Welche Nebenwirkungen muss der Arzt erklären?
Die Ärztin oder der Arzt muss dich vor einer Behandlung aufklären. Nach § 630e des Bürgerlichen Gesetzbuchs gehören dazu alle Umstände, die für deine Einwilligung wesentlich sind, insbesondere Art, Umfang und Durchführung der Maßnahme, die zu erwartenden Folgen und Risiken sowie die Erfolgsaussichten. Bei Medizinalcannabis sind Nebenwirkungen daher ein zentraler Teil des Gesprächs. Du musst sie nicht selbst herausfinden.
Was das Gesetz verlangt
Das Gesetz verlangt, dass die Aufklärung so erfolgt, dass du die Bedeutung verstehst. Sie muss rechtzeitig vor der Behandlung stattfinden, damit du in Ruhe entscheiden kannst. Auf Alternativen ist hinzuweisen, wenn mehrere medizinisch gleichermaßen indizierte und übliche Methoden zu wesentlich unterschiedlichen Belastungen, Risiken oder Heilungschancen führen können (§ 630e Abs. 1 BGB). Frag deshalb nach, ob es für deine Erkrankung andere Optionen gibt.
Nach § 630e Abs. 2 BGB muss die Aufklärung mündlich erfolgen. Ergänzend kann auf Unterlagen Bezug genommen werden, die du in Textform erhältst. Abschriften von Unterlagen, die du im Zusammenhang mit Aufklärung oder Einwilligung unterzeichnet hast, sind dir auszuhändigen. Deine Einwilligung kannst du nach § 630d Abs. 3 BGB jederzeit und ohne Angabe von Gründen formlos widerrufen.
Welche Nebenwirkungen zur Aufklärung gehören
Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM) beschreibt in ihrem Informationsblatt typische Nebenwirkungen. Nebenwirkungen sind vor allem zu Beginn und bei Dosiserhöhung häufig. Sie betreffen vor allem Kreislauf, Psyche und Konzentration. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Bereiche zusammen:
| Bereich | Mögliche Wirkungen nach Angaben der ACM |
|---|---|
| Psyche und Denken | Rauschgefühl, Angst bis Panik, veränderte Zeit- und Sehwahrnehmung, nachlassende Aufmerksamkeit, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses |
| Bewegung und Reaktion | Schlechtere Bewegungskoordination, langsamere Reaktionszeit, verminderte Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun |
| Herz und Kreislauf | Herzrasen, Blutdruckschwankungen, Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen, vereinzelt Herzinfarkt |
| Mund und Verdauung | Trockener Mund, verlangsamte Magenentleerung, bei einigen Dauerkonsumenten wiederkehrendes Erbrechen |
| Augen | Gerötete Augen, weniger Tränenfluss |
Die ACM weist außerdem darauf hin, dass nicht jede Person alle genannten Wirkungen erlebt. Frag deine Ärztin oder deinen Arzt gezielt nach den Punkten, die für dich wichtig sind. Notiere dir die Antworten während des Gesprächs oder bitte um eine Kopie des Aufklärungsbogens, falls die Praxis einen verwendet. Vergleiche die Angaben der Praxis mit dem Informationsblatt der ACM und frag nach, wenn Abweichungen auffallen.
Wann besondere Vorsicht gilt
Nach der ACM wird vor der Verordnung geprüft, ob eines der Folgenden vorliegt: eine bekannte Allergie gegen Cannabis-Bestandteile, schizophrene Psychosen bei Verwandten, eine bestehende Abhängigkeit oder eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung. Besonders sorgfältig abzuwägen ist bei Kindern, Jugendlichen, Schwangeren, stillenden Müttern und älteren Menschen. Die ACM schreibt außerdem, dass THC bei dafür anfälligen Personen Psychosen auslösen kann. Sag deshalb offen, was auf dich zutrifft.
Unterschied zwischen Nebenwirkung und Behandlungsziel
Manche Wirkungen sind für die eine Person unerwünscht und für eine andere genau das Ziel der Behandlung. Wichtig ist, dass du mit der Praxis besprichst, welche Wirkung erwünscht ist und welche nicht. Nur so lässt sich die Dosis sinnvoll anpassen.
