Kann man Cannabis ohne Hilfe aufhören?
Ja, das kommt vor. DigiSucht schreibt, dass die Meisten es beim Probieren belassen oder nach einer Weile des Experimentierens von alleine wieder aufhören. Bei häufigem Konsum und Abhängigkeit sieht es anders aus: drugcom beschreibt die psychische Abhängigkeit als hartnäckig. Ob ein Selbstausstieg für dich realistisch ist, solltest du ehrlich einschätzen.
Wann ein Selbstausstieg realistisch ist
Eine feste Grenze nennen die Quellen nicht. Zur Einschätzung hilft drugcom: Eine Abhängigkeit zeigt sich in einem Bündel von Merkmalen, und mindestens zwei von 11 Kriterien innerhalb von 12 Monaten gelten als Substanzgebrauchsstörung. Je mehr Kriterien zutreffen, desto schwerer ist sie. Der Artikel Woran erkenne ich eine Cannabisabhängigkeit? beschreibt sie. Treffen mehrere zu, ist Unterstützung naheliegend.
Klare Motive helfen beim Durchhalten. Wer etwa seine Konzentration verbessern oder eine Ausbildung sichern möchte, hat einen greifbaren Grund. Wenn Mitbewohner oder Freunde weiter konsumieren, kann es helfen, Gewohnheiten neu zu gestalten, zum Beispiel Treffen zu anderen Zeiten oder an anderen Orten zu planen.
Wann Unterstützung nötig wird
Es gibt Situationen, in denen ein Selbstausstieg schwierig wird. Das ist der Fall, wenn Entzugsbeschwerden so stark sind, dass du kaum schläfst oder arbeiten kannst. Auch wiederholte Versuche, die immer wieder scheitern, sind ein Hinweis. Ebenso sollte aufmerksam werden, wer gleichzeitig mit Angst, Niedergeschlagenheit oder anderen psychischen Belastungen zu tun hat.
- Die Beschwerden beim Pausieren sind stark oder halten länger an als erwartet.
- Du hast schon mehrmals ohne Erfolg versucht aufzuhören.
- Psychische Belastungen nehmen zu oder der Konsum dient vor allem der Beruhigung.
- Du hast bereits im Jugendalter regelmäßig konsumiert.
Eine Warnung ist wichtig. Je länger und öfter man kifft und je jünger man ist, desto größer ist laut cannabispraevention.de das gesundheitliche Risiko. Wer Stimmen hört, starke Verfolgungsgedanken hat oder sich nicht mehr sicher fühlt, sollte sofort ärztliche Hilfe suchen.
Wie ein Selbstausstieg vorbereitet werden kann
Wer alleine aufhören möchte, braucht einen Plan. Er beginnt mit einem Datum oder einem klaren Zeitraum, in dem du nicht konsumierst. Außerdem hilft es, Auslöser zu kennen und Alternativen für Momente vorzubereiten, in denen das Verlangen stark ist. Ein Spaziergang, ein Anruf bei einer vertrauten Person oder eine feste Aufgabe am Abend können solche Alternativen sein.
Notiere außerdem, wie du dich in den ersten Tagen fühlst. Stimmung und Schlaf können in dieser Phase schwanken: drugcom nennt Schlafprobleme und Depressionen unter den Entzugssymptomen. Mit Notizen lässt sich später besser erkennen, was dir geholfen hat. Der Artikel Wie finde ich die Motivation, mit Cannabis aufzuhören? geht auf die Frage ein, wie du den Willen über die schwierigen Tage trägst.
Entzug zu Hause: worauf du achten solltest
Laut drugcom sind Entzugssymptome unangenehm, stellen aber in der Regel keine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit dar. Typisch sind Nervosität, Unruhe, Schlafprobleme und verminderter Appetit. Sie beginnen meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum und dauern in der Regel bis zu einer Woche, im Höchstfall bis zu 14 Tage. Ein anderer drugcom-Beitrag nennt drei bis vier Wochen bis zum weitgehenden Abklingen. Der Artikel Welche Symptome hat der Cannabis-Entzug? beschreibt die Symptome genauer.
