Was passiert beim Absetzen von Medizinalcannabis?
Wer Medizinalcannabis plötzlich absetzt oder deutlich reduziert, kann Entzugsbeschwerden bekommen. Dazu gehören Reizbarkeit, Nervosität, gedrückte Stimmung, Appetitverlust, Schwitzen, Zittern und ein starkes Verlangen nach Cannabis. Die Beschwerden beginnen meist 24 bis 48 Stunden nach der letzten Einnahme. Das Absetzen ist deshalb keine Entscheidung, die man allein am Küchentisch trifft. Sie gehört in ein Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt, der die Behandlung führt.
Welche Beschwerden auftreten können
Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) beschreibt auf ihrer Website die typischen Beschwerden beim Absetzen nach regelmäßiger THC-Einnahme. Genannt werden Reizbarkeit, Nervosität, gedrückte Stimmung, Appetitverlust, Schwitzen, Zittern und starkes Verlangen nach Cannabis. Seltener kommen Kopf- oder Bauchschmerzen, Übelkeit und Fieber vor. Schlafstörungen gehören laut ACM zu den häufigsten Beschwerden.
Die Beschwerden sind nicht bei allen gleich stark. Nach der ACM fallen sie eher stärker oder länger aus bei höheren Dosen, täglicher Einnahme und langer Einnahmedauer, bei jüngerem Lebensalter, bei psychischen Beschwerden wie Depression oder Angst und bei gleichzeitigem Gebrauch von Tabak, Alkohol oder anderen Substanzen. Auch wer bei früheren Pausen deutliche Beschwerden hatte, muss eher damit rechnen. Eine Aussage über deinen Einzelfall kann nur die behandelnde Ärztin oder der Arzt treffen.
Wie der Verlauf typischerweise aussieht
Nach den Angaben der ACM sind die Beschwerden am stärksten etwa an den Tagen 2 bis 6 nach dem Absetzen. Wut und Niedergeschlagenheit können erst nach rund zwei Wochen ihren Höhepunkt erreichen. Bei den meisten Menschen klingen die Symptome ab Woche 2 bis 3 ab. Nach langer und hochdosierter Einnahme können sie laut ACM zwei bis drei Wochen oder länger anhalten.
Diese Zeitangaben sind Orientierung und keine Garantie. Wer einen Verlauf plant, sollte sie als Rahmen nehmen und ihn mit der Behandlungsstelle besprechen.
Warum die ärztliche Begleitung zählt
Die ACM rät ausdrücklich, Cannabis nicht eigenmächtig abrupt abzusetzen. Die Empfehlung lautet, das Vorgehen vorher mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen. Die Ärztin kann einzelne Beschwerden vorübergehend behandeln, etwa Schlafprobleme oder Übelkeit. Zusätzliche Schlaf- oder Beruhigungsmittel sollten nur nach Rücksprache genommen werden.
Nach Angaben der ACM kann eine langsame Verringerung über mehrere Wochen Wahrscheinlichkeit und Stärke der Beschwerden senken. Die Studienlage dazu ist allerdings noch dünn. Deshalb ist ein Plan, der zu deiner Situation passt, besser als eine pauschale Empfehlung aus dem Internet.
Praktische Schritte vor dem Absetzen
- Bespreche das Vorgehen mit der verordnenden Ärztin oder dem Arzt, bevor du etwas veränderst.
- Lege mit der Behandlungsstelle fest, ob du schrittweise reduzierst oder ob ein anderer Weg besser passt.
- Plane die ersten zwei bis drei Wochen so, dass du nicht allein bist und die Tage nicht in einem Stressmoment liegen.
- Halte Schlaf, Essen und Trinken möglichst regelmäßig, denn Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden.
- Notiere, welche Beschwerden wann auftreten, und nimm diese Notizen zum nächsten Termin mit.
Wenn es schwierig wird
Bei starker Niedergeschlagenheit, Suizidgedanken, Halluzinationen oder Verwirrtheit brauchst du sofort Hilfe. Wende dich dann an den Notruf oder an die nächste Notaufnahme. Bei weniger starken Beschwerden sprich mit der Ärztin oder dem Arzt, damit die Behandlung angepasst werden kann.
Die ACM weist darauf hin, dass erneutes Cannabis die Beschwerden sofort lindert und die Gefahr einer ungeplanten Wiederaufnahme groß ist. Besprich deshalb vorab mit der Behandlung, wie du vorgehst, und melde dich, wenn der Plan nicht trägt.
Prävention: Absetzen mit Plan
Das Absetzen ist eine Phase, in der du besonders aufmerksam auf dich achten solltest. Die ACM nennt Tabak, Alkohol und andere Substanzen als Faktoren, die Beschwerden verstärken können. Sprich offen mit der Praxis darüber und suche dir Unterstützung, bevor die Lage kippt. Für den Cannabisentzug ist nach der ACM kein Medikament zugelassen. Wichtig sind Aufklärung, Gespräche und Selbsthilfe, etwa feste Schlaf- und Aufstehzeiten, ausreichend Trinken und Bewegung.
Was du dir vor dem Termin überlegen kannst
Ein Termin zum Absetzen wird produktiver, wenn du vorher aufschreibst, wie du dich in den letzten Wochen gefühlt hast, wie oft du Cannabis genommen hast und welche Beschwerden dich am meisten belasten. Diese Angaben helfen der Ärztin oder dem Arzt, den Verlauf einzuschätzen. Schreib auch auf, welche Ziele du mit dem Absetzen verfolgst, denn daraus ergibt sich, ob ein schrittweises Vorgehen oder eine andere Lösung besser passt.
Es hilft außerdem, eine Vertrauensperson zu benennen, die dich in den ersten Tagen begleiten kann. Das ist keine medizinische Maßnahme, aber sie macht den Verlauf für viele Menschen leichter zu tragen. Sprich vorher mit dieser Person darüber, was du brauchst und woran sie merkt, dass es dir schlechter geht.
Wo du Hilfe bekommst
- Die verordnende Ärztin oder der Arzt für das Vorgehen beim Absetzen
- Die Apotheke für Fragen zur Anwendung und zur Lagerung der Restmenge
- Die Unabhängige Patientenberatung mit ihrem kostenfreien Beratungstelefon
- Sucht & Drogen Hotline: 01806 313031, wenn dir das Verlangen Sorgen macht
Häufige Fragen
Wann setzen die Entzugssymptome beim Absetzen von Medizinalcannabis ein?
Laut Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin treten die Beschwerden meist 24 bis 48 Stunden nach der letzten Einnahme auf. Am stärksten sind sie oft an den Tagen 2 bis 6. Bei den meisten Menschen klingen sie ab Woche 2 bis 3 ab. Sprich den Plan vorher mit der Ärztin oder dem Arzt ab.
Darf ich Medizinalcannabis einfach abrupt absetzen?
Davon rät die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin ausdrücklich ab. Die Empfehlung lautet, das Vorgehen vorher mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen. Nach der ACM kann eine langsame Verringerung über mehrere Wochen Wahrscheinlichkeit und Stärke der Beschwerden senken. Die Studienlage dazu ist noch dünn.