Welche Wechselwirkungen hat Medizinalcannabis mit Medikamenten?
Medizinalcannabis kann sich mit anderen Medikamenten gegenseitig beeinflussen. Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM) weist darauf hin, dass THC und CBD Nebenwirkungen haben und Wechselwirkungen auslösen können. Die wichtigste Regel lautet deshalb: Nenne deiner Ärztin, deinem Arzt und deiner Apotheke alle Medikamente, die du einnimmst, und sag bei jeder neuen Verordnung, dass du Cannabis erhältst.
Warum Wechselwirkungen so wichtig sind
Die ACM unterscheidet zwei Arten von Wechselwirkungen: Entweder verstärken oder schwächen sich die Wirkungen gegenseitig, oder ein Medikament verändert über die Leber den Blutspiegel des anderen. Viele dieser Wechselwirkungen sind laut ACM therapeutisch nützlich, andere können Probleme verursachen. Nicht jeder erlebt alle genannten Wirkungen. Deshalb lässt sich der Einzelfall nur mit vollständigen Angaben einschätzen. Eine Liste aller Präparate, auch der frei verkäuflichen, ist dafür die beste Grundlage.
Welche Wirkungen die ACM nennt
Nach den Angaben der ACM können Nebenwirkungen vor allem zu Beginn der Behandlung und bei einer Dosiserhöhung häufig auftreten. Die folgende Übersicht fasst die Bereiche zusammen, die im Informationsblatt genannt werden.
| Bereich | Mögliche Wirkungen |
|---|---|
| Psyche und Denken | Angst bis Panik, nachlassende Aufmerksamkeit, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses |
| Bewegung und Reaktion | Schlechtere Koordination, langsamere Reaktionszeit, geringere Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun |
| Herz und Kreislauf | Herzrasen, Blutdruckschwankungen, Schwindel beim Aufstehen |
| Mund und Verdauung | Trockener Mund, verlangsamte Magenentleerung |
| CBD | Müdigkeit oder erhöhte Wachheit, Übelkeit, niedrigerer Blutdruck, erhöhter Augeninnendruck |
Die ACM betont, dass dieselbe Wirkung für eine Person unerwünscht und für eine andere das Behandlungsziel sein kann. Sag deiner Praxis deshalb offen, welche Veränderungen du bemerkst.
Medikamente, bei denen die ACM Wechselwirkungen nennt
Das ACM-Informationsblatt nennt unter anderem diese Gruppen:
- Schlafmittel, Alkohol und andere Mittel, die Schlaf und Wachheit beeinflussen: stärkere Müdigkeit und Beeinträchtigung der Wachsamkeit.
- Mittel, die Blutdruck oder Puls beeinflussen, zum Beispiel Betablocker oder Amphetamine: Blutdruck und Puls verändern sich. Betablocker können THC-bedingtes Herzrasen abschwächen.
- Mittel, die den Mund trocknen (zum Beispiel Antidepressiva) oder die Darmtätigkeit beeinflussen (zum Beispiel Opioide): trockener Mund oder Darmträgheit können zunehmen. Bei Opioiden kann sich die Schmerzlinderung gegenseitig verstärken.
- Mittel, die über dieselben Leberenzyme abgebaut werden, zum Beispiel Clobazam, Clozapin oder Olanzapin: Der Blutspiegel von Cannabinoid oder Medikament kann steigen oder sinken.
- Ketoconazol und Rifampicin: Ketoconazol kann die THC- und CBD-Spiegel erhöhen, Rifampicin sie senken.
Die Liste ist ein Auszug aus dem Informationsblatt und nicht vollständig. Ob eine Kombination bei dir ein Problem ist, beurteilt die Praxis oder die Apotheke. Setze andere Medikamente nie eigenmächtig ab oder um. Das empfiehlt auch die ACM.
Wann besondere Aufmerksamkeit nötig ist
Nebenwirkungen sind laut ACM vor allem zu Beginn und bei einer Dosiserhöhung häufig. In ihren Hinweisen für den Straßenverkehr nennt sie außerdem den Behandlungsbeginn, die Dosiserhöhung und den Wechsel von Medikamenten oder Cannabispräparaten als Situationen, in denen du dir besonders unsicher sein solltest. Der Grundsatz der ACM lautet: niedrig beginnen, langsam steigern, und zwar nach ärztlicher Vorgabe.