Fragen, die du im Gespräch stellen solltest
- Welche Nebenwirkungen sind bei meiner Dosis am wahrscheinlichsten?
- Ab wann sollte ich die Praxis anrufen, und an wen wende ich mich außerhalb der Sprechzeiten?
- Welche Alternativen gibt es für meine Erkrankung, und welche Vor- und Nachteile haben sie?
- Wie lange dauert es, bis die Wirkung einsetzt, und wann prüfen wir die Dosis erneut?
- Was passiert, wenn ich das Medikament absetze?
Was tun, wenn die Aufklärung unvollständig wirkt
Wenn du das Gefühl hast, dass wichtige Punkte fehlen, bitte um einen zweiten Termin oder um eine schriftliche Zusammenfassung. Frag die Praxis außerdem, ob eine Begleitung im Gespräch möglich ist. Bei Problemen mit der Behandlung hilft der Artikel Wohin wende ich mich bei Beschwerden über Ärzte oder Apotheken?.
Prävention: Nebenwirkungen früh melden
Melde Veränderungen deiner Gesundheit früh an die Praxis, auch wenn sie dir klein erscheinen. Das betrifft vor allem Konzentrationsprobleme, Schwindel, starke Stimmungsschwankungen und Angst. Wenn du Niedergeschlagenheit spürst oder Suizidgedanken hast, suche sofort Hilfe, etwa bei der Praxis, beim Notruf oder bei einer Krisenstelle in deiner Nähe. Die Hinweise zu Wechselwirkungen findest du im Artikel Welche Wechselwirkungen hat Medizinalcannabis mit Medikamenten?.
Wie ein Aufklärungsgespräch ablaufen sollte
Ein gutes Aufklärungsgespräch hat einen klaren Ablauf. Zuerst erklärt die Praxis, was geplant ist und warum. Dann folgen Risiken, Nebenwirkungen und Alternativen. Zum Schluss hast du Gelegenheit, Fragen zu stellen. Wenn dir eine dieser Phasen fehlt, sag es direkt.
Die Aufklärung soll dir verständlich sein. Fachbegriffe sind erlaubt, wenn die Praxis sie erklärt. Bitte um einfache Worte, wenn du etwas nicht verstehst. Eine wirksame Einwilligung setzt voraus, dass du vorher aufgeklärt wurdest (§ 630d Abs. 2 BGB).
Deine nächsten Schritte
- Schreib dir deine Fragen vor dem Termin auf.
- Lass dir Nebenwirkungen und Warnzeichen in verständlicher Sprache erklären.
- Bitte um eine schriftliche Zusammenfassung, wenn du dich nicht sicher fühlst.
Den Themenbereich fasst die Seite Medizinalcannabis zusammen.
Häufige Fragen
Welche Aufklärung muss die Ärztin vor einer Cannabis-Therapie geben?
Nach § 630e BGB muss sie dich über alle für die Einwilligung wesentlichen Umstände aufklären. Dazu gehören zu erwartende Folgen und Risiken, die Erfolgsaussichten und, wenn mehrere gleichermaßen übliche Methoden zu wesentlich unterschiedlichen Belastungen oder Risiken führen können, auch Alternativen. Die Aufklärung muss mündlich, rechtzeitig und verständlich erfolgen.
Welche Nebenwirkungen treten bei Medizinalcannabis am häufigsten auf?
Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin sind Nebenwirkungen vor allem zu Beginn und bei Dosiserhöhung häufig. Sie betreffen Kreislauf, Psyche und Konzentration. Nicht jede Person erlebt alle Wirkungen. Frag deine Praxis, welche Punkte bei deiner Dosis wahrscheinlich sind.
Darf ich bei der Aufklärung eine Begleitperson mitnehmen?
Frag die Praxis vorab, ob eine Begleitung zum Gespräch möglich ist. Eine Begleitung kann helfen, Informationen zu behalten und Fragen zu stellen. Die Entscheidung über die Behandlung triffst du selbst.