Wenn Beschwerden stark werden, ist ein Arzt der richtige Ansprechpartner. Bei Anzeichen für Depressionen, Suizidgedanken oder starke Panik ist das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt dringend nötig. Auch wenn du gleichzeitig andere Substanzen konsumierst, solltest du Unterstützung suchen, bevor du den Entzug allein angehst.
Wann ein Gespräch mit einer Beratung hilft
DigiSucht bietet Suchtberatung zu Cannabis online an, nach eigenen Angaben anonym und kostenlos. Dort kannst du deinen Plan besprechen und Rückschläge einordnen. Für akute Notfälle gibt es andere Wege.
Der Artikel Kann man den Cannabis-Entzug zu Hause durchstehen? zeigt, welche Bedingungen dafür hilfreich sind und wann eine andere Form der Unterstützung besser passt.
Den Ausstieg im Alltag absichern
Im Alltag kann Struktur helfen. Wer abends regelmäßig konsumiert hat, braucht für diese Zeit einen festen Ersatz, etwa eine Serie, Sport oder ein Telefonat mit einer vertrauten Person. Wichtig ist, dass der Ersatz schon bereitsteht, bevor das Verlangen kommt.
Auch Orte und Gegenstände spielen eine Rolle. Ein Aschenbecher, eine Pfeife oder ein fester Platz auf dem Balkon erinnern schnell an den alten Ablauf. Es kann helfen, solche Dinge zu entfernen oder umzugestalten.
Schlaf, Essen und Bewegung sind in den ersten Wochen einen Blick wert, denn Schlafprobleme und Unruhe gehören zu den Entzugssymptomen. Kleine Routinen wie feste Schlafenszeiten oder regelmäßige Mahlzeiten können Halt geben. Eine kleine Studie, über die drugcom berichtet (79 Teilnehmende), fand bei Ausstiegswilligen, die Sport trieben, bessere Hirnleistungen als bei denen ohne Sport.
Schließlich hilft ein Notfallplan. Notiere dir eine Person, die du anrufen kannst, und eine Stelle, an die du dich wenden kannst, wenn es schwierig wird. So musst du in einer Krise nicht erst überlegen, wen du fragst.
Was du jetzt tun kannst
- Prüfe ehrlich, ob du Anzeichen einer starken Abhängigkeit hast.
- Lege ein Datum fest und schreibe deine Gründe für den Ausstieg auf.
- Plane Alternativen für Situationen, in denen das Verlangen besonders stark ist.
- Vereinbare ein Gespräch mit einer Beratungsstelle, wenn du unsicher bist oder Rückfälle sich häufen.
Ein Ausstieg ohne Hilfe ist möglich. Wichtig ist, dass du die Warnzeichen ernst nimmst und dir Unterstützung holst, sobald sie nötig wird. Weitere Hinweise finden sich im Bereich Hilfe und Beratung.
Häufige Fragen
Kann ich Cannabis ohne Hilfe von heute auf morgen aufhören?
Möglich ist das für manche Menschen. Ein Plan, der Auslöser und die ersten Tage berücksichtigt, kann helfen; ein Datum und Alternativen für schwierige Momente gehören dazu. Wenn du merkst, dass der Entzug stark ist, solltest du Unterstützung suchen.
Welche Entzugserscheinungen sind bei Cannabis typisch?
Typisch sind Unruhe, Reizbarkeit, Schlafprobleme und ein verringerter Appetit. Sie treten meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum auf und dauern in der Regel bis zu einer Woche, im Höchstfall bis zu 14 Tage. Starke oder anhaltende Beschwerden, Depressionen oder Panik sind ein Grund, ärztliche Hilfe zu holen.
Wann ist eine Beratung beim Selbstausstieg sinnvoll?
Eine Beratung ist sinnvoll, wenn Rückfälle sich häufen, der Entzug stark ist oder psychische Belastungen zunehmen. Sie hilft dir auch, einen Plan zu schärfen. Du musst dafür nicht bereits sicher sein, dass du aufhören willst.