Alkohol und andere berauschende Mittel
Alkohol ist ein zusätzlicher Faktor, den du nicht unterschätzen solltest. Die ACM rät, auch auf gelegentlichen Alkoholkonsum zu verzichten, wenn du mit Cannabis behandelt wirst. Das gilt besonders, wenn du Auto oder Rad fährst. Auch andere berauschende Mittel verstärken die Wirkungen. Sprich mit der Praxis über alles, was du zusätzlich konsumierst.
Was du im Gespräch mit der Apotheke klären kannst
Frag die Apotheke, ob sie deine Präparate auf Wechselwirkungen prüfen kann. Lege eine vollständige Liste vor und nenne auch frei verkäufliche Schmerzmittel, Schlafmittel oder pflanzliche Präparate. Wenn die Apotheke einen Hinweis gibt, ist es sinnvoll, ihn mit der Praxis abzustimmen. Notiere das Ergebnis in deinen Unterlagen.
Prävention im Alltag
Eine geführte Liste deiner Medikamente hilft, den Überblick zu behalten. Notiere Präparat, Dosis, Einnahmezeit und den Grund. Trage Veränderungen sofort ein, und zeig die Liste bei jedem Termin vor. Die ACM weist darauf hin, dass Koordination, Aufmerksamkeit und Reaktionszeit beeinträchtigt sein können, und rät: Fahre nicht, wenn du dich beeinträchtigt fühlst.
Wann du sofort Hilfe holst
Bei Brustschmerzen, Atemnot, Ohnmacht oder anhaltendem Herzrasen nennt die ACM den Notruf 112. Bei Panik, starker Angst, Halluzinationen oder Wahnvorstellungen, wiederkehrendem starkem Erbrechen, Hautausschlag, Schwellungen (mögliche Allergie) oder stark ausgeprägter Müdigkeit solltest du ärztlichen Rat holen. Außerhalb der Praxiszeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Suizidgedanken wende dich sofort an den Notruf 112 oder eine Krisenhilfe. Ändere die Dosis bei Nebenwirkungen erst nach Rücksprache mit der Praxis.
Deine Medikamentenliste Schritt für Schritt
Eine gute Liste enthält für jedes Präparat den Namen, die Wirkstoffe, die Dosis, die Einnahmezeit und den Grund der Einnahme. Ergänze Pflaster, Tropfen, Vitamine und pflanzliche Mittel, auch wenn du sie nur gelegentlich nimmst. Trage das Datum ein, an dem du die Liste zuletzt aktualisiert hast. Wenn du mehrere Praxen besuchst, gib jeder Praxis eine Kopie.
Das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt ersetzt die Liste nicht, sie macht es aber genauer.
Was du bei neuen Beschwerden tust
Wenn nach einer Änderung neue Beschwerden auftreten, notiere den Zeitpunkt, die Dosis und die Art der Beschwerde. Das hilft der Praxis, Ursache und Wirkung einzuordnen. Melde Beschwerden, die dich im Alltag einschränken, zeitnah und nicht erst beim nächsten Termin. Bei starken Symptomen gelten die Hinweise zum Notruf aus diesem Artikel.
Deine nächsten Schritte
- Erstelle eine vollständige Liste aller Medikamente und trage sie in den Unterlagen ein.
- Informiere Praxis und Apotheke vor jeder Änderung der Verordnung.
- Melde Nebenwirkungen früh und bespreche die Dosis gemeinsam.
Weitere Hinweise zur Aufklärung findest du im Artikel Welche Nebenwirkungen muss der Arzt erklären?. Den Themenbereich fasst die Seite Medizinalcannabis zusammen.
Häufige Fragen
Welche Medikamente beeinflussen Medizinalcannabis am stärksten?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin weist darauf hin, dass sich THC und CBD mit anderen Medikamenten gegenseitig beeinflussen können. Nenne deiner Praxis und der Apotheke deshalb alle Präparate. Die Fachleute prüfen dann den Einzelfall.
Muss ich meine frei verkäuflichen Medikamente angeben?
Ja, es lohnt sich. Auch frei verkäufliche Schmerzmittel, Schlafmittel und pflanzliche Präparate können mit Cannabis wechselwirken. Lege deiner Praxis und deiner Apotheke eine vollständige Liste vor, damit der Einzelfall geprüft werden kann.
Darf ich Cannabis und Alkohol zusammen nehmen?
Davon rät die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin ab. Sie empfiehlt, auch auf gelegentlichen Alkoholkonsum zu verzichten. Das gilt besonders vor dem Autofahren. Sprich mit deiner Praxis über alle Substanzen, die du zusätzlich konsumierst.