrecht kann das konkret einordnen.
Wo bekomme ich Hilfe, wenn mein Betrieb nichts anbietet?
Eine Suchtberatungsstelle in deiner Nähe hilft unabhängig vom Betrieb. Das Suchthilfeverzeichnis der DHS zeigt Stellen in deiner Region. Auch Hausarzt oder Ärztin können dich beraten und, wenn nötig, an eine Fachstelle überweisen.